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„Quälerei für Körper und Geist“

840-mal dasselbe Stück: Darum quälte sich Bad Aiblinger Marinus Hohmann 16 Stunden am Klavier

Phasen der Erschöpfung. Marinus Hohmann gab am Klavier nicht auf.
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Phasen der Erschöpfung. Marinus Hohmann gab am Klavier nicht auf.
  • Eva Lagler
    VonEva Lagler
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840-mal ununterbrochen ein und dasselbe Klavierstück spielen – insgesamt 16 Stunden lang. Marinus Hohmann aus Bad Aibling hat’s getan. Warum er sich die „Quälerei“ (so heißt das Stück „Vexations“ auf Deutsch) angetan hat, wie er durchhielt und worauf er danach den größten Appetit hatte, verrät er hier.

Bad Aibling – Von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends ertönte im Gymnasium Bad Aibling non stop das Stück „Vexations“ – zu Deutsch „Quälerei“ von Erik Satie. Seinen Kopf und Körper gequält hat der Jungschauspieler (unter anderem „Willkommen bei den Hartmanns“, „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ ) und Abiturient des Aiblinger Gymnasiums für einen guten Zweck: 1500 Euro kamen bei seiner Aktion zusammen. Das Geld kommt ukrainischen Schülern zugute.

Herr Hohmann, sind Sie spontan auf die Idee gekommen, sich der „Quälerei“ zu unterziehen oder hatten Sie schon länger auf einen passenden Anlass – in diesem Fall die Spende zugunsten der ukrainischen Schüler – gewartet?

Marinus Hohmann: Das Stück hat mir mein Vater gezeigt, er ist Orchestermusiker am Gärtnerplatztheater in München. Die Idee für meine Aufführung nach dem Abitur kam dann von uns gemeinsam. Dass wir das dann mit einer Spendenaktion verbinden, entstand erst nach und nach, als die Idee wirklich Form bekam. Zu den ukrainischen Schülern habe ich keinen direkten Kontakt. Ich bin ihnen natürlich innerhalb des Gymnasiums mehrfach begegnet. Ich freue mich sehr, dass ich das Schulgebäude nutzen durfte. Meine Musiklehrerin Frau Tutert hat mich dabei sehr unterstützt. Mithilfe dem Rfo ist es dann auch als livestream gezeigt worden und bekam so eine große Reichweite. Sodass wir schließlich 1500 Euro an Spenden zusammen bekommen haben. Das macht mich total glücklich und stolz und ich hoffe, dass ich dadurch einigen ukrainischen Schüler den Start ins deutsche Schulsystem erleichtern kann.

Seit wann kennen Sie das Stück und wie oft haben Sie es geschätzt vor der speziellen Performance gespielt?

Marinus Hohmann: Ich kenne die „Vexations“ seit Dezember 2021, mich hat Igor Levitt beeindruckt, der es im ersten Corona-Lockdown 840-mal gespielt hat, um damit Spenden für notleidende Musiker zu sammeln. Das habe ich mir auf YouTube angeschaut. Meine eigene Vorbereitung war nicht wirklich intensiv, ich habe es mehrfach anderthalb Stunden durchgespielt. Dann hatte ich keine Lust mehr. Aber ich habe nie daran gezweifelt, dass ich es bei der richtigen Challenge wirklich 840-mal durchstehen werde.

Wie lange dauerte ein „Durchgang“?

Marinus Hohmann: Ich konnte mich ablenken während dem Spielen, indem ich immer die Uhr im Blick hatte. Wir hatten uns vorher ausgerechnet, dass ich circa 50 Wiederholungen pro Stunde schaffen muss, dann brauche ich 16 Stunden. Das war unser Ziel und so habe ich das getaktet. Also ein Durchgang dauert etwas über eine Minute.

Was, denken Sie, hat den Komponisten dazu bewogen, solch ein Werk zu verfassen?

Marinus Hohmann: Ich denke, der Komponist wollte den Pianisten nicht vor technische Probleme stellen, indem er es eben schwierig zu spielen macht. Denn es spielt sich ja recht einfach, die erste Hälfte des Stückes spielt man sowieso nur einhändig, danach erst mit beiden Händen. Vielleicht wollt der Komponist Erik Satie wirklich die mentale Herausforderung, also die Dauer und die permanente Wiederholung als Aufgabe an den Pianisten stellen. Manche halten es auch für einen Scherz von Satie, aber es existieren keine eigenen Anmerkungen von ihm dazu. Das Stück gilt als längstes Musikstück überhaupt. Je nachdem, wie schnell man es spielt, dauert es zwischen 14 und 28 Stunden.

Wieviel „Quälerei“ steckte für Sie in dem Auftritt? Und wer wird mehr gequält, der Kopf oder der Körper?

Marinus Hohmann: Die Quälerei war in der Tat für den Körper anstrengender als für den Geist, denn ab der fünften Stunde begann mein linkes Handgelenk zu schmerzen. Ich habe extra einen Schreibtischstuhl mit Armlehnen benutzt, doch da das Klavier auf Rollen stand, war es etwas höher. Und so war der Armwinkel nicht optimal und mein Arm schmerzte immer mehr. Bald dann auch beide Handgelenke. Mein Vater hat dann mit einem Schaumstoff die Armlehne erhöht und dann ging es besser. Ansonsten war ich die ganze Zeit „in der Zone“, ich habe erst nach Stunde 4 einen Automatismus reinbekommen, da wurde ich richtig müde und meine Augen wollten zufallen. Dann haben plötzlich meine Finger wie von allein gespielt. Um mich geistig präsent zu halten, habe ich versucht, jeden Durchlauf künstlerisch anders zu gestalten, also mal leiser, mal lauter, mal anders betont. So konnte ich wirklich das Stück auch die ganzen 840-mal gerne anhören, es hat mir dann nach einiger Zeit sogar immer besser gefallen. Es hat auch wirklich etwas Meditatives.

