Vergleich mit Judenverfolgung

Corona-Regeln lösen Zerwürfnis aus: Zoff zwischen Grünen und Buchhändler in Bad Aibling

Michael Braun, Inhaber der Buchhandlung „Librano“, fühlt sich durch den Satz „Bei Ihnen kaufe ich nicht mehr“ an „Kauft nicht bei Juden“ erinnert, wie er sagt.
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Michael Braun, Inhaber der Buchhandlung „Librano“, fühlt sich durch den Satz „Bei Ihnen kaufe ich nicht mehr“ an „Kauft nicht bei Juden“ erinnert, wie er sagt.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Buchhändler Michael Braun sieht sich „wirtschaftlich bedroht“, weil eine Grünen-Politikerin gesagt hat, dass sie bei ihm nicht mehr einkaufen wird. Das, so Braun, wiederum klinge nach „kauft nicht bei Juden“. Ein Vergleich, der ihm Kritik einbringt.

Bad Aibling – Michael Braun war den Bad Aiblinger Grünen nach eigenen Aussagen immer sehr zugewandt. Jetzt liegt der Buchhändler, der das Librano betreibt, mit der Parteispitze der Kurstadt im Clinch. Er ärgert sich darüber, dass Corona-Kritiker alle über einen Kamm geschoren werden – seiner Meinung nach auch von den Grünen. Seinen Ärger hat er in einem Brief an deren Fraktionssprecherin im Bad Aibling Stadtrat, Martina Thalmayr, Luft gemacht.

„Klingt wie ,Kauft nicht bei Juden’“

Für Petra Koppenleitner, Ortsvorsitzende der Partei, Grund genug, in Brauns Buchhandlung nicht mehr vorbeizuschauen. „Sie haben eine Kundin verloren. Bei Ihnen kaufe ich nicht mehr“, sagte sie ihm. Diese Aussage machte Braun fassungslos. „Für mich klingt das wie: Kauft nicht bei Covidioten! Kauft nicht bei Juden!“

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Er fühle sich in die 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückversetzt und wirtschaftlich bedroht. Braun: „Es geht mir darum, dass von ,meiner Partei‘ jeder, der sich kritisch mit den Maßnahmen befasst, als Rechter, Spinner und Verschwörer bezeichnet wird.“

„Habe demokratisches Recht in Anspruch genommen“

In einer E-Mail an den Mangfall-Boten erklärt der Buchhändler: „Damals ging es darum, Juden erst wirtschaftlich auszulöschen. Ich habe ein demokratisches Recht in Anspruch genommen. Dabei habe ich nicht die Intention, jemand wirtschaftlich auszulöschen. Frau Petra Koppenleitner hat das eben schon.“

Koppenleitner sagt auf Anfrage unserer Zeitung, dass sie Michael Braun neben seinem Buchladen getroffen und ihm gesagt habe, dass sein Brief sie sehr betroffen gemacht habe. „Daraufhin hat er mich aggressiv angeschrien. Und dann habe ich eben diesen Satz gesagt.“

„Künftig Menschen davon abhalten, Grün zu wählen“

Auslöser war ein Schreiben Brauns an Martina Thalmayr Anfang September. Darin ärgert er sich darüber, dass die Berliner Demonstranten, die den geltenden Corona-Verordnungen kritisch gegenüberstehen, auch von den Grünen kritisiert wurden. „Ich habe mit wachsendem Unbehagen die Kommentare über die sogenannten ,Skeptiker‘ verfolgt“, schreibt er an Thalmayr. Nach eigener Aussage hat Thalmayr nie Stellung zu den Corona-Skeptikern bezogen.

Obendrein erklärt der Buchhändler in dem Schreiben auch, „all meine Kräfte als kleiner Multiplikator in meinen Kreisen zu nutzen, um künftig die Menschen davon abzuhalten ,die Grünen‘ zu wählen.“ Der Brief war Thema im Ortsverband der Grünen. Deswegen erfuhr Koppenleitner davon und sprach Braun bei einer zufälligen Begegnung darauf an. „Auch ich war betroffen“, sagt sie. „Der Mann einer Freundin lag mit Corona auf der Intensivstation.“

Angriff auf die Grünen: „Dummheit wird sichtbar, gekoppelt mit faschistoidem Gehabe“

Daraufhin folgte von Braun ein zweiter Brief an Thalmayr. Darin heißt es: „Verstehen Sie Frau Thalmayr, die Dame will mich in Konsequenz wirtschaftlich, oder besser ganz auslöschen. Das ist ihr innerster Antrieb.“ Des Weiteren: „Dieses grippeähnliche Virus macht vieles jetzt ,offensichtlich‘. So kann man ein ,coming out‘ bei vielen Menschen beobachten. So wie bei Ihrer geführten Partei. Dummheit wird sichtbar, gekoppelt mit faschistoiden Gehabe.“

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Auf dieses Schreiben – den ersten Brief ließ Thalmayr unbeantwortet – reagierte sie. „Ich bin zugegebenermaßen nicht glücklich darüber, dass sie (Koppenleitner) Sie angesprochen hat.“ Und sie ergänzt: „Ihre E-Mail an mich wurde im Ortsverband diskutiert. Den Inhalt Ihrer Mail habe ich in keiner Form über diesen internen Kreis hinaus ,öffentlich‘ gemacht, und das bleibt auch so.“

Thalmayr weiter: „Sie schrieben, Sie werden in Ihrem Kreis dafür sorgen, dass die Grünen keine Stimme mehr bekommen. Ich werde in meinem Kreis nicht dafür sorgen, dass Sie keine Kunden mehr bekommen. Denn das wiederum steht mir nicht.“

Statement von Charlotte Knobloch: „Völlig unangemessen“

Charlotte Knobloch.

Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, sagt zur Causa Braun: „,Kauft nicht beim Juden‘ ist als Assoziation im politischen Streit in einer Demokratie in jedem Fall völlig unangemessen. Eine, wenn auch kontroverse, individuelle Entscheidung sollte nicht mit staatlichem Terror und der Verfolgung von Millionen von Menschen unter dem NS-Regime verglichen werden.“

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