AMTSVORGÄNGER MIT WITZIGER AKTION

Bad Feilnbach: Hier schaut ein Riesendrache ins Bürgermeister-Büro

Was für ein Baum: Einer vom Sturm gefällten, über 100 Jahre alten Fichte von Altbürgermeister Hans Hofer gab der Künstler Christian Staber aus Nußdorf mehr als nur einen letzten Schliff. Seit Donnerstag blickt sie nun als Drache ins Büro von Bürgermeister Anton Wallner.
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Was für ein Baum: Einer vom Sturm gefällten, über 100 Jahre alten Fichte von Altbürgermeister Hans Hofer gab der Künstler Christian Staber aus Nußdorf mehr als nur einen letzten Schliff. Seit Donnerstag blickt sie nun als Drache ins Büro von Bürgermeister Anton Wallner.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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„Ja, ich fühle mich beobachtet an meinem Schreibtisch“, gesteht Bürgermeister Anton Wallner. Ein Riesenkopf ist es, der seit Donnerstagmorgen durch das Fenster in seine Amtsstube blickt.

Bad Feilnbach– Der Kopf gehört zu einem rund vier Meter hohen Drachen aus Holz. Aufgestellt hat ihn sein Amtsvorgänger Hans Hofer mit seinem Sohn.

Das Ganze ist nicht einfach ein Aprilscherz, sondern hat eine lange zurückreichende Vorgeschichte. „Den Baum hat mein Großvater nach dem Ersten Weltkrieg gepflanzt. Er war Teil einer Windschutzhecke bei unserer Hoferalm in Au“, so der Altbürgermeister. Viele Stürme hat die Fichte seither überstanden – und als einziger Baum auch die Rodung der Hecke im Zuge der Flurbereinigung.

Viermal schlug der Blitz ein

Sage und schreibe viermal wurde die Fichte im Laufe ihres langen Lebens vom Blitz getroffen. „Deshalb hat sie auch diese Form“, so Hofer. Mühsamst habe sie all die Jahre überlebt, bis sie im vergangenen Jahr nun doch vom Sturm gefällt wurde. Ein paar Wochen lag sie am Stadl, zog immer wieder interessierte Spaziergänger an.

„Ich wollte sie nicht einfach zu Brennholz werden lassen“, meinte Hofer. Er fragte bei dem Nußdorfer Eisschnitzer und „Fichtenmopedkünstler“ Christian Staber nach, ob es Sinn mache, den Stamm zu „verdeln“. Staber, in der Vergangenheit auch gern gesehener Teilnehmer am „Bad Feilnbacher Waldadvent“, war interessiert. Am Anwesen bei Hofer zuhause machte er sich an die Arbeit.

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Im Gespräch mit der Kur- und Gästeinformation sei dann die Idee aufgekommen, den Drachen als Attraktion auf einem geeigneten Platz in der Gemeinde aufzustellen. „Wir haben zuletzt noch überlegt, wo es passen würde“, schildert Wallner, der von der „Geheimaktion“ seines Vorgängers völlig überrascht wurde.

Hofer und sein Sohn hatten die rund eineinhalb Tonnen schwere Skulptur mit ihrem Tieflader am Mittwoch zu späterer Stunde vor dem Rathaus aufgestellt. Wallner findet‘s witzig: „Das ist etwas, das in Zeiten wie diesen für ein Schmunzeln und Augenzwinkern sorgt. Alle, die vorbeigehen, finden das toll“, schildert er die ersten Reaktionen. Und scheut auch nicht die Nähe des „Ungetüms“: „Wenn ich die Hand aus dem Fenster strecke, könnte ich den Drachen füttern. Aber das darf ich ja nicht.“

Warnhinweis besagt: „Bitte nicht füttern“

Denn auf dem Schild, das der Drache an einer Kette um den Hals trägt, steht auch noch „Bitte nicht füttern“. Aber gut sei, dass die Hofers ihn an der Regenrinne festgemacht hätten. „So kann er nicht weglaufen, bis wir einen Standort für ihn gefunden haben.“

Attraktion für den Regionalmarkt

Wo genau das sein wird, steht noch nicht fest. Im Gespräch sei auch der Naturpark. Etwas verrutschen musste man ihn aber, denn er stand dort, wo beim samstäglichen Regionalmarkt normalerweise ein Verkaufsstand seinen Platz hat. Doch soll er als Attraktion für die Marktbesucher am 3. April noch am Rathausplatz verweilen dürfen.

Weitere Aktion am Rathausplatz

Nur kurze Zeit währte eine weitere Aktion, die Bürger am Donnerstagmorgen vor dem Bad Feilnbacher Rathaus veranstalteten. Sie hatten über den Platz und auf der Bank vor dem Gebäude Luftballons und Kinderschuhe platziert sowie Plakate aufgestellt, auf denen gegen die Maskenpflicht und Testungen für Kinder sowie Schulschließungen protestiert wurde. Mitarbeiter des Bauhofs sammelten die Gegenstände wieder ein. Im Bauhof können sie laut Bürgermeister Anton Wallner auch wieder abgeholt werden. Für die Sorgen der Eltern habe er Verständnis, nicht jedoch für Aktionen dieser Art. Diese würden die Gräben nur vertiefen.

Offene Türen für offenen Dialog

„Mir wäre es lieber, mit den Akteuren in den Dialog treten zu können. So weiß ich ja nicht einmal, wer dahinter steckt. Wenn es Bad Feilnbacher Bürger sind, können wir gerne einen Termin ausmachen und uns persönlich darüber unterhalten. Auch mich berührt die Situation unserer Kinder. Aber die Gemeinde und ich sind hier nicht die richtigen Adressaten.“ Schreiben, die das Rathaus hinsichtlich der Situation und der Bedenken der Bürger erreichten, gebe man stets 1:1 an den Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner und an die Landtagspräsidentin Ilse Aigner weiter. „Der Kontakt von unten nach oben ist da“, versichert der Bürgermeister.

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