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Stadtrat trifft zukunftsweisende Entscheidungen

Solarpark oder Porschezentrum für Bad Aibling? Was entlang der Autobahn geplant ist

Während sich CSU-Stadtrat Dr. Thomas Geppert eine Porsche-Ansiedelung gut vorstellen kann, ist Grünen-Stadträtin Martina Thalmyr klar dagegen.
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Während sich CSU-Stadtrat Dr. Thomas Geppert eine Porsche-Ansiedelung gut vorstellen kann, ist Grünen-Stadträtin Martina Thalmyr klar dagegen.
  • Nicolas Bettinger
    VonNicolas Bettinger
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Während Porsche gerne ein „Premiumgewerbe“ in Bad Aibling aufbauen würde, möchten andere in der gleichen Gegend Photovoltaik-Anlagen errichten. Im Stadtrat entzündete sich deshalb eine hitzige Diskussion um Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz. Nun herrscht Gewissheit.

Bad Aibling – Jetzt herrscht Gewissheit: In Bad Aibling, genauer gesagt im Willinger Weitmoos nördlich der A8, wird kein Porschezentrum entstehen. Ebenfalls entlang der Autobahn, auf benachbarten Grundstücken, soll dagegen Strom aus erneuerbarer Energie in Form von Freiflächen-PV-Anlagen gewonnen werden. Diese Entscheidungen traf nun der Bad Aiblinger Stadtrat. Dabei ging es eigentlich nicht um „entweder oder“. Dennoch entzündete sich im Stadtratsgremium eine Diskussion um Wirtschaftlichkeit auf der einen und Klimaschutz auf der anderen Seite.

Die Karte zeigt das potenzielle Porsche-Areal neben der A8 in der Willinger Weitmoos, welches der Stadtrat abgelehnt hat. In unmittelbarer Umgebung entstehen dafür Freiflächen-PV-Anlagen.

Autohaus schon im Ausschuss gescheitert

Das Porsche Zentrum Inntal GmbH – mit einem Jahresumsatz von 45 Millionen Euro und 60 Mitarbeitern – sucht einen neuen Standort und wollte sich vorzugsweise in Bad Aibling ansiedeln. Gewünschter Standort war die Fläche, welche in der Vergangenheit von der Firma Kathrein erworben wurde. Das Verfahren wurde damals nicht weiterverfolgt, da Kathrein nicht bereit war, die Erschließungskosten zu tragen.

Hier hätte Porsche gerne gebaut.

Neben dem Neubau des Autohauses mit neun Werkstattarbeitsplätzen und einem „Showroom“ sollte auch ein Pendlerparkplatz mit E-Lademöglichkeit entstehen. Bereits im März erteilte der Ausschuss für Klimaschutz, Stadtentwicklung und Gesamtverkehrsplanung dem Unternehmen eine einstimmige Absage. Nun hatte der Stadtrat das letzte Wort, dieses mal mit einer deutlich knapperen Entscheidung (14:9 gegen die Bauanfrage).

Ziel: Einbindung in ein regionales Energienetzwerk

Anders sieht es auf einem der benachbarten Grundstücke aus. Einstimmig sprach sich das Gremium für die Errichtung einer PV-Freiflächenanlage aus, die die Gemeinde Bad Feilnbach als Grundstückeigentümer beantragte. Ziel sei hier die Einbindung in ein regionales Energienetzwerk, beispielsweise die geplante „Mangfalltal-Energie GmbH“ (wir berichteten).

Das über 15.000 Quadratmeter große Grundstück der Gemarkung Willing liegt direkt an der A8 sowie direkt an der Gemeindegrenze zu Bad Feilnbach. Ebenfalls auf einem an die Autobahn angrenzenden Grundstück, beantragt ein weiterer Bauherr eine zusätzliche Errichtung eines Solarparks. Auch diesem Ansinnen stimmte der Stadtrat einstimmig zu. Die beiden beantragten Solaranlagen hätten das genau dazwischen liegende Porsche-Zentrum flankiert, wie Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) erklärte.

