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„Über 60 Prozent der Kinder können nicht schwimmen“

Bad Aiblingerin kämpft für ein neues Hallenbad in der Stadt

Schwimmen lernen ist lebenswichtig: „Wir haben jetzt noch Wartelisten mit bis zu 60 Anmeldungen. Und wir versuchen bereits nur Kinder ab sechs Jahren auf diese Listen zu nehmen“, sagt Elisabeth Geßner.
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Schwimmen lernen ist lebenswichtig: „Wir haben jetzt noch Wartelisten mit bis zu 60 Anmeldungen. Und wir versuchen bereits nur Kinder ab sechs Jahren auf diese Listen zu nehmen“, sagt Elisabeth Geßner.
  • Ines Weinzierl
    VonInes Weinzierl
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Elisabeth Geßner ist die Vorsitzende der Vereine DLRG Bad Aibling und Sportbad Bad Aibling: Sie kämpft seit Jahren für ein Hallenbad, um dem Bad Aiblinger Nachwuchs das Schwimmen beizubringen.

Bad Aibling – Elisabeth Geßner (69) kämpft seit Jahren für ein Hallenbad in Bad Aibling. Kürzlich hat die CSU-Stadträtin, die auch Vorsitzende der Vereine DLRG Bad Aibling und Sportbad Bad Aibling ist, im Stadtrat das Thema wieder aufs Parkett gebracht. Sie selbst hat übrigens als Grundschülerin das Schwimmen im Freibad Harthausen gelernt. Warum ihr dieses Projekt so unter den Nägeln brennt und welche Strecken sie bewältigen muss, um dem Bad Aiblinger Nachwuchs das Schwimmen beizubringen, verrät sie hier.

Frau Geßner, kürzlich haben Sie die Stadt aufgefordert, zumindest 2022 mit den Hallenbad-Planungen zu beginnen. Warum haben Sie ausgerechnet jetzt dieses Thema angesprochen?

Elisabeth Geßner: Das nächste Hallenbad ist in Rosenheim, Zeiten für Kurse oder Vereinstraining sind schwer bis gar nicht zu bekommen. Das Schulschwimmen findet überhaupt nicht mehr statt und unsere Senioren werden hier komplett vergessen. Die Brisanz war vor zehn Jahren schon gegeben, sie hat sich nur weiter immens erhöht. Wir sprechen inzwischen von über 60 Prozent der Kinder, die nicht sicher schwimmen können.

Elisabeth Geßner

Sie haben auch gesagt, dass Bad Aibling als Gesundheitsstadt unbedingt ein Hallenbad benötigt. Warum ist bisher nichts geschehen?

Geßner: Das ist eindeutig eine Kostenfrage. Ein Schwimmbad kostet zunächst einmal Geld, auch wenn einiges der Investitionen für den Neubau – was ja eigentlich ein Ersatzbau ist – durch Fördermaßnahmen des Freistaates oder des Bundes abgefangen werden kann. Der Ersatzbau der St-Georg-Schule zum Beispiel trägt dazu bei, dass die vorhandenen Mittel bereits mehr als ausgeschöpft sind. Das macht weitere Investitionen so schwierig. Auch wenn die Folgekosten für unsere Bürger, wie zum Beispiel steigende Kosten für die Gesundheit viel höher liegen, so werden diese selten gegenübergestellt. Ein Grundstück für das Sportbad hat die Stadt bereits zur Verfügung gestellt. Aber die Mittel sind gerade in Coronazeiten begrenzt.

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Nutzen Sie auch die Therme für Schwimmkurse?

Geßner: Nein, die Gegebenheiten sind leider nicht geeignet, um qualifizierte Kurse abhalten zu können. Die Becken sind ja nicht abtrennbar. Mitten im öffentlichen Betrieb Kinderschwimmkurse durchzuführen ist nicht möglich. Dazu kommen die Eintrittspreise, die zusätzlich zu den Kursgebühren anfallen.

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Sie haben schon mal erzählt, dass Sie den Bad Aiblinger Kindern in Hallenbädern anderer Kommunen das Schwimmen beibringen. Wohin müssen Sie fahren?

Geßner: Wir fahren bis Glonn, nach Bad Endorf und Kiefersfelden. Die aktuellen Kurse fanden in den Freibädern in Großholzhausen, Au, Harthausen und im Außenbecken an der Therme statt, bei Wind und Starkregen und teilweise Wassertemperaturen unter 20 Grad. Sie können sich vorstellen, dass hier Kinder keine 30 Minuten im Wasser verbleiben und vernünftig üben können.

Müssen Sie Eltern, deren Kinder schwimmen lernen sollen, oft eine Absage erteilen?

