Entscheidung im Stadtrat

Antrag von Petra Keitz-Dimpflmeier: Bad Aibling nimmt Waldkindergarten mit ins Angebot auf

Erde und Stöckchen statt Puppen und Lego: Im Waldkindergarten gibt es individuelles Spielzeug in Hülle und Fülle.
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Erde und Stöckchen statt Puppen und Lego: Im Waldkindergarten gibt es individuelles Spielzeug in Hülle und Fülle.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Ein Waldkindergarten steht nun definitiv auch auf der Agenda der Stadt Bad Aibling. Einstimmig beschloss der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung, die Möglichkeit einer solchen Betreuungsstätte beim künftigen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen zu berücksichtigen.

Bad Aibling – Beantragt hatte dies die Referentin für Schule und Kindertagesstätten, Petra Keitz-Dimpflmeier (SPD). In einem Waldkindergarten – gedacht ist an ein eingruppiges Modell – können sich Kinder zwischen drei und sechs Jahren täglich und bei jedem Wetter in der Natur aufhalten. Als Schutz vor extremer Witterung, etwa bei Gewitter, Sturm oder Waldschäden soll eine Schutzhütte dienen.

Bei schlechtem Wetter ab in den Bauwagen

Wie Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) erläuterte, würden sich die Personalkosten „wie bei jedem anderen Kindergarten auch, nach dem Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) richten. Für extreme Wetterlagen sei eine Schutzhütte beziehungsweise ein Bauwagen erforderlich. Die Anschaffungskosten bezifferte die Verwaltung mit 60 000 bis 80 000 Euro, die Erstausstattung mit 10 000 Euro. „Auch muss eine gewisse Anfahrbahrkeit gewährleistet sein“, so Schlier, der erklärte, dass wohl circa 20 Mal im Jahr auf einen Notraum – „zum Beispiel durch eine Teilung einer Hallenbelegung mit Schulen – ausgewichen werden muss.

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In seinen Augen ist ein Waldkindergarten ein weiterer Mosaikstein in der Vielfalt der Kinderbetreuungsangebote im Stadtgebiet. Als Zusatzangebot stelle dies eine Bereicherung dar, wobei ihm jedoch wichtig sei, dass niemand „gezwungen“ werde, von einer konventionellen in eine Waldkindertagesstätte zu wechseln.

Petra Keitz-Dimpflmeier betonte, dass ein Waldkindergarten durchaus auch ein Prestigemodell für Bad Aibling sein könne und sie auf eine zeitnahe Umsetzung hoffe. In ihren Augen ist allerdings nicht jeder der von der Stadt genannten Standorte (Stürzer-, Hofmühl- oder Ulmenstraße, Am Kreuth, Schwimmbad-, Ghersburg-, Kampenwandstraße oder Madaustraße) dafür geeignet. Ihr fehlten Anpachtmöglichkeiten für fußläufig gut erreichbare Flächen.

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Auch Andreas Winhart (AfD) stellt die Frage, inwiefern die genannten Standorte die Richtigen seien: „Dort würde es sich eher um einen Freiluft- oder Wiesen-, aber nicht um einen Waldindergarten handeln.“ Das Thema liege aber in jedem Fall im Trend, ein gewisser Bedarf sei vorhanden und so solle sich auch Bad Aibling einem solchen Angebot nicht verschließen.

„Muss nicht mitten im Wald sein“

Martin Haas von städtischen Ordnungsamt merkte hierzu an, es sei nicht grundsätzlich angedacht, dass die Einrichtung selbst direkt im Wald angesiedelt ist, sondern etwa 300 bis 400 Meter entfernt. Die Kinder soltlen den Tag aber dann im Wald verbringen.

CSU-Rat Thomas Höllmüller sieht in einem Waldkindergarten nicht nur eine Ergänzung, sondern eine „absolute Bereicherung“ für das Betreuungsangebot und empfahl seinen Ratskollegen, sich den Wald- und Naturkindergarten Mangfalltal der Gemeinde Feldkirchen-Westerham anzuschauen. „Für mich ist das ein Traum, wenn man so etwas verwirklicht. Wir sollten das unbedingt und möglichst schnell machen.“ Dass ein Bauwagen 80 000 Euro kosten soll, konnte er sich indes nicht vorstellen.

Wo das Dickicht zur Räuberhöhle wird

Die Referentin für Schule und Kindertagesstätten, Petra Keitz-Dimpflmeier, hatte unter anderem auch vorgeschlagen, dass der Waldkindergarten unter einer bewährten Trägerschaft durch die Kindertagesstätte NANO GmbH, die bereits entsprechende Einrichtungen in Tuntenhausen und Großkarolinenfeld betreibt, eröffnet werden könnte. Der Waldkindergarten NANO betreut, wie Bürgermeister Stephan Schlier nach einer dortigen Anfrage berichtete, in der Regel eine Gruppe mit 25 Kindern ab drei Jahren bis zum Schulbeginn durch pädagogische Fachkräfte. Kinder könnten während des gesamten Jahres angemeldet und aufgenommen werden, sofern freie Kapazitäten vorhanden sind. Im Naturraum bestimme das Kind selbst, was, wann, mit welcher Sinngebung und für welchen Zeitraum zum Gegenstand seines Interesses wird.

Der Stock als Kochlöffel oder Feuerwehschlauch

„Der Stock wird vom Kochlöffel zum Messer, zur Flöte, Kanone, Feuerwehrschlauch und Besen, das Dickicht zur Wohnung, zum Krankenhaus, zur Räuberhöhle oder zum Schiff.“ Es gebe keine Vorgaben bei der Aufteilung des Raumes, keine Bau-, Puppen-, Bastelecke, stattdessen Hügel, Mulden, Baumstamm, Dickicht, Sonnen-und Schattenplätze, Matsch, Pfützen, Eis und Moos, die immer wieder neu als Spielort definiert werden könnten. Außerdem liegen dem Träger nach eigenen Angaben Integration und Inklusion sehr am Herzen. Der Waldkindergarten NANO sei eine Einrichtung nach dem BayKiBiG und orientiere sich am Bayerischen Erziehungs-und Bildungsplan.

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