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Schüler-Projekt am Dietrich-Bonhoeffer-Bildungscampus

Bad Aiblinger Schmetterlinge warnen vor Vergessen der „schlimmsten Zeit unseres Landes“

An der Südfassade des Schulgebäudes sind die von den Schülern gestalteten Keramik-Schmetterlinge befestigt, zusammen mit mahnenden Tafeln. Baumann
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An der Südfassade des Schulgebäudes sind die von den Schülern gestalteten Keramik-Schmetterlinge befestigt, zusammen mit mahnenden Tafeln. Baumann
  • VonJohann Baumann
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Bunt und fröhlich wirken die bemalten Keramik-Schmetterlinge, die seit Kurzem die Fassade des Dietrich-Bonhoeffer-Bildungscampus (DBBC) zieren. Jedoch sind sie Mahner – gegen das Vergessen schlimmster Zeiten und Taten. Was es mit dem Projekt auf sich hat, erläutern jetzt die Akteure.

Bad Aibling – Mit den rund 1,5 Millionen Kindern unter den Holocaust-Opfern beschäftigt sich das weltweite „Butterfly-Project – Schmetterlinge gegen das Vergessen“. Es wurde 2020 im Rahmen der Max-Mannheimer“-Kulturtage auf Initiative des Vereins „Mut & Courage“ unter anderem den zahlreichen Vertretern örtlicher Schulen vorgestellt.

Im Rahmen des Projekts werden die Kinder altersgerecht mit pädagogischer Begleitung mit dem Thema „Holocaust“ vertraut gemacht. Sie beschäftigen sich mit den Biografien getöteter Kinder und bemalen im Gedenken an sie Keramik-Schmetterlinge.

Von allen Schulen hat sich inzwischen nur der Dietrich-Bonhoeffer-Bildungscampus (DBBC) dem Projekt gewidmet und ist damit sogar die einzige Schule Oberbayerns. Beteiligt daran waren gut 60 Schüler der fünften und sechsten Jahrgangsstufe aus der Mittel- und Realschule. Mit einer Feierstunde wurde nun in Anwesenheit der Schüler, Lehrkräfte und zahlreicher Gäste (unter anderem aus der Kommunalpolitik, von Schulen, Kirchen, Vereinen und dem Diakonischen Werk) das „fertige Werk“ präsentiert.

„Mit eurem Engagement für das Projekt habt ihr uns Erwachsenen einen Auftrag gegeben, den wir nicht vergessen dürfen: Diese Botschaft lautet ,nie wieder‘ stellte DBBC-Geschäftsführer Markus Schmidt eingangs fest. Diese Botschaft bedeute aber unter anderem auch, unterschiedliche Lebensmodelle zu akzeptieren, Brücken zu bauen, gesprächsbereit zu sein und Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit nicht als Toleranz zu tarnen.

Zahlreiche Gäste kamen zur Präsentation des „Butterfly“-Projektes in den Dietrich-Bonhoeffer-Bildungscampus.

„Die Schule war schon immer politisch und muss es auch bleiben“, konstatierte er und fügte hinzu:„Der heutige Tag ist für uns ein Versprechen, für die Jugend Freiraum zu schaffen und die Diskussionen auszuhalten.“

Der evangelische Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth erklärte: „Das ,nie wieder‘ wird schnell zur Seite gewischt, weil wir es nicht zulassen können, dass ein Volk einanderes überfällt. Aber nicht einmal die Erkenntnis, dass es in einem Krieg nur Verlierer gibt, eint uns.“

Dr. Ernst Böhm, Gesellschafter der B&O-Gruppe und DBBC-„Hausherr“, erinnerte an die Geschichte des Areals, auf dem nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem das IRO-Kinderdorf für alleingelassene Kinder untergebracht war. „Daher passt das „Butterfly-Projekt“ ganz besonders hier her, zumal auf dem Gelände inzwischen 650 Kinder sind“, bekräftigte er.

Die Betroffenheit war groß

Die ehemalige Schulamtsdirektorin Veronika Käferle, die das Projekt am DBBC initiierte und begleitete, schilderte den Projektverlauf. Dazu zählten auch Überlegungen im Kollegium über die Vorgehensweise bei der Vermittlung der Thematik. „Im Unterricht konnte die Auseinandersetzung mit den Biografien der getöteten Kinder die Wahrnehmung der Schüler für das geschehene Unrecht erweitern“, betonte sie.

Auf Schautafeln hatten die Schüler im Rahmen des Projektes die Schicksale einiger getöteter Kinder dokumentiert.

Sie habe beobachten können, mit welcher Sensibilität und Einfühlungsvermögen die Lehrerteams ihre Schüler geführt hätten. „Die einzelnen Schicksale haben die Schüler betroffen gemacht und berührt“, hob sie hervor. Abschließend sprach sie allen Beteiligten ihren Dank aus und appellierte an alle: „Lassen wir die Erinnerungen nicht verkümmern.“

Getötete Kinder sind nicht vergessen

Sehr erfreut zeigte sich Bürgermeister Stephan Schlier über die Umsetzung des Projektes, das an die schlimmste Zeit unseres Landes erinnere. „Ich habe große Hochachtung vor den Schülern, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und damit den Opfern ein Gesicht zu geben“, unterstrich der Rathaus-Chef.

Eingebettet in das Programm war eine Präsentation über die Phasen der Projektarbeit, an deren Ende das Anbringen der Keramik-Schmetterlinge an der Südfassade des Schulgebäudes stand. Zudem wurden die Lebensläufe einiger getöteter Kinder in Text und Bild auf Schautafeln gezeigt.

Der Schulchor sang unter der Leitung von Elisabeth Meixner und Nicole Bahrami (links) und der Begleitung durch Markus Eli Michael Jacksons „We are the world“.

Die ansprechende musikalische Gestaltung übernahmen Elisabeth Meixner, Nicole Bahrami und Markus Eli (unter anderem mit „Over the rainbow“ und „Tumbalalaika“) sowie der Schülerchor mit „We are the world“.

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