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Naturschutz unter Wasser

Rettung für den „Steckerlfisch“ in Bad Aibling

Und ab! Bernhard Goretzki vom Kreisfischereiverein Bad Aibling setzt mithilfe eines Eimers unzählige kleine Nasen in die Mangfall.
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Und ab! Bernhard Goretzki vom Kreisfischereiverein Bad Aibling setzt mithilfe eines Eimers unzählige kleine Nasen in die Mangfall.
  • Ines Weinzierl
    VonInes Weinzierl
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Hilfsaktion an der Mangfall – Kreisfischereiverein Aibling hilft bedrohter Fischart. Wie der Verein das macht, wie oft im Jahr und welche Arten noch bedroht sind, erklärt Vorsitzende Helmut Maurer.

Bad Aibling – Nasen-Nachwuchs für die Mangfall: Die Fischer des Kreisfischereivereins Bad Aibling haben jetzt 10 000 Nasenbrütlinge in der Mangfall eingesetzt. Denn die Nasen sind rar: Diese unscheinbare Fischart mit der typischen nasenförmigen Schnauze war früher in den Alpenflüssen ein weit verbreiteter Flossenträger, der in Massen vorkam. Namen wie „Nasenbach“ etwa zeugen heute noch davon. Bis in die 50er-Jahre handelte es sich bei einem Steckerlfisch meist um die Nase – heute wird meist Makrele oder Forelle serviert.

Bestände brechen zusammen

In den letzten Jahrzehnten sind die Bestände vielerorts zusammengebrochen oder gar ganz verschwunden, so der Verein. Die Gründe sind vielfältig: Gewässerverbauung, Verschwinden von Laichplätzen, Verschlammung und Gewässerverschmutzung sowie ein hoher Fraßdruck durch Räuber. „Auch in der Mangfall steht diese bedrohte Tierart kurz vor dem Aussterben.“ Um das zu Verhindern, war jetzt der Bezirksfischereivereins Bad Aibling aktiv.

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„Die Nase ist eigentlich kein dankbarer Angelfisch, sie hat viele Gräten hat und frisst überwiegend Algen“, erläutert der Vereinsvorstand Helmut Maurer. „Wir setzen diese Brütlinge eher vom Naturschutzgedanken her, weil diese Fischart einfach zur Mangfall gehört.“ Die Gewässerwarte des Kreisfischereivereins betonen, dass viel Erfahrung und Mühe notwendig ist, wenn der Besatz erfolgreich sein soll. „Wichtig ist es, den richtigen Gewässerabschnitt auszuwählen und auf die Wassertemperatur zu achten“, erläutert Gewässerwart Anton Höß.

In zwei bis drei Jahren geschlechtsreif

Falls alles gut geht, werden die kleinen Nasen in zwei bis drei Jahren geschlechtsreif sein und sich selbst fortpflanzen können. „Bis auf Weiteres werden die Nasen geschützt und dürfen nicht befischt werden. Erst wenn wir wieder einen stabilen Bestand haben, kann sich das ändern“, so Johann Bernpaintner, Zweiter Gewässerwart, dem seine Fische sichtlich am Herzen liegen.

„Angeln ist eben nicht nur Fische aus dem Gewässer zu ziehen, sondern sich auch für die Natur und den Gewässerschutz einzusetzen. Leider sehen viele Menschen nicht, was unter Wasser los ist.“

Der Kreisfischereiverein bewirtschaftet nicht nur die Mangfall, sondern auch mehrere Baggerweiher in Högling, die Glonn bei Beyharting, den Mühlbach in Bad Aibling und den Weiher in Unterlaus. Neben den Bemühungen um die Rückkehr des „Steckerlfisch“ wurden außer den üblichen Besatzfischen in der letzten Zeit auch schon Renken und Bachforellenbrut sowie bedrohte Kleinfischarten ausgesetzt, um die natürlichen Bestände zu stärken.

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Vorsitzender Helmut Maurer: „Die Äsche ist bis auf kleinere Bestände fast völlig verschwunden“

Mehrmals im Jahr setzen die Mitglieder des Bezirksfischereivereins Bad Aibling Fischnachwuchs aus, der aus Zuchtbetrieben stammt. Welche Arten noch bedroht sind, verrät Vereinsvorsitzender Helmut Maurer im Interview.