16 Stunden sind am Stück nicht vorstellbar – wie funktioniert es mit etwaigen Pausen, mit Essen und Trinken?

Marinus Hohmann: Natürlich habe ich ein paar Pausen gemacht, brauchte aber weniger als vermutet. Da ein Teil ja einhändig gespielt wird, konnte ich nebenbei meine Apfelschnitze essen und zwei Brezen. Mehr brauchte ich nicht. Ich habe aber viel Wasser getrunken und deswegen insgesamt dreimal kurze Toilettenpausen gemacht von circa drei Minuten. Nach der Aufführung habe ich dann voller Appetit einen Döner verschlungen.

Können Sie die Melodie überhaupt noch hören und mit welchen Stücken setzen Sie eventuell einen Kontrapunkt, um nicht auch nachts noch davon zu träumen?

Marinus Hohmann: Ich kann die „Vexations“ immer noch anhören, konnte nach dem Klavier-Marathon auch gut einschlafen. Im Alltag höre ich gerne Chopin, und auch Pop-Musik, ich bin großer Beatles-Fan.

Übrigens

Vor wenigen Tagen hatte Marinus Hohmann seinen ersten Drehtag bei „Dahoam is dahoam“. Er spielt dort die Rolle „Till“, ein Schüler, der gerne Chemie-Experimente durchführt und es deswegen mal krachen lässt.

Vita von Marinus Hohmann:

Geb. 12.01.2004 in Bad Aibling / Bayern

Schule

2010-2014: Grundschule Schönau

Seit 2014-2022: Gymnasium Bad Aibling,

Abschluss: Abitur

Führerschein Klasse B

Fernsehen / Kino / Werbung

2022: „Dahoam is Dahoam“, Rolle Till

2021: TV-Werbespot für „Allianz“

2020: „Der Alte und die Nervensäge“, TV-Film ARD, HR Felix

2019: „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, Kino, HR Max, Regie: Caroline Link

2019: „Die Chefin“, ER, Episode (TV-Film ZDF)

2018: „Fünf Freunde und das Tal der Dinosaurier“, Kino, HR Julian

2017: TV-Werbespot für „Telekom“, HR Anton in „Telekom-Familie Heins“

2016: „Willkommen bei den Hartmanns“ Kino, HR Basti Hartmann

2016: TV-Werbespots für „Telekom“, HR Anton in „Telekom-Familie Heins“

2015: „Um Himmels willen“, ER, Episode: „Superheld“ (TV-Serie ARD)

2015: TV-Werbespot für „Telekom“: „Klassenfahrt“

2015: TV-Werbespot für „Sky“: „FC Augsburg“

2014: TV-Werbespot für „McDonalds“: „Bücherbattle“

2014: „Arschbombe“, HR und Gesang, Musikvideo mom-music

2014: „Die Chefin“, ER, Episode „Tödliche Seilschaften“ (TV-Film ZDF)

2014: „Father Rupert Mayer“ (Kinofilm) als junger Rupert

2013: „Einmal Frühling und zurück“, HR Gary (TV-Film ZDF)

2013: „Bergretter“ Episode: „Bruderherz“, ER (TV-Film ZDF)

2013: „Bergdoktor“ Episode: „In der Falle“, ER (TV-Film ZDF)

2012: TV-Werbespot für „Kabel Deutschland“

2011: TV-Werbespot für „ran“ / sat1

2010: „Super Smash Bros - The Movie“, HR Ness, ks-film

2009: Werbespot für „payback“

Theater / Musik

2016: „Singin in the rain“, Rolle als junger Don

2015: „Theresienstädter Tagebuch“, (Sarré Musikprojekte) als Kinderchorsänger

2015: „Singin in the rain“ (Staatstheater am Gärtnerplatz, München), Rolle als

junger Don Lockwood, Premiere am 23.4.2015, Prinzregententheater

2015: „Carmina burana“, „Klassik am Odeonsplatz“ als Kinderchorsänger

2014 -17: „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ (Staatstheater am Gärtnerplatz, München)

HR als „Jeremy Potts“. Musical, Premiere am 30.4.2014

2014: „Christmas on Broadway, (Staatstheater am Gärtnerplatz, München),

2014: „Disneys Die Schöne und das Biest“ (BBpromotions), Deutsches Theater,

München, Musical, HR als „Tassilo“, Premiere am 18.12.2014

Auszeichnungen

2015: 1. Platz Jugend musiziert (Klavier-Cello-Duo)

2013: 1. Platz Jugend musiziert (Klavier Begleitung)

Kontakt: AgenturKids München / privat: Susi Hohmann, Am Oberfeld 3, 83104 Hohenthann,

Tel 08065-9065770, mobil: 0179-49 32 580, susiheinz@me.com

Krämpfe am Körper blieben nicht aus, doch Marinus Hohmann wusste sich zu helfen. ..:
Genau 840-Mal spielte Marinus Hohmann ununterbrochen das Stück „Vexations“ von Eric Satie.
Den symbolischen Spendenscheck über 1500 Euro überreichte Marinus Hohmann (links) an die Vorstandsmitglieder des Kreis Migration, Felix Schwaller und Annegret Michaellet. Das Geld soll ukrainischen Schülern den Start ins deutsche Schulsystem erleichtern.

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