Interview mit Lukas Kranz

Bad Aibling: So rettet der Verein „Rehkitzrettung Mangfalltal“ Rehkitze vor dem Mähtod

Rund 15 Rehkitze hat der Verein „Rehkitzrettung Mangfalltal“ im vergangenenJahr bereits vor dem Mähtod bewahrt.
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Rund 15 Rehkitze hat der Verein „Rehkitzrettung Mangfalltal“ im vergangenenJahr bereits vor dem Mähtod bewahrt.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Der Verein „Rehkitzrettung Mangfalltal“ hat sich im vergangenen Jahr gegründet und 2020 etwa 15 Rehkitze vor dem Tod gerettet. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden Lukas Kranz über das Engagement der Helfer.

Bad Aibling – Ein Blick hinter die Kulissen der Rehkitzrettung im Mangfalltal.

Herr Kranz, seit einem Jahr gibt es Ihren Verein. Wie ist die erste Saison verlaufen?

Lukas Kranz: Sie war kurz, aber erfolgreich. Aufgrund der schon damaligen Corona-Situation hat es leider lange gedauert, bis wir alle behördlichen Maßnahmen erledigt hatten.

Dadurch war eine Anschaffung und ein erster Einsatz unserer Drohne erst zum Ende der Setzzeit im späten Mai/Anfang Juni möglich. Trotzdem freuen wir uns über erfolgreiche Einsätze.

Lukas Kranz ist der Vorsitzende des Vereins „Rehktzrettung Mangfalltal“.

Wie viele Einsätze hatten Sie und wie viele Rehkitze konnten Sie bislang retten?

Kranz: Im Jahr 2020 haben wir circa 15 Rehkitze vor dem Mähtod gerettet. Außerdem wurden wir einmal zu einer Suche eines Hundes am Simssee gerufen. Dieser ist leider mit Leine in ein sehr dichtes Waldgebiet davongelaufen und nicht mehr zurückgekommen.

Nach leider stundenlang erfolgloser Suche auch unter Mithilfe der Hundesuchstaffel konnte der Hund leicht geschwächt am nächsten Tag durch Zufall gefunden werden.

Wann geht es heuer los?

Kranz: Die Saison beginnt mit dem „ersten Schnitt“ der Landwirte, dieser ist wetterabhängig und schwer vorhersehbar. Wir stellen uns aber auf einen Start ab Ende April ein und sind jetzt schon aktiv in den Vorbereitungen und mit Übungsflügen beschäftigt. Bei den Flügen werden in Wiesen Wärmflaschen versteckt und mithilfe der Drohne und Wärmebildkamera gesucht.

Eine optimale Einstellung der Technik und die Zusammenarbeit des Suchteams ist Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Start in die neue Saison.

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Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein Kitz finden – worauf müssen Sie besonders achten?

Kranz: Die Kitze werden anhand der Wärmesignatur erkannt, ihr Liegeplatz mittels GPS-Koordinaten gespeichert und an den Fußtrupp übergeben. Dieser geht die Positionen mit Wäschekörben und Fahnen ab und sichert die Kitze je nach Gegebenheit direkt im Feld oder am Waldrand.

Wie bei den meisten Jungtieren ist es so, dass diese von ihrer Mutter vor allem über den Geruch erkannt werden. Daher ist es wichtig, dass die Kitze möglichst nicht angefasst werden und wenn nicht anders möglich immer Handschuhe getragen werden, um keinen Menschengeruch an die Jungtiere zu bringen. Dies würde zu einem Verstoßen des Kitzes durch die Mutter führen.

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Wie sind die Reaktionen der Landwirte aus der Region – wie viele machen mit?

Kranz: Wir erhalten durchweg positive Rückmeldungen der Landwirte. Die Bereitschaft, sich an dieser für die Landwirte kostenlosen, ehrenamtlichen Suchmethode zu beteiligen ist groß. Kein Landwirt hat und wird je mit böser Absicht ein Rehkitz mit dem Mähwerk verletzen.

Können Sie noch aktive Helfer brauchen und welche Voraussetzungen müssen diese mitbringen?

Kranz: Der Verein ist auf der Suche nach aktiven Helfern für die Suche und auch nach Drohnenpiloten. Als Rehkitzretter sollte ich gerne in der Natur unterwegs sein und kein Problem mit frühem Aufstehen haben. Wir starten unsere Einsätze bei entsprechendem Mähwetter mit Beginn der morgendlichen Dämmerung.

Auch aus Versicherungsgründen ist eine Mitgliedschaft in unserem Verein erforderlich, um Teil des Kitzretterteams zu werden. Die Mitgliedschaft kostet 60 Euro im Jahr. Der Beitrag fließt komplett in den Betrieb der Drohnen.

Findet die Suche immer unmittelbar vor dem Start des Mähens statt?

Kranz: Ja, die Suche muss immer unmittelbar davor stattfinden. Hier ist eine optimale Abstimmung zwischen den Landwirten, dem Jäger und uns erforderlich.

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