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Ist ein Weiterbetrieb in Gefahr?

„Wir müssen alles selber machen“ – Massive Kritik am Betrieb des Bad Aiblinger Kurhauses

Das Kurhaus, wo auch der Krönungsball der Faschingsgilde stattfindet, gerät in die Kritik. Bürgermeister Schlier zeigt jedoch Verständnis für die Pächter.
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Das Kurhaus, in dem auch der Krönungsball der Faschingsgilde stattfindet, gerät in die Kritik. Bürgermeister Schlier zeigt jedoch Verständnis für die Pächter.
  • Eva Lagler
    VonEva Lagler
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  • Nicolas Bettinger
    Nicolas Bettinger
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Der Betrieb des Aiblinger Kurhauses gerät zunehmend in die Kritik. Probleme beim Pächter verärgern die Vereine, die dort Veranstaltungen abhalten. Doch was sagen die Verantwortlichen dazu und wie soll es trotz prekärer Lage weitergehen?

Bad Aibling – An diesem Samstag, 7. Januar, veranstaltet die Faschingsgilde Bad Aibling den Krönungsball 2023 im Kurhaus. Für hunderte Besucher soll es eine gewohnt unterhaltsame Veranstaltung werden. Was an dem Abend möglichst nicht zum Tragen kommen soll, ist die prekäre Situation, in der sich der Betrieb des Aiblinger Kurhauses derzeit befindet. Denn zunehmend wird Kritik an der Organisation von Pächter, Stadt und Aib-Kur laut.

So zeigte sich etwa die Faschingsgilde im Vorfeld des Krönungsballes unzufrieden. „Mit dem Kurhaus ist es zurzeit nicht so einfach“, betonte der zweite Präsident Stefan Seidl auf OVB-Nachfrage. Fast über Monate hinweg habe man versucht, mit den Verantwortlichen eine gute Lösung zu finden. „Doch letztendlich müssen wir nun bis auf das Kochen alles selber machen“, beschreibt Seidl die Organisation des Abends, die in der Vergangenheit deutlich anders abgelaufen sei.

Nun blieben etwa die Bewirtung, der Ausschank der Getränke, der Barbetrieb sowie der Weißwurstverkauf am Verein hängen, was einen erheblichen Mehraufwand in puncto Kosten und Arbeitszeit bedeute. Auch den Aufbau oder die Saalbestuhlung habe man nun selbst übernehmen müssen, erklärt Seidl. Aufgrund vieler zusätzlicher Aufgaben fallen nun Kosten im vierstelligen Betrag an, „die eigentlich nicht eingeplant waren“, so der zweite Präsident. Nun müsse man zusehen, die Veranstaltung überhaupt kostendeckend abzuhalten.

Vereine unzufrieden mit Umgang und Organisation

Dabei macht Seidl klar, dass man durchaus Verständnis für die erschwerte Situation, etwa durch erheblichen Personalmangel, aufbringe. „Aber die Art und Weise, wie mit den Vereinen umgegangen wird, lässt einige Fragen offen.“ Schließlich habe man es selbst nun auch geschafft, beispielsweise elf Herbstfestbedienungen zu organisieren. Laut Seidl wäre all das aber ohne die Hilfe anderer Vereine unmöglich gewesen. So werde man etwa tatkräftig von den „Oberlandlern“ unterstützt. Auch der Trachtenverein Edelweiß hätte Hilfe angeboten, so Seidl dankbar.

Er bezeichnete es als „traurig“, dass keine andere Möglichkeit gefunden wurde. Seitens der Verantwortlichen habe es stets geheißen, es gebe keine andere Handhabe. Man werde sich nach den anstehenden Veranstaltungen erneut mit der Stadt in Verbindung setzen. „Ich hoffe, seitens der Stadt kommt künftig mehr Unterstützung für die Vereine“, sagt er. Denn klar sei: „Wir machen das jetzt einmal so mit, aber wie es nächstes Jahr aussieht, steht dann in den Sternen“, sagt Seidl, der auf eine Besserung hofft. Schließlich biete das Kurhaus grundsätzlich wertvolle Bedingungen.

