Bad Aibling: „Uhren & Schmuck Regensburger“ schließt, doch Tradition geht weiter

Max Regensburger in der Kirchzeile, wo er lebte und wirkte.
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Max Regensburger in der Kirchzeile, wo er lebte und wirkte.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Nach dem Tod von Max Regensburger schließt dessen alteingesessenes Juweliergeschäft in der Kirchzeile zum Ende des Jahres. Doch die Familientradition im Schmuckhandwerk geht in 5. Generation nun an Tochter Sarah über.

Bad Aibling – Die Schließung dieses Traditionsgeschäfts reißt eine echte Lücke in das Herz der Stadt: Am Donnerstag, 8. Oktober, beginnt der Räumungsverkauf bei „Uhren & Schmuck Regensburger“. Geplant war die Geschäftsaufgabe in Bad Aibling laut der Familie bereits seit Längerem, doch kam der Zeitpunkt durch den Tod des Inhabers Max Regensburger Anfang September für alle nun unerwartet früh.

TRAUERANZEIGEN FÜR „MAX REGENSBURGER“

Tochter Sarah führt Tradition fort

Als absehbar war, dass er aufgrund seiner schweren Krankheit nicht mehr ins Geschäft zurückkehren würde, hat Max Regensburger den Räumungsverkauf selbst noch mitinitiiert. Denn bereits bevor er im vergangenen Jahr schwer erkrankte, stand bereits fest, dass Tochter Sarah die Familientradition im Schmuckhandwerk zwar fortführen würde, jedoch als Schmuckdesignerin, mit ihrer eigenen Kollektion und nicht in Bad Aibling.

„Für ihn war das nicht mit Wehmut verbunden. Er sah es so, dass alles seine Zeit hat, und er hat sich sehr für den Weg von Sarah interessiert. Er fand ihre Arbeiten richtig cool, hat sie unterstützt und sich mit ihr über ihre Pläne gefreut“, sagt seine Frau Regina.

Fest in Bad Aibling und der Kirchzeile verwurzelt

Die Familiengeschichte und das Juweliergeschäft Regensburger sind indes seit dem Jahr 1903 fest mit Bad Aibling und der Kirchzeile verwurzelt. Handwerk, Kunst und Historie prägen die Familie seit vielen Generationen. 1857, in einer Zeit, in der damals größten Schmuckstadt Deutschland, Pforzheim nur 31 Betriebe der Schmuck- und Uhrenindustrie existierten, eröffnete bereits der Urgroßvater von Max J. Regensburger das erste Uhren-Schmuck-Optik-Fachgeschäft in Waging am See. Seine vier Söhne traten alle in seine Fußstapfen und gründeten weitere Geschäfte in Palling, Haag und Anger.

Sarah Regensburger

Standort seit 1901 in Bad Aibling

Anfang des 20. Jahrhunderts übersiedelte schließlich einer der Söhne, Josef Regensburger, nach Bad Aibling, um dort ein schon bestehendes Uhren-Schmuck-Fachgeschäft zu erwerben. Nach dem Tod der Eltern übernahmen 1947 zwei der acht Kinder, Maria und der Uhrmachermeister Max-Josef Regensburger, das Geschäft. Der am 2. September dieses Jahres verstorbene Max J. Regensburger führte das Haus an der Kirchzeile seit dem Jahr 1987.

Zwei Fassadenpreise für renoviertes Anwesen

Max Regensburger wurde 1987 Chef des Hauses. Er erwarb das Anwesen in der Kirchzeile 10 und machte es zu seinem Firmen- und Wohnsitz. Das denkmalgeschützte Haus wurde von Grund auf mit viel Sachverstand und behutsam renoviert. Zwei Fassadenpreise sind die Anerkennung für seine Anstrengungen, das Gebäude möglichst originalgetreu zu erhalten und in das unter Ensembleschutz stehende Umfeld einzubinden. Auch im Inneren spiegelt sich Regensburgers Verbundenheit zur Schönheit und Heimat wider.

Zufriedene Kunden als oberstes Gebot

Max Regensburger

Die Philosophie seines Geschäfts war bis zuletzt geprägt von der Liebe zum Handwerk und stets dem Anspruch verpflichtet, sich zeitgemäß und aktuell zu präsentieren. Mit viel Gefühl fürs Detail dekorierte der Kunstliebhaber seine Schaufenster dazu oft auch selbst, zum Teil mit ausgewählten Stücken aus seinen Sammlungen. Neben einem ausgewählten, individuellen Angebot an Uhren und Schmuck lautete für ihn das oberste Gebot: Kunden, die aufgrund der persönlichen, kompetenten und unaufdringlichen Beratung mit einem zufriedenen Lächeln das Geschäft verlassen und gerne wiederkommen.

Stabübergabe an die 5. Generation

Nun aber wird das Traditionshaus „Uhren & Schmuck Regensburger“ mit dem Schlussverkauf vom 8. Oktober bis 31. Dezember seinen Abschied von Bad Aibling nehmen. Ganz im Sinne von Max Regensburger, der diesen Schritt mit seiner Familie so besprochen hat. Denn es geht auch weiter: Die Stabübergabe ist erfolgt und wird nun in der fünften Generation fortgesetzt.

Ein Neubeginn in Düsseldorf

Sarah Regensburger, Goldschmiede-Gesellin und mehrfach ausgezeichnete Schmuck-Designerin , gründet gerade neben ihren eigenen Arbeiten das Schmucklabel „202Editions“. Nachdem sie ihre handwerkliche Ausbildung an der renommierten Staatlichen Zeichenakademie Hanau absolvierte und ihren Masterabschluss im Studiengang „Applied Art an Design“ mit Auszeichnung an der Hochschule Düsseldorf erhielt, wird die Schmucktradition der Familie nun von Düsseldorf aus weitergeführt. Ab November wird es zudem einen Online-Auftritt des Labels (www.202editions.com) geben. Die junge Schmuckdesignerin übernimmt damit den Anspruch ihres Vaters und setzt ihn in ihren eigenen Designs um. Das Jahr 2020 steht deshalb in der Firmengeschichte von „Uhren & Schmuck Regensburger“ für eine Wende und einen Neubeginn.

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