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Kirchstiegl-Wirt Philipp Lidschreiber verstorben

Philipp Lidschreiber
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Philipp Lidschreiber

Er war Leonhardi-Chef, Ski-Pionier, Feuerwehrmann und pflegte enge Verbindungen zu den Rosserern in Lippertskirchen. Vor allem aber war Philipp Lidschreiber der Wirt des Gasthaus – zwischen Hundham und Elbach gelegen. Jetzt ist er mit 87 Jahren gestorben.

Bad Feilnbach/Greisbach – Von seinem Platz an der Schänke verfolgte Philipp Lidschreiber die Jahreshauptversammlungen des Trachtenvereins Eichenlaub Schwarzenberg-Elbach. Während der Kirchstiegl-Wirt die Gläser der Mitglieder im Saal befüllte, schaute er dem Vorstand auf der Bühne durchaus kritisch auf die Finger. „Wenn ihm was nicht gepasst hat, hat er sich schon gerührt“, erzählt Trachtler-Schriftführer Michael Gartmaier schmunzelnd.

So war der „Lipp“ eben nicht nur der „Herbergsvater“ vieler Vereine in und um Hundham, sondern auch ein äußerst engagiertes Mitglied. Gar das Regiment geführt hat Lidschreiber als Komitee-Vorsitzender bei 49 Leonhardifahrten. Die 50. war ihm nicht mehr vergönnt. Im vergangenen Jahr musste er sie wegen Corona schweren Herzens absagen. Heuer wird er dafür vom Himmel aus zuschauen.

Am 8. Februar ist der Lipp vom Kirchstiegl im Alter von 87 Jahren friedlich eingeschlafen. Nach dem Frühstück habe sich der „Pa“ in die Stube zurückgezogen, um die Ski-WM in Cortina d’Ampezzo im Fernsehen anzuschauen, erzählt Lidschreibers Sohn Martin. „Als begeisterter Skiclubler ist ihm da nix ausgekommen.“ Das Rennen wurde wetterbedingt abgesagt, und der 87-Jährige ruhte sich ein bisserl aus. „Er war noch gut eingespannt rund ums Haus“, erzählt Martin Lidschreiber. Um 12 Uhr wäre sein Vater immer zum Kaffee runtergekommen. Doch diesmal kam er nicht mehr. Ein schöner Abschied, findet der Sohn. „Er hat alles so abgeschlossen, wie er es wollte.“

Nach 1985 wurden Lidschreibers zum Stammlokal vieler Leitzachtaler

Angefangen hat das erfüllte Leben des Lidschreiber Lipp am 13. November 1933 in der Küche seines Elternhauses in Greisbach. Nachdem er wie sein Vater Wagner gelernt hatte, zog es ihn hinaus in den Wald. Als Holzknecht und später als Forstfacharbeiter scheute er das schwere und auch gefährliche Handwerk nicht. Doch ein Arbeitsunfall mit Anfang 40 zwang ihn zum Kürzertreten. „Ab da hatte er mit dem Gehen Schwierigkeiten“, berichtet Martin Lidschreiber. Also wechselte der Lipp in die Forstverwaltung.

Nebenbei half der dreifache Vater seiner Frau Elli, die er 1973 geheiratet hatte, und die 1978 das Gasthaus Kirchstiegl von ihren Eltern übernommen hatte. Spätestens nach dem Umbau 1985 wurden die Lidschreibers zum Stammlokal vieler Leitzachtaler Vereine. Auch die Hundhamer Feuerwehr schaute gern beim Lipp – früher selbst aktiver Kamerad – vorbei. „Als er nicht mehr zu den Übungen runterkommen konnte, sind wir zu ihm zur Brotzeit rauf“, erinnert sich Feuerwehr-Schriftführer Michael Gartmaier und lacht.

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Sogar Gründungsmitglied war der Lidschreiber Lipp beim Skiclub Leitzachtal. Als einen der „Pioniere des Skisports im Leitzachtal“ würdigt ihn der Club. Nicht nur durch seine drei Jahrzehnte im Vorstand, sondern auch durch seine Tätigkeit als Kampfrichter bei Wettbewerben sei er im gesamten Oberland bekannt und geschätzt.

Agil bis ins hohe Alter

Auch im betagten Alter ließ sein Pa nichts aus, erzählt Martin Lidschreiber. Wenige Wochen vor seinem Tod war er sogar noch im Fernsehen zu sehen, wo er über seine Arbeit als Holzknecht berichtete. „Nach diesen zehn Minuten des Ruhms hat er sich vielleicht gedacht: ,Jetzt hab ich alles erreicht und kann gehen‘“, meint Martin Lidschreiber schmunzelnd.

Seine Beisetzung hätte angesichts seiner großen Bekannt- und Beliebtheit wohl die Dimension eines Staatsbegräbnisses angenommen, vermutet der Sohn. Wegen der Corona-Regeln müssen sich seine vielen Wegbegleiter nun aber einzeln und im Stillen von ihrem Lipp verabschieden. Der aber tut selbst nach seinem Tod noch etwas Gutes für die Dorfgemeinschaft, sagt Martin Lidschreiber: „Wir sammeln Spenden für die Feuerwehr.“

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