Bad Aibling und das Stellplatzproblem beim Bauen in der Innenstadt

„Eine klare Aufwertung für die Ecke Bahnhof-/Karolinenstraße“ stellen diese Pläne dar, darin war sich der Bauausschuss einig. Allein über die beantragte Stellplatzablöse konnte sich das Gremium noch nicht einigen.  Landprecht/Ventker
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„Eine klare Aufwertung für die Ecke Bahnhof-/Karolinenstraße“ stellen diese Pläne dar, darin war sich der Bauausschuss einig. Allein über die beantragte Stellplatzablöse konnte sich das Gremium noch nicht einigen. Landprecht/Ventker
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Endlich soll am trostlosen früheren Merkel-Komplex an der Aiblinger Bahnhofstraße etwas passieren. Die vorliegenden Pläne stießen im Bauausschuss auf positives Echo. Doch eine Frage blieb ungeklärt: Was soll bloß in Sachen Stellplatzfrage geschehen?

Bad Aibling – Nach langen Jahren des Stillsstands kommt Bewegung in eine markante Stelle im Bad Aiblinger Stadtbild. In seiner jüngsten Sitzung befasste sich der Bauausschuss mit einem Bauantrag zum ehemaligen Merkel-Gebäude an der Bahnhofstraße. Der Besitzer plant einen Umbau und die Sanierung des Wohn- und Geschäftshauses.

Noch nicht abschließend geklärt werden konnte in der Sitzung allerdings die Stellplatzfrage. Diesbezüglich soll noch einmal das Gespräch mit dem Bauherrn gesucht werden, der eine Ablöse für sieben Stellplätze gefordert hatte.

Dachterrasse und neuer Aufzug

Stadtbaumeister Andreas Krämer stellte die Pläne zunächst vor. Das Erdgeschoss im Eckbaukörper soll zu einer Gewerbefläche mit 76 Quadratmetern ausgebaut werden. Im Obergeschoss wird die Wohnung saniert und durch den Einbau eines Aufzuges ergänzt. Das Dachgeschoss des Verbindungsbaus im Bereich der Karolinenstraße wird zu einer großflächigen Dachterrasse umgebaut, in deren Mittelpunkt der neue Aufzug errichtet wird. Ein anschließender überdachter Laubengang dient zur Erschließung von drei Wohnungen.

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Die Räume im Erdgeschoss werden umgebaut. Es sind zwei Gewerbeeinheiten geplant. Laut Antragsteller sind durch die geplanten Änderungen sieben zusätzliche Stellplätze auf dem Grundstück nachzuweisen. Für diese stellte er einen Antrag auf Ablöse, da sie weder auf dem Grundstück selbst, noch auf einem geeigneten Grundstück in der Nähe möglich seien.

Kaum Stellplätze im historischen Bereich

Die Verwaltung verwies ebenfalls darauf, dass die Bahnhofstraße ein historischer Ortsteil sei, in dem bei alten Gebäuden kaum Stellplätze vorhanden sind. Um hier nicht wegen notwendiger Stellplätze städtebauliche Verbesserungen und Neubauten zu verhindern, sei die Ablöse die einzig praktikable Lösung, um Bestehendes angemessen aufzuwerten und zu erweitern.

Es sei eine Grundsatzfrage, wie man mit dem Thema Stellplatzablöse in diesen Bereichen umgehe, meinte Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) eingangs der Diskussion. Seiner Meinung nach sei sie hier genau das Instrument, das die Stellplatzsatzung vorsieht. „Was die Höhe der Ablöse angeht, so müssen wir diese Diskussion einmal grundsätzlich führen.“

„Es ist ja sehr lobenswert, wenn der Besitzer das Haus wieder herrichtet. Aber er muss sich schon auch Gedanken machen, wo die Leute, die dort einziehen, dann parken sollen. Wenn wir jetzt das Fass aufmachen und sieben Stellplätze ablösen, dann wird das uferlos“, befürchtete Rudi Gebhart (ÜWG). Dem könne er so nicht zustimmen. Die Angelegenheit sei so heikel, dass der Stadtrat darüber entscheiden solle.

„Es ist eine politische Entscheidung“

Krämer gab Gebhart im Grundsatz recht, machte das Gremium aber auch darauf aufmerksam, dass die Stellplatzfrage in der Kernstadt immer schwierig sei, da keine Freiflächen zur Verfügung stünden. „Es ist eine politische Entscheidung, ob Sie das hier wollen. Die Stellplatzsatzung gibt es her“, so Krämer. Letztlich sei es auch Sache des Eigentümers, den Mietern zu erklären, wo sie parken können, wenn die entsprechenden Stellplätze am Haus nicht vorhanden seien.

Martina Thalmayr (GOL) konnte die Bedenken Gebharts teilen, meinte jedoch, es handle sich um relativ kleine Wohnungen in Bahnhofsnähe. „Die werden ja vielleicht auch von Studenten genutzt, die kein Auto haben und mit dem Zug fahren.“

„Wir alle leiden, weil dort nichts passiert“

Das Vorhaben liege an einer Stelle, „an der wir alle mitleiden, dass dort nichts passiert.“ Die vorliegenden Pläne seien schön und ästhetisch und würden dem Objekt wieder Leben einhauchen. GOL-Rätin Anita Fuchs schloss sich dieser Meinung an und bekundete vollstes Vertrauen zu den Bauherren: „Sie haben in Bad Aibling gezeigt, dass sie es verstehen, toll zu bauen.“ Sie sei mit der Ablöse einverstanden, bat jedoch auch, die Fahrradabstellplätze im Blick zu behalten.

„Ablöse ja, aber nicht für alles. Ganz sollten wir den Bauherrn nicht aus der Verantwortung entlassen“, meinte Johann Schweiger (CSU). Bis zur Stadtratssitzung soll die Verwaltung mit dem Antragsteller darüber sprechen, dass dieser auf der Nordseite zwei Stellplätze im Erdgeschoss einplant. Die Bereitschaft zur Stellplatzablöse, vom Bauausschuss mit 10:1 Stimmen befürwortet, ist noch abzufragen.

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