Geßner: Wir haben jetzt noch Wartelisten mit bis zu 60 Anmeldungen. Und wir versuchen bereits nur Kinder ab sechs Jahren auf diese Listen zu nehmen. Alle jüngeren Kinder werden nach unseren Informationen auch im kompletten Landkreis Rosenheim teilweise einige Jahre warten müssen. Das ist untragbar und unverantwortlich.

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Ist es Ihrer Meinung nach besonders wichtig, dass Kinder von Experten, wie der DLRG, schwimmen lernen?

Geßner: Natürlich ist es unheimlich wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern früh mit der Wassergewöhnung beginnen. Die richtigen Schwimmtechniken sind am besten durch geschulte Kräfte zu vermitteln. Gerade Kinder nehmen die Vorgaben von Trainern oder Lehrern viel besser an, als von den eigenen Eltern. Es geht ja nicht nur um Spiel und Spaß, sondern eben auch um die Sicherheit und das Lernen.

Vor rund zwei Jahren hat der Verein „Sportbad Bad Aibling“ mit Ihnen an der Spitze eine Online-Petition gestartet. Was ist daraus geworden?

Geßner: Wir haben in kürzester Zeit über 5000 Unterschriften sammeln können. Generell haben wir sehr viel Unterstützung erfahren und werden auch jetzt ständig angesprochen, wann es denn jetzt endlich wieder ein Sportbad in Aibling geben wird. Wir waren bei Stadträten, Landtagsabgeordneten, einigen Ministern und sogar in München bei der Regierung von Oberbayern.

Und?

Geßner: Leider hat dies alles durch Corona wieder an Priorität verloren. Obwohl es nach wie vor gerade in schwierigen Zeiten ein Anker für so viele sein kann. Die Menschen waren zu Hause eingesperrt, konnten sich kaum im Freien bewegen, der Sport blieb auf der Strecke. In einem Schwimmbad ist die Ansteckung mit allen möglichen Viren erwiesenermaßen gering. Durch Hygienekonzepte kann hier sichere Bewegung stattfinden.

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Wie steht es um die anderen Kommunen im westlichen Landkreis? Ziehen die mit an Ihrem Strang?

Geßner: Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich. Wir haben einige Gemeinden besucht, viele Gespräche geführt. Es ist nicht ganz einfach, aber dass es ein Schwimmbad geben sollte, dabei sind sich alle Gemeinden einig. Natürlich gibt es wie immer politische Vorbehalte. Warum sollte eine andere Gemeinde sich an den Kosten beteiligen, wenn das Bad dann in Bad Aibling steht. Aber allein die Bereitstellung des Grundstückes ist schon ein großer Vorschuss, den die Stadt Bad Aibling hier geleistet hat. Die Schulen des westlichen Landkreises würden alle in diesem Schwimmbad ihren Schwimmunterricht haben können. Der ist übrigens auch vorgeschrieben. Trotzdem findet kein Unterricht statt, und das seit Jahren. Das Bad fehlt einfach. Und das sehen auch die umliegenden Gemeinden.

„Das ist alles seit der Schließung des Prantseckbades 2013 weggefallen“

Die Hallenbad-Thematik ist nicht neu – seit über zehn Jahren fordert Geßner ein Hallenbad für den westlichen Landkreis. Der Verein Sportbad Bad Aibling hat sich aus der Interessengemeinschaft Prantseck gebildet, die nach einigen Jahren das ehemalige Prantseckbad übernahm, dem damals einzigen Hallenbad im westlichen Landkreis, so Geßner. Dort gab es fast täglich Schulschwimmen, Schwimmkurse und Vereinstraining. Obendrein waren besondere Zeiten reserviert beispielsweise für Aquafitness. „Das Schwimmen ist für jedes Alter und jede Bevölkerungsgruppe wichtig und gesundheitsfördernd. All dies ist seit der Schließung des Prantseckbades im Oktober 2013 weggefallen.“

Verein hat das Bad ehrenamtlich betrieben

Und wie lief das damals ab? Der Verein Sportbad Bad Aibling hat das alte Bad Prantseck über viele Jahre ehrenamtlich betrieben. Und zwar mit allen Anforderungen, die so ein Schwimmbad mit sich bringt. Lediglich die Reinigungskräfte und die Schwimmaufsichten wurden auf Minijobbasis bezahlt, erklärt Geßner. Die vielen Stunden der Organisation, Aufstellung der Belegungspläne und entsprechende buchhalterische Belange, einfache Reparaturen und Pflege – alles lief ehrenamtlich und hat immer gut funktioniert, erklärt sie. „Das Bad lief mit einem geringen Zuschuss der Stadt zu Energie kostenneutral. Dies ist bei Schwimmbädern meist nicht der Fall, wir hatten das aber sehr gut im Griff. Das Ehrenamt kann hier viel leisten.“

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