Städtepartnerschaft

Bad Aibling und Cavaion: Treffen liegen wegen Corona auf Eis, die Freundschaft nicht

Auch wenn ein Wiedersehen in solch großer Runde wie hier beim gemeinsamen Besuch des Bad Aiblinger Pfingstvolksfests im Moment noch nicht absehbar ist, so hofft der Freundeskreis Cavaion-Bad Aibling auf den Tag, an dem Kontakte wenigstens in kleinerem Rahmen wieder möglich sein werden.
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Auch wenn ein Wiedersehen in solch großer Runde wie hier beim gemeinsamen Besuch des Bad Aiblinger Pfingstvolksfests im Moment noch nicht absehbar ist, so hofft der Freundeskreis Cavaion-Bad Aibling auf den Tag, an dem Kontakte wenigstens in kleinerem Rahmen wieder möglich sein werden.

Unter den Maßnahmen rund um die Covid19-Pandemie leidet zwar nicht die Städtepartnerschaft zwischen Bad Aibling und Cavaion/Veronese, wohl aber die Aktivitäten des Freundeskreises Cavaion-Bad Aibling. Wie halten die Partner den Kontakt in Zeiten des Lockdowns?

Von Uwe Hecht

Bad Aibling/Cavaion – „Nahezu keine der geplanten Aktionen konnte aufgrund des Lockdowns, den es auch in Italien gab und gibt, durchgeführt werden“, bedauert Vorsitzende des Freundeskreises Cavaion-Bad Aibling Irmi Gruber die Tatsache, dass es im Jahr 2020 keinerlei Kontakte auf offizieller Ebene gab.

Persönliche Treffen schmerzlich vermisst

Das heißt aber noch lange nicht, dass sich auf Freundesebene nichts tut, ganz im Gegenteil. Per Telefon, E-Mail, WhatsApp oder Facebook finde ein reger Austausch untereinander statt, so die Vorsitzende, die gleichzeitig betont, dass die persönlichen Treffen auf beiden Seiten schmerzlich vermisst werden. „So konnten wir nicht an der Beerdigung von Dr. Wolfgang Baumann, dem Mitbegründer der Städtepartnerschaft teilnehmen. Das jährliche Partnerschaftsfest, zu dem die Cavaioneser voriges Jahr nach Bad Aibling gekommen wären, fiel ebenfalls den gegenseitigen Lockdowns zum Opfer“, bedauert Gruber, die wie alle übrigen „Freundeskreisler“ hofft, im kommenden Herbst zur Feier nach Italien reisen zu können.

Für Bedürftige in Cavaion gespendet

Das Vereinsleben an sich muss derzeit ruhen, die monatlichen Stammtische und die vorausgehenden Italienisch-Konversationen können nicht stattfinden. Untätig war der Freundeskreis aber nicht. So wurde die Kirche in Cavaion mit einer großzügigen Spende bedacht, über die sich die Bedürftigen aus der Stadt oberhalb des Gardasees, die besonders hart von der Pandemie betroffen sind, sehr gefreut haben.

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Wie es in Cavaion aussieht, darüber berichtet Sabine Bauer, die Irmi Gruber als „unseren heißen Draht in Cavaion“ bezeichnet und die bei den Partnerschaftsfeiern als Dolmetscherin fungiert, oftmals unterstütz von Valerie Gruber. „Italien ist seit einigen Monaten in drei Zonen aufgeteilt, je nach Infektionsraten in den Farben gelb, orange und rot, ähnlich dem ,Inzidenzgeschehen‘ in Deutschland“, so Sabine Bauer. Im Veneto würden derzeit täglich viele Neuinfizierte registriert, die Krankenhäuser sowohl in Verona als auch in der Provinz sind stark belastet. „Wir in Cavaion befinden uns in der mittleren, in der orangen Zone“, berichtet sie. Das heißt, dass alle kulturellen Einrichtungen wie Theater, Kinos und Museen geschlossen sind, ebenso alle Freizeiteinrichtungen.

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Verzichten müssen die Cavaioneser ebenso wie die Bad Aiblinger auf Besuche von Bars und Restaurants. Gemeinsam ist beiden Städten zudem, dass nur Abhol- und Lieferdienste erlaubt sind. „Wir dürfen unsere Gemeinde nur mit Selbsterklärung verlassen, zum Zweck der Arbeit, für Arztbesuche und Krankenhausaufenthalten oder sonstige dringende Angelegenheiten“, zeigt Sabine Bauer weitere Äquivalenzen zwischen italienischen und deutschen Städten (15-Kilometer-Regel bei Inzidenz über 200) auf. Schulunterricht finde seit fast einem Jahr nur noch „online“ statt.

