Diskussion im Sozialausschuss

Bekommt Bad Aibling einen Waldkindergarten in Ghersburgnähe?

Diese drei Standortoptionen mit den jeweiligen Beurteilungen hatte die Verwaltung dem Sozialausschuss zur Beratung vorgelegt. Dieser bevorzugt Standort B in der Nähe der Ghersburgstraße. Klinger
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Diese drei Standortoptionen mit den jeweiligen Beurteilungen hatte die Verwaltung dem Sozialausschuss zur Beratung vorgelegt. Dieser bevorzugt Standort B in der Nähe der Ghersburgstraße. Klinger
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Der neue Waldkindergarten soll nach Wunsch des Sozialausschusses im Bereich der Ghersburgstraße entstehen. Ob diese möglichst noch für heuer anvisierte Lösung tatsächlich umgesetzt werden kann, muss aber nun erst noch abgeklärt werden.

Bad Aibling – Ob und wie das von Kindergarten- und Schulreferentin Petra Keitz-Dimpflmeier (SPD) angestoßene Projekt im dortigen Außenbereich umgesetzt werden kann, muss nun mit dem Landratsamt Rosenheim abgestimmt werden.

Drei von einer ganzen Reihe an vorgeschlagenen Standorten waren nach eingehender Prüfung durch die Stadtverwaltung übrig geblieben. Der im Bereich der Schwimmbadstraße fiel im Gremium allerdings gleich durch, unter anderem aufgrund des geringen Waldanteils von nur 20 Prozent.

Standort Birkenhölzl punktet mit viel Wald

Die Fraktion von Bündnis90/Die Grünen plädierte für den von ihr eingebrachten Vorschlag an der Mühlmoosstraße/Birkenhölzl im Nordwesten der Stadt. Der Waldbestand liege dort bei 90 Prozent, im Vergleich zu circa 50 Prozent am Ghersburg-Standort. „Hier kann das Walderlebnis am besten umgesetzt werden“, meinte Martina Thalmayr.

Ein großer Wald in unmittelbarer Nähe des Kindergartenstandorts sei ausgesprochen wichtig, betonte ihre Fraktionskollegin Anita Fuchs. Denn laut Erfahrungen des Waldkindergartens der Gemeinde Tuntenhausen hielten sich die Kinder, wie sie berichtete, rund 80 Prozent ihrer Zeit im Wald und 20 Prozent rund um ihre Hütte auf. Am Birkenhölzl gebe es, wie auch im Leitfaden zur Einrichtung von Wald- und Naturkindergärten im Landkreis Rosenheim empfohlen wird, zudem einen artenreichen Mischwald.

Konflikte mit Nachbarn befürchtet

Für ÜWG-Rat Dieter Bräunlich hingegen käme am ehesten der Standort an der Ghersburgstraße in Frage. Nicht nur, weil dort die größte Fläche zur Verfügung stehe – „sechsmal so groß wie die am Birkenhölzl“ – und diese entsprechend viel Wald aufweise, sondern auch, weil dort am wenigsten Konflikte mit Besitzern benachbarter Grundstücke zu befürchten seien.“

Fuchs sah hingegen auch am Birkenhölzl kein Konfliktpoteztial. Zwar gebe es am nördlichen Rand Bekassinen, die vor allem während der Brut nicht aufgescheucht werden dürften – „aber die Fläche für den Kindergarten wäre ganz entgegengesetzt, am südlichen Rand und die Betreuer würden ja entsprechend darauf aufmerksam gemacht“.

CSU-Fraktion geschlossen für einen Standort

Die CSU-Fraktion sehe beim Standort Birkenhölzl allerdings Probleme mit der Zufahrt: „Die Anwohner werden sicher nicht begeistert sein, zumal dort auch durch das neue Wohngebiet ,Ellmosener Wies‘ der Verkehr zunehmen wird“, argumentierte Elisabeth Gessner.

Die Fraktion sei eigentlich geschlossen für den Standort Ghersburgstraße. Gessner schloss sich aber Fuchs‘ Bitte an, nichts zu übereilen, weder bei der Standort noch bei der Trägersuche. „Ich fühle mich hier schon irgendwie gedrängt.“ Schlier betonte, dass man trotz der Kürze der Zeit die Standorte sehr eingehend begutachtet habe. Die Präsentation durch Anna-Maria Rittner vom Liegenschaftsamt war auch von den Ausschussmitgliedern dahingehend ausdrücklich gelobt worden.

