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Besondere Bekanntschaft in Mietraching

Wie ein Ehepaar im Garten von einem Papagei überrascht wurde - und welches Ende die Geschichte nahm

Giselle Reitinger aus Bad Aibling machte in ihrem Garten eine besondere Bekanntschaft mit einem Papagei. Reitinger
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Giselle Reitinger aus Bad Aibling machte in ihrem Garten eine besondere Bekanntschaft mit einem Papagei.
  • VonNicolas Bettinger
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Tagelang machte es sich ein Papagei in einem Aiblinger Garten bequem und erfreute die Entdecker. Wie kommt ein solcher Exot dorthin und was ist eigentlich zu tun, wenn man entsprechende Tiere findet?

Bad Aibling – Eine ganz besondere Begegnung machte kürzlich ein Ehepaar aus Bad Aibling. Als Horst und Giselle Reitinger nach einer zweiwöchigen Urlaubsreise wieder im heimischen Mietraching ankamen, wurden sie beim Rundgang durch ihren Garten plötzlich überrascht.

„Gerade erst hatten wir in Island eine für uns außergewöhnliche und einmalige Tierwelt erlebt“, erzählt Horst Reitinger. Nun setzte sich diese Entdeckungsreise zuhause fort. Denn zusammen mit seiner Frau entdeckte er einen kleinen, „in allen Regenbogenfarben schillernden, fröhlich in unserem Vogelhäuschen vor sich hin futternden, rund 14 Zentimeter großen Piepmatz“, so Reitinger.

„Pfirsichköpfchen“ in Mietraching

Auf seinem „Lieblingsbaum“: Das „Pfirsichköpfchen“.

Über eine Woche – mehrmals am Tag – bekamen die Aiblinger sodann Besuch vom „Pfirsichköpfchen“, dem stets mehrere Spatzen folgten. Der bunte Vogel habe mindestens einen Meisenknödel und jede Menge Sonnenblumenkerne schnabuliert, erzählt Reitinger. „Unsere Anwesenheit und Annäherung bis auf circa einen Meter führte nicht zur Flucht, sondern schien ihn gegenüber den anderen Vögeln eher schützend zu beruhigen“, so Reitinger. Sicher sei er von wo auch immer ausgebüxt, vermutet der Aiblinger.

Laut dem Deutschen Kanarien- und Vogelzüchter-Bund sind „Pfirsichköpfchen“ (Agapornis fischeri) eigentlich im Südosten Afrikas – vom nördlichen Tansania bis zum Victoriasee und hinüber nach Ruanda und Burundi – zu Hause. Hierzulande gelten sie als beliebte Wohnungsvögel.

Und tatsächlich stellt sich die Frage, was das Tier in einem Aiblinger Garten zu suchen hat? Geschweige denn, was zu tun ist, wenn man es in seinem Garten findet? Doch wer Fragen zu einem Papagei hat, der muss zunächst nach hilfreichen Antworten suchen.

Denn während eine OVB-Anfrage beim staatlichen Veterinäramt Rosenheim bislang nicht beantwortet werden konnte, verwiesen sowohl der Tierschutzverein Rosenheim als auch der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) darauf, dass man sich überwiegend mit heimischen Tieren, weniger mit Papageien auskenne.

Die meisten Papageien können hierzulande in freier Wildbahn nicht überleben

Antworten gab es schließlich beim Bund Naturschutz in Bayern. Als Ansprechpartnerin für Tiere und Pflanzen in Südbayern vermutet Dr. Christine Margraf, dass das Tier in Bad Aibling aus einer privaten Haltung oder einer zoologischen Einrichtung ausgebüchst sei. Es könne also nicht schaden, sich in der Nachbarschaft zu erkundigen, ob das Tier dort irgendwo gesucht werde.

Grundsätzlich sollte der Papagei eingefangen werden und zum ursprünglichen Halter oder einem Tierschutzverein gebracht werden. Da man privat jedoch meist nicht über ein notwendiges Equipment, etwa ein Käfig, verfüge, sollte man sich auch hierfür nach Hilfe, etwa bei Tierschutzvereinen, erkundigen, so Margraf. Demnach könnten die meisten Papagei-Arten hierzulande die Winter in Freiheit nicht überleben.

„Einzige Ausnahme sind die Halsbandsittiche. Durch den Klimawandel und die milden Winter kann diese Papageienart mittlerweile hierzulande überleben“, so Margraf, Gerade in Innenstädten und Parks seien immer wieder ganze Kolonieren davon zu sehen. (Halsbandsittiche sind überwiegend grün, an Kopf, Bauch und unter den Flügeln meist gelb-grün.)

„Nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, die Tiere zu erwischen“

Doch zurück zum Aiblinger Exoten. Dass man als Privatperson Schwierigkeiten haben könnte, einen solchen Papagei einzufangen, bestätigt auch Andreas Paukert aus Kolbermoor. Er kümmert sich seit Jahrzehnten um Tiere – meist um Exoten wie Schildkröten und Schlangen. Bei der Sichtung einer Schlange in einem Wohngebiet etwa wendeten sich bereits Polizei und Feuerwehr häufig an ihn.

Zum Aiblinger Papagei sagt er: „Der ist sicherlich irgendwo abgehauen.“ Laut Paukert könne man die Tiere zwar theoretisch einfangen und einem Tierschutzverein übergeben. „Allerdings ist es nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, die Tiere zu erwischen.“

Alles andere als schüchtern präsentierte sich das Tier jedenfalls im Garten der Reitingers. „Meine Frau lockte das Pfirsichköpfchen zu sich auf die Terrasse, indem sie auf dem Handy Stimmen von Artgenossen vorspielte“, erzählt Horst Reitinger. Der tierische Gast sei „überwältigt“ gewesen und zwitscherte freudig mit.

„So grausam ist die Natur“

Laut Reitinger habe man den Papagei gerne versorgt und gehofft, dass der Vogel wieder ein Zuhause bekommt. Doch es kam anders. „Nur drei Tage nach diesen Aufnahmen hörten wir in Nachbars Garten ein ängstliches Piepsen und erhaschten noch einen kurzen Blick“, so Reitinger.

Er sei auf der Flucht gewesen. „Ein Falke folgte ihm in nur wenigen Metern Entfernung. Beide waren kurz danach außer Sichtweite.“ Ein letztes „Verzweiflungskreichen“ sei zu hören gewesen, „das war´s“, so der Aiblinger. Und er fügt an: „So grausam ist die Natur.“

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