NICHTS GEHT MEHR IM LOCKDOWN

Bad Aiblings Fahrschulen beklagen Stillstand auch auf dem Tacho

Michael Dauensteiner in seinem verwaisten Unterrichtsraum.
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Michael Dauensteiner in seinem verwaisten Unterrichtsraum.
  • vonJohann Baumann
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Der erneute Corona-Lockdown betrifft neben der Gastronomie und weiten Teilen des Einzelhandels besonders auch Dienstleistungsbetriebe wie die Fahrschulen schmerzlich.

Bad Aibling –Sie mussten im vergangenen Jahr bereits zwischen März und Mai schließen und ab dem 1. Dezember 2020 traf es auch sie erneut. Die Kosten für Miete, Fahrzeuge und Versicherungen et cetera laufen weiter, aber es gibt derzeit keine Einnahmen. Diese Diskrepanz beklagen die von unserer Zeitung befragten Bad Aiblinger Fahrschulen unisono.

„Seit Dezember gibt es nix“

„Während wir im Frühjahr die staatliche Soforthilfe ziemlich schnell bekommen haben, gibt es seit Dezember nix“, moniert Manfred Kolaschnik, der seit 1992 Fahrschulen in Bad Aibling und Kolbermoor betreibt. Für 2020 fehlt ihm ein Viertel seines Jahresumsatzes, sein angestellter Fahrlehrer befindet sich in Kurzarbeit.

Manfred Kolaschnik hofft auf baldige staatliche Finanzhilfen.

„Es hätte alles gut funktioniert“

Momentan dürften auch weder Aufbauseminare für Führerscheinneulinge noch eigene Fortbildungen durchgeführt werden. Dabei hätten sowohl der Theorieunterricht als auch die praktische Fahrausbildung unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen gut funktioniert. „Wir werden mit Musikschulen in einen Topf geworfen, obwohl bei uns keiner in ein Instrument bläst“, argumentiert er. Ob er Mitte Februar wiedereröffnen kann, hängt nach seiner Ansicht von den dann vorliegenden Inzidenzzahlen ab.

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Ebenfalls in Bad Aibling und Kolbermoor leitet Markus Horschk seit 2015 als Inhaber die Fahrschule Heinzel. Er beziffert seinen coronabedingten Umsatzrückgang für 2020 auf gut zehn Prozent. „Der jetzige Lockdown geht den Fahrschulen an die Substanz, besonders für Kollegen, die erst seit einem oder zwei Jahren im Geschäft sind und zum Start viel investiert haben“, äußert er. Auch er hofft auf staatliche Unterstützung für den laufenden Lockdown und hofft auf dessen baldiges Ende.

Auch Markus Horschk (Fahrschule Heinzel) beklagt Umsatzrückgang.

An drei Orten, nämlich in Bad Aibling, Bruckmühl und Feldkirchen, ist die 1972 gegründete Fahrschule Konrad vertreten. Inhaberin Petra Konrad betont, dass der Schutz von Gesundheit und Leben das wichtigste Argument für die politischen Entscheidungen sei. „Jedoch muss dann die andere Seite auch stimmen. Hier gibt es Probleme. So lässt beispielsweise das Kurzarbeitergeld für Mitarbeiter im zweiten Lockdown viel länger auf sich warten als beim ersten Mal“, stellt sie fest.

Petra Konrad moniert die schleppende Auszahlung des Kurzarbeitergeldes für ihre Mitarbeiter in diesem zweiten Lockdown.

Bei laufenden Kosten in Vorleistung gehen

Trotzdem müsse die Firma mit allen laufenden Kosten in Vorleistung treten, was bei Umsatzeinbußen von drei Monaten Arbeitsausfall in einem Jahr nicht mehr so einfach sei. „Ich hoffe, dass die Inzidenzzahlen deutlich zurückgehen, damit wir bald wieder starten können.“

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Einen Umsatzrückgang in 2020 von etwa 30 Prozent beziffert Fahrschul-Inhaber Michael Dauensteiner für seine beiden Standorte in Bad Aibling und Bruckmühl. „Zum ersten Mal seit 20 Jahren musste ich im März 2020 komplett zumachen“, berichtet er.

„Können Verluste nicht nachholen“

Für seine drei Mitarbeiter hat er Kurzarbeit angemeldet. Im Gegensatz zu manch anderen Branchen könne eine Fahrschule die Verluste nicht nachholen oder reinarbeiten, da das Fahrschulgesetz eine tägliche Unterrichtshöchstdauer vorschreibe. „Eine Alternative wäre, das Personal aufzustocken, aber Fahrlehrer sind Mangelware“ bedauert er und hofft, dass es im spätestens März wieder weitergeht.

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