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Tücken liegen im Detail

Bad Aibling: Stadtrat bringt Baugebiet Ellmosener Wies auf den Weg

Der Blick vom nordwestlichen Beginn des Baugebietes Ellmosener Wies aus – es beginnt bei der Wiesenfläche.
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Der Blick vom nordwestlichen Beginn des Baugebietes Ellmosener Wies aus – es beginnt bei der Wiesenfläche.
  • Eva Lagler
    VonEva Lagler
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Auch in der letzten Runde machte es sich der Stadtrat nicht leicht mit seinem Bebauungsplan „Ellmosener Wies“. Auch nach erneut mehrstündiger Beratung waren etliche Mitglieder nach wie vor nicht überzeugt davon, dass das Hauptthema – die Entwässerung – zufriedenstellend gelöst sei.

Bad Aibling – Mit 17:7 brachte der Stadtrat die Pläne für das neue Baugebiet per Satzungsbeschluss letztlich aber doch auf den Weg.

„Seltenst haben wir in einem Bebauungsplanverfahren so viel Aufwand zu einem Einzelpunkt betrieben.“ Diese Feststellung von SPD-Rätin Petra Keitz-Dimpflmeier (SPD) wird durch einen Blick auf die Vielzahl der von der Stadt in Auftrag gegebenen Untersuchungen, hydrogeologischen Gutachten und umfassenden Stellungnahmen der beteiligten Behörden untermauert.

Sorgen der Bewohner sind groß

Die Sorgen der Bewohner des angrenzenden Wohngebietes hinsichtlich etwaiger Auswirkungen der großflächigen Neubebauung sind groß. Ein Anstieg des Grundwassers, nicht ausreichende Versickerungsmöglichkeiten des Oberflächenwassers, volllaufende Keller bei Starkregenereignissen seien zu befürchten, hieß es in deren Stellungnahmen.

Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim hatte von Anfang an betont, dass sich die Situation für die Anlieger durch die Neubebauung nicht verschlechtern darf.

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Nach diversen Gutachten, Umplanungen und Konzeptionsänderungen erklärte die Behörde nun, dass sie davon ausgehe, dass sich die Grundwasserverhältnisse durch die Bebauung „nicht signifikant verändert werden“. Denn das Niederschlagswasser soll nun – von der Bestandsbebauung abgerückt – über mehrere Versickerungsanlagen verteilt dem Boden zugeführt werden.

Die Details dazu erläuterte Ingenieur Denis Weisser dem Gremium im Detail. Das gesammelte Niederschlagswasser aus dem westlichen Bereich des Baugebietes etwa soll bei Starkregen in den Mischwasserkanal der Stadt abgeleitet werden. Ein Vorschlag, den einige Räte sehr kritisch sahen. „Damit habe ich ein Problem“, sagte zum Beispiel Rudi Hofschneider, SPD-Rat und stellvertretender Betriebsleiter des Klärwerks.

„Die Extremwetterlagen nehmen zu“

Anita Fuchs (Grüne) befürchtete ebenfalls eine Überlastung der Kläranlage bei Starkregenereignissen, zumal man künftig zunehmend mit Extremwetterlagen zu rechnen habe.

Sie sei nicht überzeugt, dass Problematik auf dem Areal gereget werden kann und bleibe bei der Ablehnung der Planung: „Ein Baugebiet wie dieses passt nicht mehr in unsere Zeit.“ Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) hielt dagegen, dass hier dringend notwendiger Wohnraum für Aiblinger Bürger geschaffen werde und betonte zudem, die Stadt habe bei keinem anderen Bebauungsplan zuvor so viel Aufwand beim Thema Wasser betrieben.

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Die Fläche sei nun mal zu einem Baugebiet umgewidmet, merkte auch Petra Keitz-Dimpflmeier an. Hinsichtlich der Planungen meint sie: „Wir sind alle keine Experten, haben aber die Sachverständigen, die uns beraten.“ Ihrer Meinung nach hätten weder Stadt noch Sachverständige die Anliegen sorglos behandelt.

ÜWG-Rat Dieter Bräunlich stieß ins gleiche Horn: „Das Wasserwirtschaftsamt hat mehrfach bekundet, dass nicht mit signifikanten Änderungen zu rechnen ist. Mehrere Experten sagen, dass die Situation zu händeln ist. Auch der Bauträger tut sein Bestes. Was wollen wir noch?“ Auch Richard Lechner (SPD) meinte: „Ein gewisses Vertrauen zu den Fachleuten sollte man schon haben.“ Wenn etwas falsch gemacht worden sei, dann, dass das Thema nicht von anfang ab ernstgenommen habe. „Deshalb hat es sich so gezogen.“

„Mit Fachlichkeit nun am Limit“

Als „jetzt schon schwierigste Entscheidung des ganzen Jahres“ bezeichnete Martina Thalmayr (Grüne) die Abstimmung. Mit jedem Gutachten, sei es schwieriger geworden, denn diese hätten gezeigt, dass die Anwohner mit ihren Sorgen Recht hatten. „Ich bin mit meiner Fachlichkeit hier am Limit, aber wir gehen mit Fachleuten vorwärts.

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Mit viel Bauchweh kann ich hier mitgehen.“ Andreas Winhart (AfD) zeigte sich „nicht zu 100 Prozent begeistert“, da durch das Baugebiet viel Fläche verloren gehe. „Aber lieber am Ortsrand als mitten in der Pampa.“ Für den östlichen Teil des Areals sah er die Wasserproblematik entkräftet. Für den westlichen Bereich halte er dies allerdings für fraglich.

Beweissicherungsmaßnahmen finden statt

Die Mehrheit des Stadtrates sah es ebenso wie das Wasserwirtschaftsamt als gegeben, dass durch die geplanten und gesicherten Anlagen zur Ableitung von überschüssigem Oberflächenwasser im Plangebiet sichergestellt ist, dass es auf den Grundstücken mehrerer Einwender nicht zu einem Anstieg des Grundwassers kommt. Deshalb bestehe auch keine Veranlassung für die geforderte „schriftliche Haftungsübernahme“, hieß es in den jeweiligen Beschlüssen.

Qualifizierter Gutachter wird beauftragt

Unabhängig davon hat die Stadt vor dem Satzungsbeschluss jedoch einen Nachtrag zum Erschließungsvertrag abgeschlossen, in dem sich die Erschließungsträger verpflichtet haben, auf einer Reihe von Grundstücken, die an den Geltungsbereich des Bebauungsplans angrenzen, die von den Anliegern geforderten Beweissicherungsmaßnahmen durchzuführen. Zu diesem Zweck wird im Einvernehmen mit der Stadt Bad Aibling ein qualifizierter Gutachter beauftragt.

Grünstreifen wird nicht verbreitert

Die Forderung nach einer Verbreiterung der Grünflächen Richtung Norden, „um eine qualitätsvolle Eingrünung zu gewährleisten“, lehnte der Stadtrat ab. Die Grünzone zwischen den Gebäuden und der Grenze des Bebauungsplans am nördlichen Ortsrand sei insgesamt sieben Meter breit.

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„Die vorgesehene zwei- bis dreireihige Bepflanzung mit Bäumen und Sträuchern findet auf einem fünf Meter breiten Streifen statt, auf dem die Sträucher näher an der Grundstücksgrenze gepflanzt werden als die Bäume, die im Abstand von vier Metern zur Grundstücksgrenze stehen. Zwischen Baumpflanzung und Gebäuden liegt demnach ein drei Meter breiter und damit ausreichend breiter Abstand.“

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