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Anordnung der Behörden

Corona-Regeln bremsen Karussell auf Bad Aiblinger Pfingstfest aus

Das Kinderkarussell auf dem Pfingstfest in Bad Aibling darf sich nicht drehen, weil nach der bayerischen Infektionsschutzverordnung der „Betrieb von Freizeitparks, Indoorspielplätzen und vergleichbaren ortsfesten Freizeiteinrichtungen weiterhin untersagt ist“.
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Das Kinderkarussell auf dem Pfingstfest in Bad Aibling darf sich nicht drehen, weil nach der bayerischen Infektionsschutzverordnung der „Betrieb von Freizeitparks, Indoorspielplätzen und vergleichbaren ortsfesten Freizeiteinrichtungen weiterhin untersagt ist“.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Das soll noch einer verstehen: Das Kinderkarussell auf dem Bad Aiblinger Pfingstfest darf nicht öffnen. Doch wenige Meter weiter in der kleinen Hüpfburg im Biergarten liegen die Kinder kreuz und quer übereinander. So groß die Freude der Festbesucher darüber ist, dass sie wieder feiern dürfen, so groß ist auch ihr Unverständnis für ein Karussell, das sich nicht drehen darf.

Bad Aibling – Für die Bad Aiblinger ist es der Aufreger des Pfingstwochenendes. Für Schausteller Maximilian Fahrenschon ist es existenziell, denn wieder zerplatzte eine leise Hoffnung, seinen Lebensunterhalt endlich wieder selbst verdienen zu können.

Kurz nach Aufbau kam Negativbescheid

„Wir haben am Montag vergangener Woche den Antrag gestellt, das Karussell betreiben zu dürfen“, erläutert Fahrenschon die Terminkette. Am Mittwoch habe es noch immer keine Reaktion aus dem Landratsamt gegeben. Doch zwei Tage braucht es, ehe ein Kinderkarussell steht. „Damit es zur Eröffnung am Freitag fertig ist, habe ich es aufgebaut – natürlich in der Hoffnung, dass ich eine Genehmigung erhalte“, sagt Fahrenschon.

Doch kurz bevor das Pfingstfest startete, zerplatzten seine Hoffnungen wie Seifenblasen: „Am Donnerstag, 17.45 Uhr, erhielt ich den ablehnenden Bescheid vom Landratsamt. Und daran war auch während der Begehung am Freitagvormittag nicht mehr zu rütteln“, ist der Schausteller enttäuscht.

Eine gewerbliche Freizeiteinrichtung

Er weiß, dass nach dem bayerischen Infektionsschutzgesetz „der Betrieb von Freizeitparks, Indoorspielplätzen und vergleichbaren ortsfesten Freizeiteinrichtungen weder unter freiem Himmel noch in geschlossenen Räumen erlaubt ist“. Doch er weiß auch, dass die zuständige Kreisverwaltungsbehörde erleichternde Abweichungen von den Bestimmungen erlauben dürfte, wenn die Inzidenz unter 50 rutscht, und ihre Entwicklung rückläufig ist „Wir kratzen jetzt an der 50, waren gestern bei 51,3“, blickt Fahrenschon mit neuen Hoffnungen in die nächsten Tage.

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Fast täglich hat er sich im Landratsamt gemeldet, um sein ausgeklügeltes Hygienekonzept vorzustellen, das im Rahmen des „Sommer in Rosenheim“ im vergangenen Jahr perfekt funktionierte. Mit Zaun und Einlass ließ sich die Zahl der Kinder und der traditionell am Rande des Karussells stehenden Eltern kontrollieren.

Von den 20 Autos auf seinem Fahrgeschäft, die allein schon einen ausreichenden Abstand der Kinder garantieren, würde er nur jedes zweite besetzen. Nur Kinder aus einem Haushalt dürften gemeinsam in einem Auto Platz nehmen. Die Chips landen nach Benutzung im Desinfektionsbad. Die Autos werden nach jeder Fahrt desinfiziert. Doch was hygienisch einwandfrei klingt, ist nach der Infektionsschutzverordnung eben noch nicht wieder erlaubt. Zumindest für „gewerbliche Freizeiteinrichtungen“ wie ein Karussell nicht.

