Von Geburt an gehörlos

Bei Galileo: Florian Eberl aus Bad Aibling ist taub - sein Leben in einer Welt der Stille

Florian Eberl ist von Geburt an taub. Die Bildkombo links zeigt eine Gehörlose, die die Zeichen für „Ich brauche Hilfe“ ausführt.
+
Florian Eberl ist von Geburt an taub. Die Bildkombo links zeigt eine Gehörlose, die die Zeichen für „Ich brauche Hilfe“ ausführt.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
    schließen

Florian Eberl (39) ist taub und liest seinen Mitmenschen von den Lippen ab. Jetzt zeigt das Wissensmagazin „Galileo“ in einem Beitrag seinen Alltag. Was man in Bad Aibling noch verbessern kann, wie er derzeit seine Mitmenschen mit Masken und welches bairische Wort er sofort versteht, lesen Sie hier.

Update 7.10.:

Finden Sie hier die ganze Sendung zum Nachsehen!

6.10.2020:

Bad Aibling – Florian Eberl (39) ist taub – seine Mutter erkrankte in der Schwangerschaft an Röteln. Das hatte die Taubheit ihres Sohnes zur Folge. Eberl hört nichts – nicht den kleinsten Pieps. Dennoch: „Die Vibration von lauter Musik nehme ich wahr, so kann ich mir ungefähr vorstellen, wie Musik für Hörende klingen mag. Daher war ein Diskobesuch in den Jugendjahren sehr besonders.“ Da denkt man unweigerlich an Herbert Grönemeyers „Musik nur wenn sie laut ist“. Jetzt hat das Wissensmagazin „Galileo“ den Logistikmitarbeiter zwei Tage begleitet und berichtet über seinen Alltag als Gehörloser (Dienstag, 6. Oktober, ab 19.05 Uhr, ProSieben). Wie es sich als Gehörloser in Bad Aibling lebt, was verbessert werden könnte und ob er Bairisch auch von den Lippen ablesen kann, verrät Eberl im Interview.

Herr Eberl, wie kam es denn, dass Sie für den Beitrag ausgewählt wurden?

Florian Eberl: Es gab von Galileo eine Anfrage an den „Gehörlosenverband München Umland“ wer Interesse hätte, sich für einen TV-Beitrag zur Verfügung zu stellen. Ich habe mich auf diese Anfrage hin gemeldet.

Masken erschweren für Florian Eberl die Kommunikation: „Ich muss mir mit Deuten weiterhelfen.“

Und dann hat es geklappt. Wie waren die TV-Aufnahmen?

Eberl: Wir hatten tolle und verschiedene Drehorte, sechs Stück. Ich hatte stets eine Dolmetscherin an meiner Seite, die mir genaue Anweisungen geben konnte. Den Zuschauern wird so bewusst, wie schwierig der Alltag für Gehörlose in Corona-Zeiten sein kann.

Alle tragen im Alltag Masken, das ist hinderlich für Ihre Kommunikation, oder?

Eberl: Durch das Tragen der Maske kann ich nur schlecht kommunizieren und muss mir mit Deuten helfen. Eine solche Situation gab es beim Metzger, hier habe ich am Ende gedeutet und per Handzeichen meine Bestellung aufgegeben.

Lesen Sie auch: Sie leiht Gehörlosen ihre Stimme

Ist Bad Aibling eine Kommune, die sich auf taube Menschen eingestellt hat?

Eberl: Hier besteht Verbesserungsbedarf, zum Beispiel bei Amtsgängen wäre es hilfreich, wenn das Personal speziell geschult werden würde. Einfach darauf achten, dass die Mimik deutlich ist und ich gut von den Lippen ablesen könnte. Die Lippen müssen langsam und deutlich bewegt werden, um alles zu verstehen.

Was könnte eine Kommune Ihrer Meinung nach besser machen?

Eberl: Im Grunde bin ich zufrieden. Ich bin ein großer Film-Fan und gehe gerne ins Kino. Es wäre toll, wenn es einen Abend gäbe, wo Kinofilme mit Untertitel laufen, dann könnte, ich diese besser verstehen.

Wie kann man sich als hörender Menschen am besten einen tauben Menschen gegenüber verhalten?

Eberl: Am besten langsam sprechen und notfalls per Smartphone eine kurze Nachricht tippen. In Gefahrensituationen am besten deutlich per Handzeichen und Lichtsignalen warnen.

Verstehen Sie auch Bairisch?

Eberl: Ich komme zwar aus Bayern, aber die Worte kann ich nur schwer verstehen, weil viele Buchstaben verschluckt werden, aber das Prosit auf dem Herbstfest verstehe ich natürlich. Mit dem Hörgeschädigtenverein Rosenheim besuche ich jedes Jahr das Herbstfest, leider muss es heuer coronabedingt ausfallen.

Wie kommt Ihr Umfeld mit Ihrer Taubheit zurecht?

Eberl: Alle bemühen sich, mich in den Schwierigkeiten des Alltags zu unterstützen, zum Beispiel bei Arztbesuchen, Amtsgängen oder Briefverkehr hilft mir meine Familie. Ich muss mich in Geduld üben, da nicht jeder sofort Zeit hat, aber ich bin dankbar, dass sie mir helfen.

Kommentare