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Potenzieller Standort hat empfindliche Vorgeschichte

Ein Porschezentrum für Bad Aibling? Warum der Vorschlag zu heftigen Diskussionen führt

Zwei Männer laufen in Stuttgart an einem Porschezentrum entlang. Könnte ein solches Zentrum bald auch in Bad Aibling errichtet werden?
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Zwei Männer laufen in Stuttgart an einem Porschezentrum entlang. Könnte ein solches Zentrum bald auch in Bad Aibling errichtet werden?
  • VonNicolas Bettinger
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Porsche will ein Zentrum in Bad Aibling errichten und trifft dabei auf massiven Widerstand. Warum das Unternehmen den Standort in Erwägung zieht und warum der Plan sensible Erinnerungen weckt.

Bad Aibling – „Wir wissen, dass dieses Gelände seine Vorgeschichte hat“, betonte Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier gleich zu Beginn. Während der Sitzung des Ausschusses für Klimaschutz, Stadtentwicklung und Gesamtverkehrsplanung befasste sich das Gremium mit einer heiklen Bauanfrage. Das Porschezentrum Inntal – mit einem Jahresumsatz von 45 Millionen Euro und 60 Mitarbeitern – sucht einen neuen Standort und möchte sich vorzugsweise in Bad Aibling ansiedeln. Genauer gesagt im Willinger Weitmoos, nördlich der A8.

Dabei geht es genau um die Fläche, welche vor über 20 Jahren von der Firma „Kathrein“ erworben wurde. Das Verfahren wurde damals nicht weiterverfolgt, da die Firma nicht bereit war, die Erschließungskosten zu tragen. Als einen „großen Erfolg“ bezeichnete der bayerische Bund Naturschutz damals die Verhinderung des geplanten Logistikzentrums im Willinger Weitmoos. Dabei wurde die geplante Ansiedlung – als „Keimzelle für weitere Ansiedlungen“ bezeichnet – abgewendet. Nun weckte die neue Bauanfrage von Porsche negative Erinnerungen im Ausschuss-Gremium.

Porsche: Grundstück besticht durch gute Lage an der Autobahn

„Wir kennen die Vorgeschichte nicht so gut, aber wissen natürlich, dass es eine Vergangenheit auf dem Gelände gibt“, sagte Manuel Egginger, Geschäftsführer beim Porsche-Zentrum Inntal während der Sitzung. Er stellte dem Gremium die ersten Pläne vor, die „noch ganz am Anfang“ stünden. Ziel sei es, so Egginger, neben dem Neubau des Autohauses mit neun Werkstattarbeitsplätzen und einem „Showroom“, einen Pendlerparkplatz mit E-Lademöglichkeiten für elf Fahrzeuge zu errichten.

„Ich habe das hier gelesen und gedacht, das gibt es doch nicht.“

Stadträtin Katharina Dietel (Grüne)

„Uns ist hierbei die Nachhaltigkeit besonders wichtig“, erklärte der Geschäftsführer, der gerne gemeinsam mit der Stadt ein „Infrastrukturzentrum mit Fokus auf den Ladepark“ erschaffen würde. Das rund 10.000 Quadratmeter große Grundstück besteche durch seine gute Lage an der Autobahn. Am potenziellen Standort in Bad Aibling würde so eines von insgesamt nur knapp über 80 Porschezentren in ganz Deutschland stehen.

Die Karte zeigt das potenzielle Porsche-Areal neben der A8 in der Willinger Weitmoos.

Doch mit diesen Vorstellungen stieß Porsche im Ausschuss auf wenig Zuneigung. „Ich habe das hier gelesen und gedacht, das gibt es doch nicht“, sagte Katharina Dietel (Grüne). Schon vor 20 Jahren habe es viele Probleme gegeben, etwa mit der Erschließung, dem Landschaftsbild und dem damit einhergehenden Schaden für den Tourismus. „Ich sehe keinen Grund, warum wir es jetzt plötzlich zulassen sollen“, so Dietel. Damals habe man die Ansiedelung mit „viel Aufwand zum Glück“ verhindert.

Ähnlich sah es CSU-Stadtrat Johann Schweiger. Er sei generell dagegen, „dass man landwirtschaftliche Flächen angreift“. Eine solche Ansiedelung sei nur der „Türöffner“ für weitere. Auch Anita Fuchs (Grüne) hätte das Fass lieber nicht wieder aufgemacht. „Ich halte es für undenkbar, dass wir in der heutigen Zeit solche Flächen angreifen“, so Fuchs. Geschäftsführer Manuel Egginger zeigte für diese Sicht der Dinge grundsätzlich Verständnis.

Wie entscheiden die Stadträte über die Bauanfrage?

„Ich gebe Ihnen recht, jede Wiese, die versiegelt wird, ist weg.“ Man spreche sich grundsätzlich gegen „Massenversiegelung“ aus und sei durchaus dazu bereit, auch mit einem kleineren Grundstück zu planen. Man wolle den „Flächenfraß“ verhindern und das Thema Ausgleichsflächen ernst nehmen. Anita Fuchs verwies dennoch auf den damaligen Bürgerentscheid, auf die „haarige Situation, die die Gesellschaft gespaltet hatte“. Das wolle man nicht noch einmal erleben. Auch Thomas Höllmüller (CSU) sprach sich klar gegen das Bauvorhaben aus.

Der mögliche Porsche-Standort mit Blickrichtung Südwest Richtung Autobahn.

Letzlich lehnte das Gremium des Ausschusses für Klimaschutz, Stadtentwicklung und Gesamtverkehrsplanung die Bauanfrage einstimmig ab und empiehlt somit gleiches dem Stadtrat, der sich am 28. April mit dem Thema befassen wird. Auch wenn die endgültige Entscheidung also noch nicht getroffen wurde, sei das Stimmungsbild eindeutig, teilte Bürgermeister Schlier auf Nachfrage des Mangfall-Boten mit. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre der Porsche-Standort sicherlich ein „attraktiver Betrieb“ für die Stadt, auch was die Gewerbesteuereinnahmen angeht. Ändern wird diese Feststellung allerdings aller Voraussicht nach nichts.

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