Spielplätze ja, Fahrgeschäft nein

Spielplätze dagegen dürfen schon seit Wochen wieder öffnen. Und die werden natürlich von den Kindern auch freudestrahlend angenommen. Als Spielplätze gelten dabei nicht nur feste Einrichtungen in einem Biergarten wie beispielsweise der Spielplatz am Braustüberl in Maxlrain oder der am Volksfestplatz in Großkarolinenfeld. Auch die Hüpfburg im Biergarten des Pfingstvolksfestes in Bad Aibling gilt als Spielgerät.

„Das ist schon ein großes Ungleichgewicht“, stellt Fahrenschon fest. Beim „Volksfest to go“ in Großkarolinenfeld spielten die Kinder neben dem Festplatz, aber er durfte sein Karussell nicht aufbauen. Der Unterschied sei ihm von Landratsamt erklärt worden: „Auf Spielplätzen haben die Eltern die Verantwortung“, so Fahrenschon. Er wünscht sich eigentlich nur eines: „Endlich wieder in meinem Kassenhäuschen sitzen, das Kinderlachen auf dem Karussell hören und mein eigenes Geld verdienen.“

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Doch welche Lösung könnte es für das Bad Aiblinger Pfingstfest geben? Die Stadt will sich beim Landratsamt für den Schausteller verwenden, denn so die Idee: „Wenn man das Fahrgeschäft ins Festgelände integriert, hätten nur die Familien Zutritt, die schon kontrolliert aufs Festgelände gekommen sind“, könnte sich Bürgermeister Stephan Schlier vorstellen.

Stadt will ein gutes Wort einlegen

Er habe sich persönlich davon überzeugt, „dass Maximilian Fahrenschon alle Regeln einhält und den coronakonformen Betrieb des Karussells im Griff hätte“. Zudem glaube er nicht, dass Besucher nur wegen des Fahrgeschäftes zum Pfingstfest kämen. Es aber mit klaren Regeln ins Fest einzubauen, könnte vielleicht funktionieren. Gleichzeitig hat der Bürgermeister auch Verständnis für die Vorsicht des Landratsamtes, dass der Biergartenbetrieb zu schnell zu groß werden könnte. Trotzdem hofft er, dass sich die Behörde „einen Ruck gibt“.

Verordnung muss umgesetzt werden

Doch den gibt es nicht. Wie Maximilian Fahrenschon erklärte, habe Landrat Otto Lederer ihm gestern in einem langen Telefonat erklärt, dass die Behörde bei ihrem ablehnenden Bescheid bleiben müsse. „Ich kann den großen Wunsch nach Angeboten auch für Kinder bei solchen Veranstaltungen sehr gut nachvollziehen. Und natürlich verstehe ich auch die existenziellen Sorgen und Nöte der Schausteller“, bedauert Landrat Otto Lederer.

„Dennoch bitte ich um Verständnis, dass nach der Infektionsschutzverordnung Fahrgeschäfte derzeit nicht zulässig sind.“ Das Landratsamt habe extra noch einmal bei der Regierung von Oberbayern nachgefragt, ob es vielleicht doch eine Möglichkeit gebe, den Schaustellern entgegenzukommen.

Außengastronomie oder Volksfest?

Doch die gibt es nicht, denn so erklärt die Behörde: „Grundsätzlich fallen Volksfeste unter das Veranstaltungsverbot. Eine Ausnahmegenehmigung für das Kinderkarussell würde den Volksfestcharakter erheblich verstärken und einen weiteren Besucherstrom anziehen. Eine isolierte Beurteilung der einzelnen Stände, des Biergartens und des Kinderkarussells würde zu einer nicht vertretbaren Umgehung des Veranstaltungsverbots führen.“

Das Kinderkarussell wird sich also nicht mehr drehen, dafür macht es nun jedem Besucher den Unterschied zwischen Außengastronomie und Volksfest klar.

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