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„Energiefresser“? Das sagen Aiblings Stadtwerke

„Wie sollen wir das frierenden Menschen erklären?“ Streit um Betrieb der Eishalle eskaliert

Im November öffnet die Eislaufhalle wieder für Besucher. Doch der Betrieb ist alles andere als unumstritten.
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Im November öffnet die Eislaufhalle wieder für Besucher. Doch der Betrieb ist alles andere als unumstritten.
  • Nicolas Bettinger
    VonNicolas Bettinger
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In Bad Aibling hat die Eislaufhalle eine große Bedeutung. Dass eine Grünen-Stadträtin die im November vorgesehene Öffnung nun zur Diskussion stellt, führt zu emotionalen Debatten. Doch ist der Betrieb in Krisenzeiten wirklich noch vertretbar?

Bad Aibling – „Ich weiß, ich mache mich jetzt mega unbeliebt.“ Als Grünen-Stadträtin Martina Thalmayr diesen Satz aussprach, folgte eine Diskussion, die besser nicht passen könnte – in einer Zeit, in der sich die Energiekrise unaufhörlich ausbreitet.

Eigentlich stand in der Aiblinger Stadtratssitzung gar kein Energiethema auf der Tagesordnung. Doch nachdem zwei Bauprojekte und ein Mobilitätsthema abgehandelt waren, sagte Thalmayr: „Ich bin ja schon ein bisschen irritiert, dass die Tagesordnung heute so schlank ausfällt.“ Dabei bezog sie ihre Verwunderung darauf, dass keine der drängenden Energiesparmaßnahmen behandelt wurden.

Grünen-Stadträtin Martina Thalmayr will „Blackout-Gefahr nicht wegdiskutieren“

Doch auch wenn Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) hierzu – aufgrund „sehr umfangreicher“ Thematik – auf eine Oktober-Sitzung verwies, ließ sich Thalmayr nicht daran hindern, wichtige Anliegen ihrer Partei loszuwerden.

„Wir können die Gefahr eines Blackouts nicht wegdiskutieren“, so Thalmayr. Für einen solchen Fall müssten etwa Themen wie „Trinkwasserversorgung“ oder „Wärmestuben“ geklärt werden. Auch wünsche sie sich, dass man die Bürger über das Stadtjournal über heimische Einsparmöglichkeiten informiert.

„Ich wünsche mir auch die Betrachtung der Straßenbeleuchtung und nicht zuletzt der Weihnachtsbeleuchtung“, so Thalmayr. Laut Bürgermeister Schlier seien diese Themen in Arbeit. Man schlage beispielsweise vor, die Brenndauer der Weihnachts-Beleuchtung zu reduzieren.

Bad Aiblinger Eislaufhalle soll am 3. November öffnen

Doch Thalmayr war noch nicht fertig und sprach ein äußerst sensibles Thema an: „Wenn ich das jetzt sage“, kündigte sie wohlwissend an, „könnt ihr euch ruhig alle auf mich einschießen“. Die Grünen-Stadträtin frage sich, „wie wir das den Menschen argumentieren sollen, wie wir das den Menschen, die frieren, erklären sollen, dass wir eine Eishalle in Betrieb nehmen und sie selbst aber sparen sollen?“

Laut Homepage der Stadtwerke ist die Eislaufhalle ab 3. November geöffnet. Thalmayr sei persönlich keineswegs gegen die Eishalle. Allerdings stehe ein Betrieb in aktueller Krisenzeit in keinem Verhältnis mehr. Die Defizite lägen auf der Hand, welche letztlich auch vom Steuerzahler getragen würden. Man müsse sich fragen, für wie viele Menschen die Eishalle – ein „extremer Energiefresser“ – derzeit wirklich einen Nutzen hat.

„Bevor Sie hier öffentlich Panik ausrufen, ...“

Bürgermeister Schlier bemühte sich, die Situation zu beruhigen. „Da muss man dann schon genau hinschauen“, sagte der Rathauschef. Ein Großteil der zunächst benötigten Gasmenge würde bereits im Vorfeld beschaffen – und das zum alten, günstigeren Preis. Wenn das Eis dann erstmal da ist, seien die Kosten ohnehin überschaubarer.

