Seit Jahrzehnten

Zu Tisch in Bad Aibling mit Dalí und der Callas - Erwin Kühnel und seine Kochbuch-Sammlung

In „Die Diners mit Gala“ besticht Salvador Dalí mit seiner Kunst. Die Rezepte darin verleiten Kochbuchsammler Erwin Kühnel hingegen eher nicht zum Nachkochen.  privat
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In „Die Diners mit Gala“ besticht Salvador Dalí mit seiner Kunst. Die Rezepte darin verleiten Kochbuchsammler Erwin Kühnel hingegen eher nicht zum Nachkochen. privat
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Wenn sich einer mit Kochbüchern auskennt, dann der Bad Aiblinger Erwin Kühnel. Seit den 1970er-Jahren sammelt er sie. Zu Weihnachten wirft er mit uns einen Blick in seine besonderen Schätze.

Bad Aibling – In Bad Aibling dürfte er der unbestrittene „Herr der Kochbücher“ sein. Wie viele Exemplare er genau besitzt, will Erwin Kühnel nicht verraten. Nur so viel: Es sind weniger als ein mittlerweile verstorbener Bekannter aus der Kurstadt hatte. Und dieser nannte über 2000 Werke sein Eigen...

Begonnen hat die Sammelleidenschaft Kühnels schon in jungen Jahren – in seiner Wiesbadener Clique von Junggesellen, die alle gerne gekocht haben.

Am Anfang stand „Das große Menü-Kochbuch“

„Zuvor habe ich auch schon in der Küche gewurschtelt, aber meist die niederen Dienste wie Kartoffeln schälen und Zwiebeln schneiden verrichtet“, beschreibt er die Anfänge. Doch dann bekam er zum Geburtstag „Das große Menü-Kochbuch“ geschenkt. „Simple Rezepte, die gut kochbar waren. Damit nahm das Unheil seinen Lauf“, schmunzelt der 73-jährige gebürtige Niederbayer.

Auch das Einkaufen gehört zu seinen Leidenschaften

Fortan wurde der Kochlöffel mit zunehmender Begeisterung geschwungen und es kam eine zweite, bis heute nicht mehr abgelegte Begeisterung hinzu, nämlich die für Lebensmittel. „Es gab diesen hervorragenden Markt in Wiesbaden, dann einen tollen Gewürzladen in einer kleinen Gasse. Oft wurde ich gefragt, wie viele Leute ich denn zum Essen eingeladen habe, auch wenn ich nur für einen kleinen Kreis gekocht habe.“

Lieblingsrezepte kennt der Hobbykoch natürlich auswendig,

„Und irgendwann war es ein Tick“

So kam es, dass er nicht nur ein Kochbuch nach dem anderen geschenkt bekam, sondern sich auch, wo immer er auf der Welt war, von keiner Buchhandlung fernhalten konnte. „Das endete in einem Tick. Ob im Urlaub oder auf Dienstreise – mein Kollege war schier am Verzweifeln mit mir –, ich war immer auf der Suche nach dem Besonderen, dem Regionalen.“ In Köln begrüßte ihn der Inhaber einer reinen Kochbuchhandlung mit den Worten „Da kommt mein südlichster Stammkunde“.

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Mit der Zeit wurde der Bestand auch um extravagante Werke erweitert, die Freunde und Familie dem leidenschaftlichen Sammler schenkten. Allen voran „Die Diners mit Gala“ von Salvador Dalí aus dem Jahr 1973. Dem Urteil eines Rezensenten der „Welt“ – „Zum Nachkochen bedingt geeignet, aber sehr chic“ – hat Kühnel angesichts der Rezepte wie „mit Gänsestopfleber und Trüffeln gefüllte Wachteln, die mit einem ausgestopften Pfau serviert werden“ oder dem „Menü zur Krönungsfeier des Schahs von Persien“ nichts hinzuzufügen.

Die Arien der Callas als Begleitmusik

Blicke auf die vom Meister gefertigten Illustrationen hingegen lohnen allemal. Genauso wie das Stöbern in den „Lieblingsrezepten der Göttlichen“, die – niedergeschrieben von Maria Callas selbst oder ihrem Butler – nach ihrem Tod in einem Koffer gefunden und zu einem Buch zusammengestellt wurden. Dazu dürfen im Hause Kühnel gerne auch ihre Arien ertönen.