Vorstand der Willinger Musi: „Es ist traurig“

Kritik kommt auch von Seiten der Willinger Musi, die bereits im November 2022 eine Veranstaltung unter erschwerten Bedingungen im Kurhaus abhielt. „Es gibt einen Pächter, wir sind ehrenamtlich, dennoch müssen wir alles selber machen“, sagt Vorsitzender Michael Stadler. Er sieht das Problem vor allem im Vertrag mit dem Pächter, durch den Vereinen die Hände gebunden seien. „Der Pächter nutzt sein Recht aus und wir können nichts machen.“

Sollte künftig ein neuer Pächter gefunden werden, wünscht sich Stadler eine vertragliche Vereinbarung, durch die die Stadt mehr Möglichkeit hat, die örtlichen Vereine besser zu unterstützen. Wenn nicht, ist für den Vorsitzenden klar: „Es ist traurig, aber in so einem Rahmen müssten wir es in Zukunft dann definitiv woanders machen.“

Pachtvertrag endet spätestens am 30. Juni 2023

Pächter des Kurhauses ist die Forster GmbH. Geschäftsleiterin Marlies Forster schilderte auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen ihre Sicht der Dinge: „Wir sind als Pächter nicht dazu verpflichtet, die Veranstaltungen im Kurhaus mit Bewirtung im Saal durchzuführen.“ Im Hinblick auf die derzeitige Situation könne man aktuell nur Selbstbedienung anbieten, so Forster. Sie habe Verständnis dafür, dass die Vereine eine finanzielle Unterstützung benötigen, um ihre Veranstaltungen im Kurhaus durchführen zu können. „Deshalb wollen wir den Vereinen die Möglichkeit bieten, die Bewirtung selbst zu organisieren und somit auch ihre Vereinskassen aufzubessern“, so die Geschäftsleiterin.

Vor Zeiten der Pandemie, so Forster, konnte eine Bewirtung im Saal für die Größenordnung von rund 400 Gästen angeboten werden. „Nun zwingt uns der erhebliche Personalmangel in die Knie“, sagt sie. Denn um eine Veranstaltung in dieser Größenordnung reibungslos bewirten zu können, benötige man viel erfahrenes Personal aus der Gastronomie.

Forster: „Pachtvertrag wurde von uns fristgerecht gekündigt“

Forster weist darauf hin, dass nicht nur der Kurhauspächter, sondern auch viele gastronomische Betriebe und Betriebe aus anderen Branchen betroffen seien. Viele müssten aufgrund des Personalmangels ihre Läden schließen oder den Betrieb einschränken. „Auch wir mussten 2022 einige Veranstaltungen wegen Personalmangels absagen“, sagt Forster.

„Wir sind als Pächter nicht dazu verpflichtet, die Veranstaltungen im Kurhaus mit Bewirtung im Saal durchzuführen.“

Geschäftsleiterin Marlies Forster

Doch wie geht es nun weiter? Klar ist: „Der Pachtvertrag wurde von uns fristgerecht gekündigt und endet spätestens am 30.06.2023“, betont Forster. Wie es danach weitergeht, steht aktuell noch in den Sternen. Laut Bürgermeister Stephan Schlier haben Aib-Kur und Stadt die Suche nach einem neuen Pächter „zweimal sehr groß ausgeschrieben, bis nach Baden Württemberg oder auch in Österreich“. Es habe auch vier sehr ernsthafte Bewerber gegeben, doch die Gespräche blieben laut Schlier ohne Abschluss. Das liege wohl auch daran, dass der Zeitpunkt im Moment sehr ungünstig sei angesichts der schwierigen Situation nach Corona sowie der hohen Energiepreise. Der Verbrauch im Kurhaus liege bei circa 100.000 Kilowattstunden pro Jahr.

Bürgermeister Schlier: „Wollen das Kurhaus offen halten“

Ein massives Problem, das auch die Pächterfamilie treffe, sei vor allem der Personalmangel. Dies sei auch der Grund, weshalb beispielsweise der Ablauf im Kurhauscafé „anton‘s“ nach dem Volkstrauertag 2022 nicht – wie von etlichen Seiten kritisiert – in der gewohnten Form stattfinden habe können. „Es gab durchaus Bewirtung, aber eben nicht an den Tischen, sondern man musste sich Würstl und Getränke an der Theke abholen“, nimmt Schlier die Pächter in Schutz.

Auch hätten sich andere Veranstalter gut selbst organisiert, sagt Schlier und nennt etwa die Willinger Musi, die auch die Bedienungen selbst gestellt habe. Bei den bevorstehenden Veranstaltungen der Faschingsgilde Bad Aibling sei er ebenfalls zuversichtlich, man habe alles genau durchgesprochen. „Bisher haben wir immer eine gute Lösung gefunden. Der Gast wird von der Lage überhaupt nichts bemerken.“

Schlier betont außerdem: „Ich bin mir sicher, dass wir wieder einen Pächter finden. Aber wir müssen uns zugleich für den Fall wappnen, dass es erst einmal doch nicht klappt.“ Wichtig wäre es dann, einen Hausmeister zu finden, der das Kurhaus auch technisch kennt. Vor allem: „Unser oberstes Ziel ist es, das Kurhaus offen zu halten. Das Haus ist gebucht wie eh und je, mit 300 oder mehr Veranstaltungen pro Jahr. Bei der Organisation von Veranstaltungen müsste man notfalls vorerst mit Caterern arbeiten.“

Kurdirektor Thomas Jahn war in dieser Woche bislang nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

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