„Rein sachlich betrachtet hätte die Schließung eine große Energie- und somit auch Kosteneinsparung zur Folge.“

Stefan Barber, Werkleiter der Stadtwerke Bad Aibling

„Bevor Sie hier öffentlich Panik ausrufen, nehmen Sie lieber erstmal Kontakt mit den Sadtwerken auf“, richtete auch Stadtrat Markus Stigloher (CSU) einen Apell an Martina Thalmayr. Er sprach zudem die energetische Verknüpfung der Eistechnik mit der Technik der Therme an. So werde versucht, die Abwärme der Eistechnik möglichst in der Therme zu nutzen. „So tragisch ist es also nicht“, sagte Stigloher.

In Sachen Blackout bat er die Verwaltung, zu prüfen, ob man im Ernstfall Treibstoff für die Behörde von einer Tankstelle erhalten könne.

Aiblinger AfD wundert sich und spricht von „verkorksten Energiewende“

„Es wunder mich doch sehr“, beurteilte Andreas Winhart (AfD) die Diskussionen zur Energie. Das Thema Blackout habe man im Kreistag behandelt. „Ich halte es für abstrus, jetzt über die Eishalle oder irgendwelche Tankstellen zu diskutieren.“ Ohnehin sei das jetzige Dilemma ein Ergebnis der „verkorksten Energiewende“, so Winhart.

Anita Fuchs (Grüne) wies darauf hin, dass es nicht nur um die hohen Kosten gehe. Entscheidend sei auch die Gasmenge, die uns überhaupt zur Verfügung stehe. „Immerhin sehen wir gerade, dass die Gasspeicher nur mit Müh und Not gefüllt sind“, so Fuchs. Doch wie kritisch ist die Öffnung der Eishalle in Bad Aibling wirklich zu sehen?

Auf OVB-Nachfrage teilt Stefan Barber, Werkleiter der Stadtwerke Bad Aibling, mit, dass der Betrieb der Eislaufhalle „natürlich mit einem hohen Energieeinsatz verbunden“ sei. Ins Gewicht fielen sowohl die kältetechnischen Anlagen zur Kühlung der Eisfläche, die gleichzeitige Beheizung der Halle, aber natürlich auch der Lüftungs-, Warmwasser- und Wärmebedarf der Nebenräume sowie der Aufwand für die Beleuchtung der gesamten Anlage.

Stadtwerkeleiter sieht große Energie- und Kosteneinsparung bei Schließung

Was das Bestreben angeht, die Abwärme der Eistechnik möglichst in der Therme zu nutzen, stellt Barber klar: „Dieser Anteil der Energierückgewinnung ist aber im Verhältnis zum Gesamtenergieverbrauch eher als gering zu bezeichnen.“

Grundsätzlich sei es eine politische Entscheidung, ob die Eislaufhalle in der jetzigen Zeit betrieben werden sollte. „Rein sachlich betrachtet hätte die Schließung eine große Energie- und somit auch Kosteneinsparung zur Folge“, so Barber. Um eine kritische Betrachtung des Betriebs in Zeiten von Energieknappheit und Energiesparapellen komme man schon alleine deshalb nicht herum. Und, so Barber, anders als bei der Therme wäre bei Stillstand der Eishalle kein Energieaufwand zu erwarten.

Um welche genauen Kosten es sich beim Betrieb der Eishalle handelt, konnte Barber nicht beantworten, da genau das im nicht öffentlichen Teil der Stadtratssitzung besprochen wurde.

Kommentare

cicaesar
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Der Herr der Stadtwerke ist "rein sachlich"; deshalb darf die Halle rein sachlich nicht geöffnet werden. Jede Energie, die nicht dem Überleben in Privatleben und Firmen dient, muss eingespart werden. Luxus wie Eishallen stehen da ganz hintan. Das sollte auch für die "Profis" wie in RO gelten.