Gesundheitsamt stellt keine Bestätigung aus

Bad Aiblingerin gilt trotz durchgemachter Corona-Infektion nicht als Genesene

Wie lange sind Betroffene nach einer Corona-Infektion immun. Eine neue Studie könnte jetzt neue Antworten geben.
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Wie lange sind Betroffene nach einer Corona-Infektion immun? (Symbolbild)
  • Jennifer Bretz
    vonJennifer Bretz
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Nach dem Impfgipfel am 26. April ist das Thema „Umgang mit Geimpften und Genesenen“ in aller Munde. Eine Bad Aiblingerin hat eine Corona-Infektion durchgemacht, bekommt jedoch keine Bescheinigung dafür ausgestellt.

„Ich muss die damalige Überforderung des Gesundheitsamtes ausbaden. Damals wurde ich mit meinem schlechten Gesundheitszustand alleine gelassen und jetzt hilft mir wieder keiner. Ich bin sehr enttäuscht“, erzählt Gerlinde S. (Name von der Redaktion geändert) im Gespräch mit mangfall24.de. Die 66-Jährige hat Ende März/Anfang April 2020 eine Corona-Infektion durchgemacht. Mit ziemlich heftigen Symptomen: Geruchs- und Geschmacksverlust, Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, stetige Müdigkeit. Fast vier Wochen lang lag sie flach, leidet immer noch unter Konzentrationsschwierigkeiten. Wo sie sich damals angesteckt hat, weiß sie bis heute nicht.

Hohe Antikörperwerte, Impfung nicht nötig

„Ich habe am Anfang meiner Infektion viele Tage ergebnislos versucht, dem Gesundheitsamt dies mitzuteilen. Leider kam keine Verbindung zustande. Ich wendete mich an meinen Hausarzt, welcher mich telefonisch beraten hat. Im Juni und im Oktober 2020 sowie am 20. April habe ich jeweils einen Antikörpertest durchführen lassen. Alle Tests, auch der jüngste wiesen einen sehr hohen Antikörperstand aus“, berichtet Gerlinde S.. Ihre Hausärztin habe ihr vergangene Woche bei ihrem letzten Antikörpertest gesagt, dass sie bei diesen Werten definitiv keine Impfung brauche.

Aus diesem Grund hat sich die Bad Aiblingerin an das Rosenheimer Gesundheitsamt gewendet, um eine Bestätigung über eine durchgemachte Coronainfektion, welche auch z. B. bei Reisen anerkannt wird, zu bekommen. Die ernüchternde Antwort des Gesundheitsamtes kam prompt: Das Amt könne ihr die gewünschte Bescheinigung zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht ausstellen.

Kein PCR-Test, keine Bescheinigung

Die Begründung: Genesene seien nach aktueller Definition des Robert Koch Instituts und in den aktuellen STIKO-Empfehlungen ausschließlich definiert als Personen, die eine PCR-diagnostisch gesicherte Infektion durchgemacht haben oder in einem engen epidemiologischen Zusammenhang zu einem labordiagnostisch bestätigten Fall stehen. Antikörpernachweise werden derzeit aufgrund des noch unzureichenden wissenschaftlichen Kenntnisstands auch in der Falldefinition von COVID-19 des RKI nicht berücksichtigt, somit seien laut Gesundheitsamt Personen mit alleinigem Antikörpernachweis nicht gleichzusetzen mit Genesenen nach labordiagnostisch bestätigter COVID-Erkrankung.

Einzige Ausnahme: „Neben PCR-bestätigten Fällen werden in der Falldefinitionskategorie B auch Personen berücksichtigt, die als Kontaktperson eines PCR-bestätigten Falls symptomatisch erkrankt sind und somit auch ohne eigenen PCR-Nachweis als epidemiologisch bestätigter Fall zählen. Hier hat das Gesundheitsamt Rosenheim keinen Ermessensspielraum“, teilt das Rosenheimer Gesundheitsamt auf Nachfrage von rosenheim24.de mit. Gerlinde S. bekommt also keinen Nachweis, weil sie damals über das Gesundheitsamt keinen PCR-Test machen konnte und auch keinen Kontakt zu einem nachgewiesenen Fall hatte. Auch ihre Hausärztin hatte zu der sehr frühen Corona-Zeit noch nicht die Möglichkeit, sie zu testen.

Unter welchen Voraussetzungen wird eine Bescheinigung ausgestellt?

„Wenn eine COVID-19-Infektion gemäß den Kriterien der Falldefinition abgelaufen ist, kann diese bescheinigt werden. Das heißt, die Infektion muss durch einen positiven PCR-Test bestätigt sein“ erläutert das Gesunheitsamt. Dies erfolge z. B. in Form einer Quarantänebescheinigung durch das Gesundheitsamt und kann prinzipiell auch durch jeden behandelnden Arzt erfolgen. Ein offizielles Reisedokument sei in diesem Zusammenhang bislang nicht bekannt.

Ein Sprecher des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege bestätigt auf Anfrage von magfall24.de: „Derzeit nicht geeignet für die Bestätigung einer überstandenen Infektion im Testpass ist der serologische Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2. Zwar können diese grundsätzlich einen Hinweis auf eine vorangegangene Infektion bieten, allerdings stehen bislang keine ausreichenden Daten zur Verfügung, aus denen abzuleiten wäre, ab welchen Nachweisgrenzen von einer ausreichenden Immunität auszugehen ist.“

Können Genesene mit nachgewiesenen Antikörpern mit Geimpften gleichgestellt werden?

Hierzu teilt das Rosenheimer Gesundheitsamt auf Nachfrage von rosenheim24.de mit: „Um als Genesener zu gelten ist es erforderlich, dass zuvor eine mittels PCR-Test labordiagnostisch bestätigte Infektion vorgelegen hatte. Eine Antikörper-Bestimmung ist hierfür nicht erforderlich und gilt derzeit als wissenschaftlich noch unsicher. Unabhängig vom Antikörper-Status wird für genesene Personen eine Impfung frühestens sechs Monate nach Ablauf der COVID-19-Infektion empfohlen. Bezüglich der Quarantänepflicht für enge Kontaktpersonen sind Genesene innerhalb dieses Zeitraumes unabhängig von ihrem Antikörper-Status Geimpften gleichgestellt.

Dies bedeute, dass bei einem engen Kontakt zu einem COVID-19-Fall innerhalb von sechs Monaten nach der Feststellung der eigenen COVID-19-Infektion Genesene von der Quarantänepflicht befreit sind bzw. sich nur bei Auftreten von Krankheitssymptomen in Quarantäne begeben müssen. Über diesen Sechs-Monatszeitszeitraum hinaus, können Genesene laut Gesundheitsamt jedoch nicht mit Geimpften gleichgestellt werden, da die Immunität von Genesenen im weiteren Verlauf abnimmt und der Antikörper-Status die Immunitätslage nicht vollständig widerspiegelt. Ob es weitere rechtliche Vorteile für Genesene und/oder Geimpfte Personen geben wird, bleibe abzuwarten.

jb

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