Herr Maurer, warum werden ausgerechnet Nasen ausgesetzt?

Helmut Maurer: Die Nasen gehören zum typischen Artenkatalog der oberbayerischen Flüsse, wie der Mangfall. Nach der Regulierung vieler Flüsse durch Besiedelung, sind die Bestände stark zurückgegangen und vielerorts völlig verschwunden. Das Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten, der Landesverband für Fischerei und die örtlichen Fischereivereine bemühen sich seit Jahren um die Wiederansiedlung der Nasen zur Wiederherstellung der typischen Fischfauna in unserer Region.

Regenbodenforelle ein Zuwanderer

Setzen Sie auch andere Arten in der Mangfall aus?

Maurer: In der Regel werden Bachforellen als typischer Edelfisch unserer Region ausgesetzt, sowohl als fangfähiger Zuchtfisch, als auch als Besatz mit Forelleneiern und bereits geschlüpften Forellenlarven. Das hat den Vorteil, dass diese Fische in der Mangfall aufwachsen, sich an die Lebensbedingungen anpassen können und im besten Sinne wieder auswildern. Außerdem besetzen wir mit der robusten Regenbogenforelle. Sie ist übrigens kein einheimischer Fisch, sondern Ende des 19. Jahrhunderts aus fischereiwirtschaftlichen Gründen aus den USA „eingebürgert“ wurde.

Sind weitere Arten in der Mangfall bedroht?

Maurer: Die Äsche ist bis auf kleinere Bestände fast völlig verschwunden. Diese Art wäre für die Mangfall im Bereich Feldkirchen-Westerham/Bruckmühl eigentlich der namensgebende Leitfisch. Durch Wassererwärmung im Sommer, Verbauungen, Fischjäger, wie Kormoran, Gänsesäger und Fischotter, ist sie aber nicht nur bei uns, sondern in ganz Bayern in ihren Beständen bedroht. Unter anderem ist ein Besatz mit Äschen ist teuer und mit hohen Verlustraten verbunden.

Aktion dreimal im Jahr

Wie oft macht Ihr Verein solche Aktionen?

Maurer: Der jährlicher Besatz mit fangfähigen Fischen findet im Frühjahr, Frühsommer und Herbst statt, verbunden mit der vorgeschriebenen Gewässersperre für den Fischfang. Dies dient dem Bestandschutz und Artenaufbau. Das Ziel ist, eine natürliche Artenvielfalt zu erhalten, beziehungsweise wiederherzustellen.

Wie viele werden von den 10000 Nasen überleben?

Maurer: Das ist schwer einzuschätzen. Es gibt natürlich eine hohe Verlustquote. Bei der natürlichen Vermehrung gibt jeder weibliche Fisch tausende von Eiern ab. Sowohl der Laich, als auch die Larven und sich später entwickelnden Kleinfische dienen anderen Fischen und Wasserinsekten als Nahrung. Davor macht auch die eigene Art nicht halt. Kannibalismus ist für die Lebenswelt der Gewässer typisch. Wir sind froh, wenn es einige dutzend Fische schaffen, laichfähig zu werden und einen neuen Mangfallstamm zu bilden.

Wie haben sich die vermeintlich befürchteten Niedrigwasserstände wegen des Hochwasserschutzes auf die Bestände ausgewirkt?

Maurer: Das Problem ist die Kombination aus Niedrigwasser und hoher Temperatur. Dieses Problem hat durch den Klimawandel und die Verbauungsmaßnahmen durch das Wasserwirtschaftsamt erheblich zugelegt. Die Mangfallabschnitte, die jetzt mit großen Flussbausteinen ausgelegt sind, verbessern zwar die Durchlässigkeit für Fische, heizen aber den Fluss zusätzlich auf. Die Uferbereiche bräuchten Wiederaufforstung mit hohen, schattengebenden Bäumen und Sträuchern. Die aktuelle Situation ist Stress pur, insbesondere für Äschen und Bachforellen, die kühles, sauerstoffreiches Wasser brauchen. Hier muss der Verein auch deutliche Kritik an den Baumaßnahmen des Wasserwirtschaftsamtes üben, bemüht sich aber um konstruktive Gespräche zur Verbesserung der Maßnahmen.

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