Licht aus ab 21.30 Uhr

Bad Aibling: Weihnachtsbeleuchtung auch nachts, wenn Ausgangssperre herrscht?

Auch wenn alles stillsteht, der Anblick bleibt. Nur dass ab exakt dem Zeitpunkt, den die Kirchturmuhr von Mariä Himmelfahrt hier zeigt, so gut wie niemand mehr in der Kirchzeile und am Hofberg unterwegs ist. Doch als weithin sichtbares Wahrzeichen bleibt das Gotteshaus auch weiterhin nachts beleuchtet..
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Auch wenn alles stillsteht, der Anblick bleibt. Nur dass ab exakt dem Zeitpunkt, den die Kirchturmuhr von Mariä Himmelfahrt hier zeigt, so gut wie niemand mehr in der Kirchzeile und am Hofberg unterwegs ist. Doch als weithin sichtbares Wahrzeichen bleibt das Gotteshaus auch weiterhin nachts beleuchtet..
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Schöne Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen, Lichter an den Tannenbäumen, liebevoll dekorierte Schaufenster – ein Anblick, der für die Bürger der Stadt im Advent vor allem nach Einbruch der Dunkelheit einfach dazugehört.

Bad Aibling – Doch nun gilt seit Mittwoch die nächtliche Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr – der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist dann nur noch aus wenigen triftigen Gründen erlaubt.Ein Anlass für Bettina Sedlmair, an Kommunen und Einzelhandel zu appellieren, in dieser Zeit die „Lichter ausgehen zu lassen“.

Die Vagenerin, die sich unter anderem beim Obst- und Gartenbauverein und beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) Rosenheim engagiert, argumentiert: „Nachts ab 21 Uhr darf eh niemand mehr auf den Straßen unterwegs sein. Dann kann auch niemand mehr die tollen Schaufenster und beleuchteten Außenfassaden anschauen. Angesichts von Energieverbrauch und Lichtverschmutzung wäre es doch ein Tolles, in dieser Zeit die Lichter auszuschalten. Unsere eh schon arg geschundene Natur würde uns danken.“

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Die Stadtwerke Bad Aibling sind hier bereits von sich aus tätig geworden. Die weihnachtliche Beleuchtung auf der Anlage, speziell vor der Therme, ist jedes Jahr ein echter Blickfang, doch sie wird jetzt jeden Abend um 21.30 Uhr abgeschaltet. In der Innenstadt ist das allerdings nicht so einfach: Alles, was mit der Straßenbeleuchtung gekoppelt ist, kann nicht separat geschaltet werden. Da die Straßenbeleuchtung aber aus Sicherheitsgründen anbleiben muss, fällt wohl ein erheblicher Teil für diesen Vorschlag weg, erklärte Bürgermeister Stephan Schlier gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Aufgrund der Kürze habe man aber seitens der Stadt und der Stadtwerke nicht alles genau prüfen können.

Christbaum mit LED-Lichtern ausgestattet

„Im Übrigen werden die Weihnachtsbeleuchtung, die Schaufensterbeleuchtung und der Christbaum teils auch von den Fenstern zuhause aus wahrgenommen, ohne dass sich jemand außerhalb der Wohnung aufhält. Ich fände es sehr schade, wenn jemand beispielsweise in der Lindenstraße, der Färbergasse oder am Maximiliansplatz in der eh schon durch Corona getrübten Zeit auch noch auf diesen Anblick verzichten müsste“, gibt er zu bedenken. Nach Aussage der Stadtwerke sei der Christbaum im Übrigen mit LED-Leuchten versehen, deren Energieverbrauch vernachlässigbar sein. „Das warme Licht, so meine Auffassung, wird auch nicht nachteilig für die Umwelt sein.“ Was die Gewerbetreibenden und privaten Haushalte angeht, so vertritt der Bürgermeister die Auffassung, dass jeder eigenverantwortlich entscheiden sollte, wie er sein Geschäft, sein Privathaus oder seine Wohnung beleuchtet. „Die Stadt sollte allenfalls informieren. Aufforderungen, Beleuchtungen abzuschalten, oder Appelle zu halten, geht mir zu weit.“ Als Anregung jedoch begrüße er den Vorschlag durchaus.

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Bettina Sedlmair geht es indes auch gar nicht um den Stern im Wohnzimmerfenster oder den Christbaum im privaten Garten. „Ich habe auch schon zu hören bekommen, ,Jetzt wollt‘s uns das letzte Licht auch noch nehmen‘. Das will ich damit nicht erreichen. Aber wozu werden in den Städten die Fassaden und leere Straßen jetzt noch zusätzlich beleuchtet, wenn niemand etwas davon hat?“

Während sie mit ihrem Appell vom LBV den Rücken gestärkt bekommen habe, seien auf diverse Anfragen bei Kommunen oder Institutionen in der Region bislang kaum Rückmeldungen gekommen. Eine Ausnahme neben der Antwort aus Bad Aibling kam aus Vagen. Dort werde die Beleuchtung der Pfarrkirche um 23 Uhr abgeschaltet. „Das ist doch auch schon was“, findet Sedlmair.

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Nicht abgeschaltet wird hingegen die nächtliche Beleuchtung der Bad Aiblinger Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Für Pfarrer Georg Neumaier stellt sie „gerade in diesen dunklen Zeiten einen Leuchtturm der Hoffnung dar“, den man nachts sogar bis von Berbling aus sehe.

Nur noch im Ausnahmefall nachts vor die Tür

Gemäß dem Kabinettsbeschluss gilt in Bayern seit Mittwoch die nächtliche Ausgangssperre: Von 21 bis 5 Uhr ist der „Aufenthalt außerhalb einer Wohnung untersagt“. In dieser Zeit darf man sich nur aus streng festgelegten Gründen draußen aufhalten: wegen medizinischer Notfälle, der beruflichen Tätigkeit, der Wahrnehmung des Sorge- und Umgangsrechts, der unaufschiebbaren Betreuung unterstützungsbedürftiger Personen und Minderjähriger, der Begleitung Sterbender, der Versorgung von Tieren oder „ähnlich gewichtigen und unabweisbaren Gründen“.

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