„Großer Konsument“: Fairtrade-Stadt Bad Aibling unterstützt Metropolregion München

Filzblumen aus Nepal, Gläser aus Guatemala, Windlichter und einen Sommerhut aus Indien für Kinder und vieles mehr an fair gehandelten Produkten bietet der Weltladen in Bad Aibling an. Anita Fuchs, Sprecherin der Steuerungsgruppe Fairtrade in Bad Aibling (Zweite von rechts) hier im Gespräch mit den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Weltladens Andrea Höbel, Marie-Luise Wachenfeld und Herdis Ehler-Zeh (von links).
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Filzblumen aus Nepal, Gläser aus Guatemala, Windlichter und einen Sommerhut aus Indien für Kinder und vieles mehr an fair gehandelten Produkten bietet der Weltladen in Bad Aibling an. Anita Fuchs, Sprecherin der Steuerungsgruppe Fairtrade in Bad Aibling (Zweite von rechts) hier im Gespräch mit den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Weltladens Andrea Höbel, Marie-Luise Wachenfeld und Herdis Ehler-Zeh (von links).
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Die Fairtrade-Stadt Bad Aibling ist ein Puzzleteil im Gesamtbild der europäischen Metropolregion München als weltoffene Region mit Vorbildcharakter. Jetzt ist die Bewerbung für die Auszeichnung „Fairtrade-Metropolregion“ angelaufen. Das betrifft auch die Landkreise Rosenheim und Traunstein.

Bad Aibling/München – Seit Oktober 2012 unterstützt Bad Aibling nach einem entsprechenden Stadtratsbeschluss aktiv den fairen Handel und will somit ein konkretes Zeichen für eine gerechte und nachhaltige globale Entwicklung setzen, wie es unter anderem in der Begründung hieß. Im Rahmen der internationalen Kampagne „Fairtrade-Town“ – initiiert von „TransFair“, einem Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt mit Sitz in Köln – wurden in der Kurstadt Bad Aibling bereits zahlreiche Aktionen auf lokaler Ebene umgesetzt.

Um diesem Engagement mehr Kraft zu verleihen, wird das Ganze nun regional erweitert: Die Europäische Metropolregion München soll als „Fairtrade-Metropolregion“ ausgezeichnet werden. Bad Aibling will die Bewerbung Münchens unterstützen. Wie das umgesetzt werden soll, erfuhr der Mangfall-Bote im Gespräch mit Stadträtin Anita Fuchs (Grüne). Sie ist Sprecherin der Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt-Bad Aibling sowie Referentin für fairen Handel und Beschaffung im Stadtrat Bad Aibling.

Seit wann engagiert Bad Aibling beim Thema Fairer Handel?

Aibling ist schon seit 2013 Fairtrade-Stadt. In der Steuerungsgruppe der Stadt haben wir ein kleines Netzwerk entwickelt von Akteuren, die sich für fairen Handel einsetzen. In der Gruppe sind der Weltladen, zwei Aiblinger Schulen, ein Kindergarten, Kirchengemeinden und die städtische Verwaltung vertreten. Uns geht es auch darum, dass die Stadt bei ihrer Beschaffung zunehmend Wert legt auf soziale Standards, Umweltfreundlichkeit und auf Regionalität.

Das ist ihr Ziel. Gibt es schon Ergebnisse, die zeigen, dass die Stadt sich in bewegt, um für fairen Handel und umweltschonende Herstellungsbedingungen zu sorgen?

Wir arbeiten da ständig dran: Zuletzt ging es um die Beschaffung von Arbeits- und Schutzkleidung für Bauhof, Klärwerk und Gärtnerei und wir haben mit der Bestellung von Fairtrade-Polohemden sozusagen einen Versuchsballon gestartet. Im Rathaus wird nur fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt, sei es in den Ratssitzungen oder im Lesecafé, und für die Schulen hat als Sachaufwandsträger die Stadt Sportbälle aus Pakistan beschafft – alles Fair-Trade-Produkte.

Wie groß ist der Einfluss der Kurstadt auf den Verein „Fairtrade Deutschland“, der die Auszeichnung vergibt?

Die Fairtrade-Stadt Bad Aibling ist ein Puzzleteil im Gesamtbild der Metropolregion München, die sich als weltoffene Region mit Vorbildcharakter präsentieren will. Herausgestellt werden soll, dass sich hier zahlreiche Akteure aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft für einen gesellschaftlichen Wandel engagieren, dass hier Wert gelegt wird auf faire, Bio- und regionale Produkte und Nachhaltigkeit gelebt wird.

Das heißt, Aibling gehört zu dieser Region?

Ja, die Metropolregion umfasst dann die Landkreise Rosenheim und Traunstein. Es gibt bereits mehrere sogenannte Fairtrade-Towns wie Prien und Bad Endorf sowie mehrere Fairtrade-Schools. Das alles wird für eine Auszeichnung mitbewertet. So wie eine Fairtrade-Stadt muss auch die Fairtrade-Metropolregion eine Steuerungsgruppe einrichten zur Vernetzung der Akteure und Koordinierung von Aktionen.

Was steckt hinter dem Gedanken, Städte oder Regionen mit einem Fairtrade-Zertifikat auszuzeichnen? Wer hat was davon?

Es geht darum, dass wir alle Verantwortung zu übernehmen haben, was wir konsumieren. Aber nicht nur jeder einzelne Bürger, sondern auch die öffentliche Hand als großer Konsument. Beispiel Pflastersteine, die von den Gemeinden für ihre Straßen und Wege verbaut werden: Wo kommen die her? Aus indischen oder chinesischen Steinbrüchen, hergestellt mit Kinderarbeit? Wir sollten dafür Verantwortung übernehmen, unter welchen Bedingungen die Produkte, die wir kaufen, hergestellt werden: menschenfreundlich, umweltfreundlich und möglichst regional.

Inwieweit ist die Fairtrade-Philosophie beim Verbraucher angekommen? Welche Erfahrung haben sie auf regionaler Ebene gemacht?

Wir prüfen derzeit für die Bewerbung der Metropolregion, was sich bei uns im Einzelhandel getan hat. Erfreulich ist, dass es bereits wieder neue Läden gibt, trotz einer gewissen Fluktuation zum Beispiel aus Altersgründen. Fair gehandelte Produkte gibt es mittlerweile in Bio-Läden, aber auch schon in Supermärkten oder Discountern. Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, ist in Sachen Fairtrade sehr rührig, er hat zum Beispiel 2019 das staatliche Textsiegel „Grüner Knopf“ eingeführt. Um dieses Siegel für ihre Produkte zu erhalten, müssen Unternehmen anspruchsvolle Sozial- und Umweltstandards einhalten. Vor Kurzem hat der Freistaat Bayern beschlossen, dass die Textilien, die seine Unternehmen beschaffen, dieses Siegel tragen müssen. Das wird nochmals einen Schub geben.

Interview: Ulrich Nathen-Berger

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