Earth Night am 17. September

Bad Aibling: Um 22 Uhr knipst die Stadt das Licht aus – aber nicht überall

  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Mit dem Glockenschlag um 22 Uhr werden auch in Bad Aiblings Innenstadt heute etliche Lichter ausgehen. Die Kommune beteiligt sich an der weltweiten „Earth Night“ – eine Aktion, bei der Menschen versuchen, für wenigstens eine Nacht im Jahr das menschengemachte Kunstlicht so weit wie möglich zu reduzieren.

Bad Aibling – Der Durchführung der „Earth Night“ in Bad Aibling lag ein Antrag der Grünen zugrunde, den der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung bei einer Gegenstimme befürwortete. Wie Fraktionssprecherin Martina Thalmayr erklärte, sollte die Beleuchtung aller öffentlichen Gebäude ausgeschaltet und dort, wo es rechtlich möglich sei, die Straßenbeleuchtung deaktiviert werden.

Rathäuser bleiben heute im Dunkeln

Der Stadtrat beschloss letztlich allerdings nur, das Rathaus und das Verwaltungsgebäude Am Klafferer vollständig zu verdunkeln sowie am Marienplatz die Beleuchtung, soweit es aus Sicherheitsgründen möglich ist, abzusenken.

Auch das Rathaus in der Bad Aiblinger Innenstadt wird heute ab 22 Uhr im Zuge der „Earth Night“ verdunkelt. Die Beleuchtung am Marienplatz wird abgeschwächt.

Die Straßenbeleuchtung hingegen kann, wie der Stadtrat nach einer Stellungnahme von Stadtwerkeleiter Stefan Barber befand, aufgrund des unvertretbar hohen personellen Aufwandes nicht ausgeschaltet werden. Zwar ließe sich eine komplette Abschaltung relativ einfach und einem Aufwand von nur fünf Stunden realisieren. Jedoch wären dann auch neuralgische Punkte wie Kreuzungen ohne Straßenbeleuchtung.

Das Licht geht in Bad Aibling nicht überall aus

„Kommt es durch eine nachweislich unzureichende Straßenbeleuchtung zu einem Unfall, so kann die Stadt Bad Aibling in Regress genommen werden“, warnte der Bürgermeister. Zu bedenken seien gegebenenfalls auch Rettungseinsätze, die durch nicht beleuchtete Straße so verzögert werden, etwa wenn Hausnummern vom Rettungsdienst nicht gesehen werden könne. „Hiervon könnte ein Menschenleben abhängen.“

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Eine Dimmung der Straßenbeleuchtung hingegen sei aktuell nicht möglich. Sollte die Straßenbeleuchtung wiederum überall dort abgeschaltet werden, wo keine neuralgischen Punkte beleuchtet werden, müsse dies an jeder Straßenlaterne einzeln erfolgen. Die Stadtwerke Bad Aibling schätzen den Aufwand hierfür auf mindestens zehn Minuten je Straßenlaterne – bei rund 1500 betroffenen Laternen also 250 Stunden.

AfD spricht sich gegen Teilnahme an Earth Night aus

Gegen die Aktion sprach sich Andreas Winhart (AfD) mit Vehemenz aus: „Ich denke, die Stadt sollte sich nicht einmal ansatzweise daran beteiligen. Ich halte den Gesamtaufwand für eine derart ideologische Aktion nicht für verhältnismäßig.“ Die öffentlichen Gebäude seien aus gutem Grund beleuchtet – sie seien sehenswert und sollten deshalb auch gesehen werden. Zudem verwies auch er auf den Sicherheitsaspekt.

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Martina Thalmayr betonte, dass es darum gehe, unter dem Motto „der Natur eine Nacht zurückzuschenken“ ein Zeichen zu setzen. Der personelle Aufwand sei in der Tat enorm, aber der Vorschlag der Verwaltung, lediglich die Notbeleuchtung an beiden Rathäusern auszuschalten, sei definitiv zu wenig. „Dann sollte lieber gar nichts gemacht werden. Es geht darum, dass ein dunkler Bereich entsteht, den man auch wirklich wahrnimmt – sei es in einem ganzen Straßenzug oder in einem Wohngebiet.“

CSU-Rat Johann Schweiger hielt das Ansinnen für nicht schlecht, warnte aber davor, „das Kind mit dem Bade auszuschütten“: Die Sicherheit im Straßenverkehr gehe vor und ein Abschalten der Beleuchtung sei wohl auch rechtlich kritisch. Bei den öffentlichen Gebäuden sehe er hingegen kein Problem. Er würde das Thema auch gerne an die Bürger weitergeben und schauen, wie es von diesen angenommen wird.

Appell auch an die Bürger

Letztlich lehnte der Stadtrat eine Deaktivierung der Straßenbeleuchtung aufgrund des hohen Personaleinsatzes und im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ab. Auch auf ein kostenintensives Anschreiben von Gewerbetreibenden wurde verzichtet – da diese nahezu ausnahmslos ohnehin ihre Betriebe ab 22 Uhr nicht beleuchtet haben. Allerdings ruft die Stadt die Bürger und Gewerbetreibenden auf, so weit wie möglich mitzumachen.

Richard Lechner (SPD) bat, das ganze Jahr an Maßnahmen gegen die Lichtverschmutzung zu denken und erinnerte an einen Landtagbeschluss, nach dem öffentliche Gebäude nach 23 Uhr und bis zur Morgendämmerung nicht mehr beleuchtet werden dürfen.

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