Bad Aiblinger Heimatmuseum lüftet Schleier nur kurz

Wieder ein Schmuckstück: Das Bad Aiblinger Heimatmuseum mit dem sanierten Dach und einem restaurierten Innenleben. Ab 19. September ist es kurzzeitig wieder geöffnet.
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Wieder ein Schmuckstück: Das Bad Aiblinger Heimatmuseum mit dem sanierten Dach und einem restaurierten Innenleben. Ab 19. September ist es kurzzeitig wieder geöffnet.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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16 Monate war das Heimatmuseum geschlossen. Ab 19. September öffnen sich die Türen zwar wieder – aber nur für vier Wochen. Lesen Sie hier, warum.

Bad Aibling – Nur für kurze Zeit wird sich der Schleier lichten: Nach 16-monatiger Schließung wegen der Dachsanierung öffnet das Heimatmuseum am Wilhelm-Leibl-Platz am dritten September-Wochenende erstmals wieder die Türen: für insgesamt vier lange Wochenenden.

Die Besucher können sich dort nach Abschluss der Arbeiten schon einmal die restaurierten Bereiche im Obergeschoss anschauen – und den unteren Bereich noch einmal im Ist-Zustand erleben. Danach wird wieder zugesperrt. Grund: Der Historische Verein Bad Aibling und Umgebung entwickelt ein neues Konzept für das Erdgeschoss. Dort soll künftig die Geschichte des gesamten unteren Mangfalltals dargestellt werden.

Künftig Platz für Sonderausstellungen

Auch Platz für Sonderausstellungen soll es geben – „heutzutage ein Muss für Museen, um sie wieder mit Leben zu füllen“, sind sich die beiden Vorsitzenden des Historischen Vereins, Felix Schwaller und Dr. Wolfgang Bloch, einig. Auch wenn es arbeitsreiche Monate während der Schließung waren: „Es hat richtig Spaß gemacht“, betonen sie. Dies habe vor allem auch an der Restauratoren-Familie Scheuch gelegen, die man für die fachlichen Arbeiten gewinnen konnte – „ein Glücksfall für uns“.

 
Ermöglicht wurde dies durch finanzielle Unterstützung, die der Verein erhielt – vor allem durch 10 900 Euro der „Sparkassenstiftung Zukunft für den Landkreis Rosenheim“ und 4300 Euro der Ernst-von Siemens-Kunststiftung . Denn dass neben der Sanierung des historischen Dachstuhls – eine Maßnahme von Landkreis Rosenheim und Stadt Bad Aibling – auch für Teile des Inneren restauratorischer Bedarf besteht, war schnell klar.

So wurde neben der „Schwarzkuchl“ vor allem auch die Marbacher Stube mit ihrer Renaissance-Einrichtung genau in Augenschein genommen. Ihre Holzkassettendecke stammt aus der Zeit des Marbacher Hofmarktherren Haffner (um 1680) und stellt laut Ernst-von-Siemens-Stiftung eines der kunsthandwerklich wertvollsten Ausstellungsstücke des Heimatmuseums dar. Ihre sichtbaren Fehlstellen wurden fachgerecht bearbeitet.

Erster Stock bereits wieder in gutem Zustand

„Der erste Stock, in dem auch das kirchliche Leben in Bad Aibling dargestellt wird und die Leibl-Stube zu sehen ist, ist jetzt wieder in sehr gutem Zustand“, so die Vorsitzenden.

Davon können sich die Besucher vom 19. September bis 11. Oktober jeweils freitags bis sonntags überzeugen. Zu sehen sein wird dann auch ein „echter Sperl“: Das Landschaftsgemälde des Künstlers, der ab 1883 in Bad Aibling lebte und 1910 in Kutterling verstarb, ist eine Leihgabe der Stiftung „Rosner & Seidl“ an den Historischen Verein.

Wie sich die Räumlichkeiten im Erdgeschoss künftig präsentieren, daran arbeitet der Verein in den kommenden Monaten. „Uns schwebt vor, die Geschichte des unteren Mangfalltals in verschiedene Kapitel zu gliedern – beginnend mit der Eiszeit und der Grundlage für unser Moor über die erste Landnahme, die Kelten und Römer bis zu den Bauern, der Verwaltung den Handwerkerzünften, dem Irlachschlössl und der Eisenbahn“, sagt Dr. Bloch. Auch für die Sonderausstellungen, die im hinteren Bereiche stattfinden sollen, gebe es genügend Themen.

Es wird auch „entsammelt“

Die neuen Strukturen erfordern aber auch Maßnahmen, für die es den musealen Begriff „Entsammeln“ gibt. Das heißt, dass die Räume übersichtlicher gestaltet und eine ganze Reihe von Sammlungsstücken weichen werden.

„Wir fokussieren uns auf Schwerpunkte und teilen etwa auch die Zimmer in verschiedene Epochen auf. Hier lautet das Motto ,weniger ist mehr‘, das ist die Herausforderung“, darüber sind sich die beiden Vorsitzenden im Klaren. Stolz ist man beim Historischen Verein auf das bestens organisierte Heimatarchiv, das Manfred Schaulies seit vielen Jahren ehrenamtlich betreut. „Damit kann man richtig gut arbeiten.“

Zwei verschiedene „Baustellen“

Die Arbeiten am Dach und im Inneren des Heimatmuseums erfolgten parallel, doch waren es getrennte Maßnahmen und getrennte Zuständigkeiten. Bauherren bei der Dachsanierung waren der Landkreis Rosenheim und die Stadt Bad Aibling. Hintergrund: Im Jahr 1969 hatte der frühere Landkreis Aibling das Gebäude von der Stadt für 50 Jahre in Erbpacht übernommen. Der Landkreis Rosenheim als Rechtsnachfolger hätte 2019 den Zeitraum verlängern können, verzichtete j aber darauf. Laut Vereinbarung war er jedoch in der Vergangenheit für den Unterhalt zuständig – und das Dach zwischenzeitlich völlig marode.

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Letztlich verständigte man sich auf eine Kostenteilung: Zwei Drittel übernimmt der Landkreis, ein Drittel die Stadt. Die Gesamtkosten in Höhe von 1,15 Millionen Euro wurden mit Mitteln des Bezirks Oberbayern und der Landesstiftung für Denkmalpflege gefördert. Die Stadt ist nun wieder Eigentümerin des Mitte des 18. Jahrhunderts entstandenen, wegen des Dachstuhls unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes, das ursprünglich als Ökonomie-Anwesen des Irlachschlössls diente. Ehrenamtlich betrieben und betreut wird das Museum vom Historischen Verein, der auch für das Inventar verantwortlich ist – und somit auch für die Restaurationsarbeiten im Inneren, für die Mittel der Ernst-von Siemens-Kunststiftung und der „Sparkassenstiftung Zukunft für den Landkreis Rosenheim“ flossen.

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