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„Wie schnell es im Endeffekt gehen wird, wissen wir nicht. Aber Ziel ist es, dass wir den Waldkindergarten so schnell wie möglich, vielleicht auch schon im Herbst, bekommen“, so Schlier. Johann Schweiger (CSU) rechnet allerdings mit einigem zeitlichem Aufwand, nicht nur aufgrund des erforderlichen Bebauungsplanes.

Zudem sei man, wie die Verwaltung erklärt hatte, bei den Flächen an der Ghersburgstraße auch an Pachtverträge gebunden. Doch auch er bevorzuge diesen Standort nicht zuletzt aufgrund dessen Größe, wobei er davon ausgehe, dass man bei Weitem nicht die ganze Fläche benötige. Die Verwaltung hatte darauf hingewiesen, dass es in diesem Wald Rehbestand gebe, der regelmäßig Nachwuchs habe.

„Von übers Knie brechen kann keine Rede sein“

Petra Keitz-Dimpflmeier wehrte sich gegen die Aussagen, hier solle etwas übers Knie gebrochen werden und betonte, dass die den Antrag auf Errichtung eines Waldkindergartens bereits im Juni 2020 eingereicht hätte. Schlier seinerseits erinnerte daran, dass man jedoch ursprünglich übereingekommen sei, für 2021 zunächst die Mittel für die Planung bereitzustellen, das Vorhaben aber erst in 2022 umzusetzen.

Antrag auf frühere Umsetzung

Wie berichtet, hatte Keitz-Dimpflmeier aber letztlich die Sitzung des Sozialausschusses für Januar beauftragt, um eine frühere Umsetzung auf den Weg zu bringen. Mit 7:4 sprach sich das Gremium nun für den Standort an der Ghersburgstraße aus. Sollte dieser aus baurechtlichen Gründen nicht umsetzbar sein, soll der Standort am Birkenhölzl für den Waldkindergarten bereitgestellt werden.

Das sagt der Leitfaden des Landkreises Rosenheim

Zurzeit bestehen in Deutschland rund 1500 Wald-/Naturkindergärten. Im Landkreis Rosenheim sind seit September 2018 acht Waldgruppen und ein Bauernhofkindergarten im Betrieb. Wie es in dessen „Leitfaden zur Einrichtung von Wald- und Naturkindergärten“ heißt, fördern derartige Einrichtungen in unmittelbarer Begegnung mit der Natur die Entwicklung von Kindern auf einzigartige, nachhaltige Weise . Der Aufenthalt im Freien unterstütze körperliche und seelische Gesundheit. Erfahrungen aus erster Hand förderten das Körperbewusstsein und verhelfen der Entfaltung verschiedener Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeiten.

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Weiter heißt es: „Wald- und Naturkindergärten sind nur in Verbindung mit einem relevanten Baumbestand zulässig. Dies ist regelmäßig bei einer Einrichtung im Wald oder unmittelbar am Waldrand der Fall. Die Waldfläche sollte gut erreichbar, abwechslungsreich und ausreichend groß sein. Besonderes Augenmerk ist hier auf die Vielfalt in der Geländestruktur zu legen (...) Ein artenreicher Mischwald bietet sich an.“

Bauwagen und Schutzraum

Sozusagen als Basis- und Materiallager des Waldkindergartens soll ein umfunktionierter Bauwagen dienen. Für diesen ist eine Baugenehmigung erforderlich. Darüber hinaus muss die Stadt für den Fall, dass aufgrund von Witterungsbedingungen ein Aufenthalt in der freien Natur für die Kinder unmöglich ist, ein geeigneter Schutzraum als Ausweichquartier ausweisen. Dies dürfe allerdings nicht zulasten anderer Kinder gehen, betonte Bürgermeister Stephan Schlier mit Blick auf städtische Hallen oder andere Einrichtungen.

Wer wird der Träger?

Über den Träger für den neuen Waldkindergarten beriet der Sozialausschuss in nichtöffentlicher Sitzung. Das Ergebnis ist noch nicht öffentlich. Martina Thalmayr (Grüne) hatte zuvor beantragt, dass an diesem Abend noch nicht über einen bestimmten Träger entschieden wird. Vielmehr solle, so ihre Forderung, die Trägerschaft ausgeschrieben werden, damit sich die Kommunalpolitiker ein Bild von den angebotenen Konzepten machen können.

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