Gefahren beseitigen

Bad Aibling will es wissen: Welche Schulwege sind die sichersten?

Wenn Kinder alleine zur Schule gehen, sollten sie dafür den sichersten Weg nehmen. Wie dieser in Bad Aibling aussehen könnte, soll jetzt mit Hilfe eines Fachbüros erarbeitet werden.
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Wenn Kinder alleine zur Schule gehen, sollten sie dafür den sichersten Weg nehmen. Wie dieser in Bad Aibling aussehen könnte, soll jetzt mit Hilfe eines Fachbüros erarbeitet werden.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Mit einem Schulwegplan will Bad Aibling seinen Status als Schulstadt noch untermauern. Dazu holt die Verwaltung nun ein Angebot einer Fachfirma ein.

Bad Aibling – Ein entsprechendes Konzept hatten Vertreter von Bündnis90/Die Grünen und dritter Bürgermeister Markus Stigloher (CSU) ins Gespräch gebracht.

Es war auch Thema in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Klimaschutz, Stadtentwicklung und Gesamtverkehrsplanung, in der die Kommunalpolitiker über eine Anfrage der Grünen zu einem Gehwegekonzept diskutierten. Hauptanliegen: Möglichst gefahrlose Schulwege auszuweisen, auf denen die Eltern mit ihren kleinen Kindern die Strecke einüben können, damit die Kinder später den Weg selbstständig und gefahrenlos zurücklegen können.

„Probleme vor den Schulen nehmen zu“

Denn, wie Thomas Gems vom städtischen Bauamt bestätigte: „Wenn Eltern den Schulweg ihrer Kinder als zu gefährlich einschätzen, dann werden diese oft mit dem Auto zur Schule gebracht.“ Folge: „Die Probleme und Konflikte an den Grundschulen, aber auch am Schulzentrum nehmen von Jahr zu Jahr zu.“ Um dem entgegenzuwirken, hält auch Gems einen Schulwegplan als Orientierungshilfe für sehr hilfreich.

Katharina Dietel (Grüne) zeigte sich entsetzt, dass es einen solchen in Bad Aibling bislang noch gar nicht gibt. „Solch ein Konzept ist wichtig, um den Eltern etwas an die Hand zu geben, das ihnen zeigt, welche Wege die sichersten sind.“

„Das ist eine dringliche Aufgabe“

Ihre Fraktionskollegin Anita Fuchs bekräftigte: „Das ist eine dringliche Aufgabe, die uns sehr am Herzen liegt und die auch öffentlich diskutiert werden sollte.“ Sie schlug vor, sich auch bei anderen Kommunen zu erkundigen, wie diese bei der Konzepterstellung vorgingen.

Wie Gems bestätigte, seien an diversen in Frage kommenden Straßen zwar Gehwege vorhanden. Oft seien diese aber zu schmal, hätten schlechte Oberflächen oder seien – wie etwa an der Flurstraße, Ebersberger Straße oder Westendstraße – mit einem Tiefbord versehen. Abgesenkte Gehwege jedoch würden häufiger von Fahrzeugen als Verkehrsfläche mitgenutzt und verlören damit ihre Schutzfunktion. Bei stark befahrenen Straßen sollten möglichst beidseitig Gehwege vorhanden sein.

Stadt holt jetzt ein Angebot für Schulwegplan ein

Ein Angebot zur Erstellung eines Schulwegekonzeptes habe man bereits angefordert. Die Planung erfolge letztlich immer auch in Zusammenarbeit mit den Schulleitungen, Eltern und Verwaltung. „Dieses Miteinander gab es bereits“, verwies Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) auf die Umsetzung des Verkehrskonzeptes am Standort der Containerschule an der Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Straße, für das sich auch der Dritte Bürgermeister eingesetzt habe und man in der Praxis noch nachgebessert habe.

Er erklärte ferner, dass eine Reihe der im Detail geforderten Maßnahmen bereits weitgehend umgesetzt oder in Planung seien. „Nur, weil das Konzept keinen Namen hat, heißt das nicht, dass es nichts gibt.“

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Rudolf Hofschneider (SPD) hob besonders die Hofmühlstraße und auch die Ghersburgstraße hervor, an der die Situation für Fußgänger dringend verbessert werden müsse.

Als Basisvoraussetzung dafür, dass Eltern ihr Kinder nicht zur Schule fahren, bezeichnete Martian Thalmayr (Grüne) einen Schulwegplan. Die bereits erkannten Lücken im Gehwegenetz sollten nun schnell und vorrangig geschlossen werden.

Es sei zwar schon auch wichtig, aber unterm Strich zu kurzsichtig argumentiert, dass Eltern selbst mit ihrem Nachwuchs den aus ihrer Sicht sichersten Schulweg einübten: „Wenn es eine offizielle Route gibt, die empfohlen, gekennzeichnet mit Übergängen oder auch Schülerlotsen ausgestattet wird, ist das etwas ganz anderes und auch Autofahrer achten dann mehr darauf.“

„Thema Schulwegsicherheit schon früh kommunizieren“

Wie Wolfgang Baumann, Leiter der St. Georg-Grund- und -Mittelschule sagt, kommuniziere man das Thema „sicherer Schulweg“ bereits ab dem ersten Infoabend für die Eltern der Erstklassler. Wie es aber bei den Schülern aussehe, die nach der vierten Klasse von der Luitpoldschule an die St. Georg-Schule wechseln, dazu könne er nicht viel sagen. Grundsätzlich aber gibt er den Eltern mit auf den Weg: „Es hilft oft schon, wenn man die Wege vorher gemeinsam übt und sie beispielsweise wissen, dass die Kinder nicht allein, sondern in Gruppen unterwegs sind.“ Durch weniger Verkehr durch „Elterntaxis“ vor der Schule erhöhe sich die Sicherheit im Straßenverkehr.

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Die Leitung der Luitpoldschule war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Für die Rupert-Egenberger-Schule hingegen spielt das Thema laut Konrektorin Karin Persch aufgrund des großen Einzugsgebietes von Feldkirchen-Westerham bis Kolbermoor keine so große Rolle: „Circa 80 Prozent unserer Schüler kommen mit dem Schulbus, die Kleineren werden von den Eltern gebracht.“

Warum „Kiss and go“?

Der Begriff „Kiss-and-go“-Area, unter dem der neu eingeführte Bereich auf dem Parkplatz an der Containerschule an der Friedrich-Wilhelm-Raiffeisenstraße eingeführt wird, ruft Kritiker auf den Plan: „Warum kann man dafür keinen deutschen Asudruck nehmen?“, fragen Leser und verwiesen auf das Bruckmühler Beispiel. Auf Anregung von Kreisheimatpfleger Mike Stratbücker nahm man dort Abstand von diesem Begriff und führte eine „Bussi-und-Pfiadi-Zone“ ein. Schulleiter Wolfgang Baumann versteht den Wirbel nicht: „,Kiss and Go‘ ist ein Arbeitstitel. Es ist völlig egal, wie das heißt. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass es eine Möglichkeit gibt, die ein sicheres Ankommen der Schüler ermöglicht. Es steht kein Schild da und diese Aussteigemöglichkeit wird es für noch weitere 2,64 Jahre geben. Dann wird wieder rückgebaut.“

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