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Gefragt nach konkreten Zahlen wusste sie, dass, Stand 8. Januar, bei der örtlichen Gesundheitsbehörde 102 Einwohner am Corona-Virus erkrankt waren beziehungsweise sich in Quarantäne befanden und fünf Menschen innerhalb der letzten Woche daran verstorben waren.

„Viele in Kurzarbeit oder arbeitslos“

Auch die Wirtschaft ist mit voller Wucht getroffen worden. Wie viele Gemeinden rund um den Gardasee lebt der Ort auch vom Tourismus, der im vergangenen Jahr mit Ausnahme weniger Wochen völlig zum Erliegen kam. „Gastronomie und Hotelbetriebe sind geschlossen, die Beschäftigten sind, wie in vielen anderen Wirtschaftszweigen, in Kurzarbeit oder gar arbeitslos“, weiß Bauer, die noch auf einen weiteren negativen Aspekt hinweist: „War es in unserer Region immer schon schwer, Arbeit zu finden, ist dies momentan nahezu unmöglich. Darunter haben viele Familien zu leiden, es herrscht teils Existenzangst, weil man nicht weiß, wie man die nächste Stromrechnung oder Kreditrate bezahlen soll.“

Optimismus trotz allem ungebrochen

Ganz allgemein sind die Maßnahmen ein großer Hemmschuh für die Einzelhändler. „Es werden fast ausschließlich Lebensmittel gekauft, Neuanschaffungen nur getätigt, wenn sie unbedingt nötig sind“, so Bauer, die aber auch von einem ungebrochenen Optimismus berichtet. „Sicher gibt es einige Pessimisten, aber die meisten Bewohner sehen optimistisch in die Zukunft und hoffen darauf, dass sich mit der Impfung, die nun auch in Italien beginnt, vieles zum Guten wendet.“

Biker lassen Waisenkinder nicht im Stich

Im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Bad Aibling und Cavaion haben sich auch viele Freundschaften zwischen den Motorradfreunden entwickelt. Fast alle „Biker“ auf italienischer Seite sind unter Federführung von Fabrizio Daniella Guadagnini und Fabrizio Banterla auch Mitglied im Verein „Cavaion nel mondo“, der bedürftige Kinder in einem Waisenhaus in Yabolonka in der Ukraine unterstützt. Die Aiblinger Biker mit Rudi Gebhart an der Spitze engagieren sich seit 2013 nun ebenfalls in der „guten Sache“ und führen seitdem jährlich Aktionen durch, deren Reinerlös dem Waisenhaus zugute kommt. Auch hier hat Corona dieses Jahr einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht, bedauert Gebhart, der das Waisenhaus bereits mehrmals besucht hat.

„Konnten Schützlinge nicht besuchen“

„Besonders schade war, dass 2020 zum ersten Mal unser ,Fest der Herzen‘ im Pfarrsaal St. Georg, in dessen Rahmen eine Versteigerung einen großen Betrag zugunsten der Kinder brachte, nicht stattfinden konnte“, so Gebhart, der nach Alternativen für die Durchführung gesucht hatte, die aber letztlich nicht zum Tragen kamen. Auch die Idee, italienische Spezialitäten per Lastwagen in die Kurstadt zu bringen und in einem Gastronomie-Gebäude für den guten Zweck verkaufen, zerschlug sich aufgrund des Lockdowns. Aufgeben ist aber nicht Sache der Biker, die um die Nöte der Waisenkinder wissen. Diese konnten 2020 auch nicht wie in den Jahren zuvor nach Cavaion kommen; umgekehrt war es den Motorradfreunden nicht möglich „ihre Schützlinge“ besuchen.

Gemeinsam geht‘s dann wieder zum Knödeldrehen

„Das ist höchst unbefriedigend für alle Seiten, aber wir lassen ,unsere Kinder‘ nicht im Stich, das haben wir zugesichert, und wir hoffen, dass die Aktionen heuer wieder durchgeführt werden können“, gibt er sich zuversichtlich. „Uns allen fehlt der persönliche Kontakt“, bedauert Gebhart, der in der Ukraine auch mit Unterstützung für die Kinder gekocht hat. „Ich freue mich jetzt schon darauf, das wieder tun zu dürfen, und besonders darauf, dass die Kinder wieder mit Begeisterung helfen und Semmelknödel drehen“, macht er deutlich, was die Besuche bei den Waisenkindern für diese bedeuten.

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