Ein Porschezentrum in Stuttgart.

Einig war man sich im Gremium darüber, dass es sinnvoll sei, Strom hier zu erzeugen, der wiederum auch hier in der Region bleibt. Und auch wenn Details, wie etwa die Höhe der PV-Anlagen, noch im Rahmen der Feinplanung geklärt werden müssten, begrüßte man den Standort direkt an der Autobahn.

Stadtrat Dieter Bräunlich (ÜWG) könnte sich sogar noch eine Ausweitung der Anlagen vorstellen. Zumal etwa „der Blick Richtung Wendelstein nicht gestört“ würde. „Wenn Nachbargrundstückseigentümer mit ähnlichen Vorhaben auf uns zukommen, spricht nichts dagegen, sich auch damit zu beschäftigen“, erwiderte Schlier.

„Premiumgewerbe“ als Einnahmequelle für Bad Aibling?

Deutlich mehr Diskussionsstoff bot im Gremium natürlich das beantragte Porsche-Zentrum. Das im März-Ausschuss einstimmig abgelehnte Vorhaben erscheine durch die umliegenden Solarpark-Projekte nun in einem „etwas anderen Blickwinkel“, sagte Bürgermeister Schlier. Dem folgte die CSU-Fraktion.

Der Aiblinger CSU-Stadtrat Dr. Thomas Geppert spricht sich für ein Porsche-Zentrum aus.

Laut Stadtrat Dr. Thomas Geppert müsse man zwar „sorgsam mit Flächen umgehen“. Dennoch dürfe sich die Stadt einer möglichen Weiterentwicklung nicht verwehren. Neben neu geschaffenen Arbeitsplätzen entstünden durch das Unternehmen vor allem auch wichtige Gewerbesteuereinnahmen. „Ich würde es deshalb begrüßen, hier auf die Zukunft und nicht auf Stillstand zu setzten“, so Geppert. Parteikollege Markus Stigloher sprach sogar von einem „Premiumgewerbe für Bad Aibling“.

Beispiel einer Freiflächen-PV-Anlage.

Ganz anders sah es etwa Florian Weber (Bayernpartei). Hier eine Gewerbeansiedlung zuzulassen wäre ein „Einschnitt, den die Bevölkerung vor längerer Zeit schon nicht wollte“. Zudem bestehe ein großer Unterschied zwischen einem Gewerbe und einer Photovoltaik-Anlage. Ähnlich sah dies Grünen Stadträtin Martina Thalmayr.

Die Aiblinger Grünen-Stadträtin Martina Thalmayr spricht sich gegen ein Porsche-Zentrum aus.

„Eine PV-Anlage versiegelt im Gegensatz dazu keine Flächen.“ Zumal man bei einer Porsche-Zustimmung die Tür für noch weitere Gewerbe aufmachen würde. Thalmayr empfand die Diskussion auch deshalb als „irrsinnig“, da es im Frühjahr ein ganz deutliches Stimmungsbild gegen die Bauanfrage gab.

„Thema ist tatsächlich nicht leicht“

„Das Thema ist tatsächlich nicht leicht“, konstatierte Bürgermeister Schlier. Da Porsche jedoch auch mit anderen Gemeinden spreche, „wäre es schon schade, wenn so etwas dann in unserer Sichtweite entsteht“. Denn etwa die Gewerbesteuern sollte man nicht ganz außer Acht lassen.

„Der Bürgermeister hat offensichtlich seine Meinung geändert“, kritisierte SPD-Stadtrat Richard Lechner den Rathaus-Chef sowie die CSU-Fraktion. Wenn man Porsche akzeptiere, müsse man sich auch fragen, wie man dann anderen Autohäusern gegenüberstehe. Doch soweit wird es nicht kommen. Das Porsche-Ansinnen ist, zumindest in Bad Aibling, Geschichte. Entlang der Autobahn soll künftig Strom aus erneuerbarer Energie gewonnen werden.

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