Bad Feilnbach: Marinus Moser und sein Lebenswerk in Glas

Lebenswerk mit Glas:  Marinus Moser junior (links) und Vater Marinus Moser senior mit dem „Goldenen Meisterbrief“ im Glaserhandwerk.
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Lebenswerk mit Glas: Marinus Moser junior (links) und Vater Marinus Moser senior mit dem „Goldenen Meisterbrief“ im Glaserhandwerk.

Marinus Moser senior ist Glasermeister und steht seit 50 Jahren aus fester Überzeugung zu seinem ehrwürdigen Handwerk. Für sein Lebenswerk mit dem zerbrechlichen Material wurde der 75-Jährige von der Handwerkskammer für München und Oberbayern mit dem „Goldenen Meisterbrief“ ausgezeichnet.

Bad Feilnbach – Ob das Sprichwort „Scherben bringen Glück!“ für den Glasereibetrieb ebenso zutrifft, versuchte unser Reporter Peter Strim mit den beiden Meistern Marinus Moser senior und Marinus Moser junior „Beim Kainz“, so der alteingesessene Hausname in Bad Feilnbach, im Interview herauszufinden.

Was bedeutet für Siebeide das Sprichwort „Scherben bringen Glück“?

Marinus Moser senior: Für uns Glaser gibt es einen noch viel besseren Spruch: „Alle Menschen müssen sterben – nur der alte Glaser nicht! Denn er besteht aus Kitt und Scherben und diese mag der Teufel nicht!“ Aber Glas als zerbrechliches Material gehört eben zum Handwerk eines Glasers.

Marinus Moser junior: Ich hab’ das große Glück gehabt, in einem fürsorglichen Elternhaus aufgewachsen zu sein. Außerdem gibt es neben meiner Familie nix Schöneres als das Glas und die achtenswerte Eigenschaft der Zerbrechlichkeit.

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Berufswahl „Glaser“ – wie kam es dazu?

Moser senior: Ich wurde im August 1945 unmittelbar nach Kriegsende auf dem elterlichen Bauernhof „Beim Kainz“ in Feilnbach geboren. Als Bub galt es im landwirtschaftlichen Betrieb mitzuarbeiten. 1959, nach Verlassen der Feilnbegga Schui, kam ein gewisser Hausl Rambold, genannt auch „Muggä“ als Glaser auf den elterlichen Hof. Dieser suchte einen Nachfolger im Glaserhandwerk und weckte in mir das Interesse im Umgang mit dem Werkstoff. Die Lehre begann 1964 in der heute noch existierenden Firma Feix in Rosenheim. Anschließend verdingte ich mich bis 1972 als Geselle in der Glaserei Pauliel in Bad Aibling und später in der Glaserei Ernst Mühlberger in Raubling, bis ich schließlich eine Filiale in Feilnbach gründete. Dazwischen stand das Ableisten des Wehrdienstes auf dem Programm. Nach der Meisterprüfung machte ich mich 1983 in Bad Feilnbach selbstständig.

Moser junior: Von Kindesbeinen an hat mich „Glas“ beim Basteln und Werkeln schon fasziniert. Nach dem Quali begann unmittelbar eine dreijährige Ausbildung – weil ich etwas anderes erleben und sehen wollte, nicht im elterlichen Handwerksbetrieb, sondern in der Glaserei Gietl in Rosenheim. Die weiten Wege in die Berufsschule führten nach Vilshofen. 1998 folgte die Ausbildung zum Meister an der Bundesfachschule für das Glaserhandwerk Hadamar in Hessen. Mit der Urkunde in der Hand ging es zurück in die Heimat in den elterlichen Betrieb, den ich 2006 übernahm.

Wie hat sich in all den Jahren das Handwerk des Glasers in Bad Feilnbach entwickelt?

Moser senior: Zu meiner Zeit war ein Glaser für Feilnbach eigentlich schon zu viel. Genügend Arbeit hatten Zimmereien, Schreinereien und Mechaniker. Den Glaser brauchten Schreiner zum Verglasen von Fenstern und Türen oder für Reparaturen, innerhalb der damals umliegenden Gemeinden und darüber hinaus. Die besten Zeiten ergaben sich durch den Bauboom ab den 70er- bis in die 90er-Jahre in Folge des zunehmenden Zuzugs, Tourismus‘ und Baus von Kurkliniken. Für uns kam ein Aufschwung zwischen 1984 und 1995 durch die steigende Nachfrage nach in Mode gekommenen bleiverglasten Lampen in verschiedenen Stilrichtungen.

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Was unterscheidet Vater und Sohn in Sachen „Glashandwerk“?

Moser senior: Meine Spezialgebiete waren Fenster und Kunstverglasungen. Dazu gehört etwa die Glastür zur Werkstatt, an der eine ganze Mannschaft über mehrere Monate gearbeitet hat.

Moser junior:Bei mir sind überwiegend konstruktiver Glasbau, Funktionsverglasung, Glasduschen und Fassadenverglasung gefragt. Aber auch traditionelle Kunstwerke in Blei mit Glas werden von Privat und Kirchen angefragt.

Wie sieht es mit dem Ausbildungsbetrieb und der Zukunft des Glaserhandwerks aus?

Moser senior: Über sechs Jahre war ich allein beschäftigt und konnte mich dann auch auf maximal vier Mitarbeiter vertrauensvoll verlassen. Über all die Jahre verteilt habe ich 14 junge Menschen im Glaserhandwerk ausgebildet. Viele von ihnen machten sich auch selbstständig.

Moser junior: Im Hauptbetrieb und in den Filialen sind gegenwärtig 17 Mitarbeiter beschäftigt. Schwierig ist es aber, Nachwuchs für das interessante Handwerk zu gewinnen. Gesucht werden dringend junge Hauptschulabgänger, die sich jederzeit bewerben können.

Interview:Peter Strim

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