Lieber kein „Festival der leeren Teller“

Natürlich fehlt auch das Standardwerk der Nouvelle Cuisine von Paul Bocuse nicht in der Sammlung. „Aber das kannst du nicht nachkochen, das ist eher das Festival der leeren Teller“, so Kühnels weniger begeistertes Resumee. Nichts nachgekocht wird auch aus dem in Landessprache verfassten Kochbuch aus Burma, ein Geschenk, das dennoch seinen Platz in Kühnels Bücherregal hat.

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So wie auch das handgeschriebene „Kochbuch von Elise Riedner“, ein Geschenk einer ehemaligen Buchhändlerin aus Bad Aibling: „Die altdeutsche Schrift kann ich nicht lesen“, so Kühnel. Andersherum verhält es sich mit den Gerichten aus dem Insektenkochbuch aus dem asiatischen Raum oder Tipps zum Zubereiten von gesottenem Biber oder Schildkrötensuppe, bei denen die Beschreibung zwar verständlich, aber zugleich klar ist, dass sie auf dem Esstisch nichts zu suchen haben.

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Dort steht hingegen gern mal die „Gulaschsuppe Habsburg“ aus dem Pappbilder-Buch „Des braven Soldaten Schwejk Leibgerichte und solche, die es geworden wären, wenn er sie kennengelernt hätte“ von Michael Jung und Bernd Kühnel (mit dem Bad Aiblinger nicht verwandt oder verschwägert), die er einst in deren Kneipe „Zum Schwejk“ persönlich kennenlernte.

Selbst beim Autofahren drehte sich alles ums Kochen

Zu Kühnels Lieblingskochbüchern hingegen gehört der Klassiker „Mein Topf ist Eintopf“ von Fred Metzler. Bei Autofahrten von Wiesbaden nach Frankfurt gehörte dessen Kochsendung im HR-Radio zum Pflichtprogramm. „Er sprach dort über seine tollen Rezepte, die ich dann oft mit meinem Chef, ebenfalls Hobbykoch, erörterte.“ Aus dem Buch kocht Kühnel heute noch gerne. Die „Frühlingsschweinerei“ zum Beispiel – ein Gericht mit Schweinenacken, durchwachsenem Speck, Zwiebeln, Kräutern und Wirsing. Oder den Rosenkohleintopf im Winter.

Am besten schmeckt Opas Bolognese

Einmal im Jahr muss es auch der Kartoffeleintopf nach Frankfurter Art sein. Den wünscht sich seine Tochter, während die Enkelin von Opas Spaghetti Bolognese nicht genug bekommen kann. Vergeblich auf Lob aus dem Familienkreis hingegen gewartet hat er für ein Rezept aus „Ein Tag ohne Kartoffelsalat ist kulinarisch betrachtet ein verlorener Tag“ von dem Autorenduo „Martina und Moritz“: „Das war nicht der Brüller.“

Von Alfred Biolek bis Hannelore Kohl

Kann man einem, dessen Sammlung darüber hinaus vom handsignierten Kochbuch von Hannelore Kohl über das Standardwerk von Alfred Biolek bis zum großen Kartoffelsalatbuch und der „Landfrauenküche“ reicht, überhaupt noch eine Freude mit einem Kochbuch als Geschenk machen?

Krautsalat und Kartoffelsuppe

33 Bände hat er bereits doppelt. „Ich bin von Kochbüchern umgeben und muss reduzieren. Durch die Menge an Büchern werden es ja nicht mehr Rezepte und unterm Strich ist ein Krautsalat halt nun mal ein Krautsalat.“ Und den steuert er – neben seiner Lieblingskartoffelsuppe „Husumer Art“ mit Nordseekrabben – auch zum Weihnachtsmenü bei, das von den weiteren Familienmitgliedern mit Gänsekeule, dem Rotkohlrezept der Großmutter und schlesischem Kartoffelsalat komplettiert wird.

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