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„Wir müssen nochmal reden“

Ärger um Kurhaus-Betrieb in Bad Aibling: Nun melden sich Kurdirektor und Pächter zu Wort

Pächter Anton Forster (links) und Kurdirektor Thomas Jahn sprechen über die prekäre Lage, in der sich das Kurhaus derzeit befindet.
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Pächter Anton Forster (links) und Kurdirektor Thomas Jahn sprechen über die prekäre Lage, in der sich das Kurhaus derzeit befindet.
  • Nicolas Bettinger
    VonNicolas Bettinger
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Nachdem Aiblinger Vereine massive Kritik am Betrieb des Kurhauses übten, melden sich nun der Kurdirektor und erneut der Pächter zu Wort. Warum sie die Lage anders bewerten und wie es mit dem Kurhaus in Zukunft weitergehen könnte.

Bad Aibling – Die Kritik am Betrieb des Kurhauses in Bad Aibling sorgt weiter für Aufsehen. Zwei Vereine, die dort Veranstaltungen abhalten, hatten die Entwicklung des Betriebes sowie der Organisation von Events als „traurig“ bezeichnet. Aufgrund von großen Personalengpässen konnte der Pächter zahlreiche Leistungen nicht mehr anbieten, sodass die Vereine etwa Bewirtung, Ausschank der Getränke oder den Barbetrieb selber übernahmen.

Was sowohl Faschingsgilde als auch die Willinger Musi weniger positiv aufnahmen – „wir müssen fast alles selber machen“ –, betrachten Aibkur und Pächter vielmehr als faires Angebot gegenüber den Vereinen. „Wir müssen nochmal reden“, betonte deshalb nun Kurdirektor Thomas Jahn gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Wichtig sei in der allgemein angespannten Situation, sich jetzt nicht gegenseitig mit Anschuldigungen zu belasten. „Wir haben alle das Ziel, dass der Betrieb weitergeht und dass am Ende alle zufrieden sind.“

„Es macht keinen Sinn, es so anzubieten“

Denn auch wenn man es sich anders wünschen würde: „Es macht keinen Sinn, etwas anzubieten, das dann nicht zufriedenstellend umgesetzt werden kann“, erklärt Jahn die Probleme durch das fehlende Personal. So habe man derzeit schlicht nicht genug Arbeitskräfte, die größere Veranstaltungen im Kurhaus stemmen könnten. „Es hilft ja niemandem, wenn der Service nicht funktioniert, wenn der Gast ein kaltes Essen bekommt oder eine halbe Stunde auf sein Bier warten muss“, so Jahn.

„Wir haben uns lange Gedanken gemacht und die Stadt frühzeitig informiert, damit genug Zeit ist, eine Alternative zu finden.“

Pächter Anton Forster über die Kündigung des Pachtvertrages im Kurhaus

Da man die prekäre Lage offen und transparent kommuniziere, wollte man zusammen mit den Vereinen eine gute alternative Lösung finden, betont der Kurdirektor. Verwundert zeigt sich Jahn deshalb über die öffentliche Kritik. „Wir haben uns im Vorfeld zusammengesetzt und alles ausführlich besprochen.“ Dabei habe der Pächter der Faschingsgilde ein hochkomplexes Angebot unterbreitet und sei dem Verein preislich „sehr entgegengekommen“. So habe der Pächter etwa ohne Service-Kosten gekocht. Der Verein konnte die Preise für den Verkauf der Speisen und Getränke dann eigenständig gestalten. Auch die Getränke hätte der Verein selber mitbringen dürfen.

Pächter traurig: Kurhaus wie ein „Baby“ großgezogen

„Da wir uns offen und ehrlich zusammengesetzt hatten, waren wir auch der Meinung, dass für alle eine gute Lösung gefunden wurde“, sagt Jahn. Zudem hätte Bürgermeister Stephan Schlier der Faschingsgilde zugesichert, sich im Zweifelsfall zwecks eines finanziellen Zuschusses melden zu können. Denn dass man frühere Leistungen derzeit nicht anbieten könne und sich unfreiwillig in einer „Zwangslage“ befinde, bedauere nicht nur der Pächter, sondern auch Aibkur und Stadt. Doch warum gibt es derzeit überhaupt so große Probleme beim Kurhaus-Betrieb?

Klar ist: Der Pächter, die Forster GmbH, hat seinen Vertrag zum 30. Juni 2023 gekündigt. Mitinhaber Anton Forster bedauerte dies im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Nach reiflicher Überlegung habe man die Aibkur bereits vor über zehn Monaten über den Schritt informiert. „Das ist definitiv sehr schade, wir haben seit 2016 sehr viel Arbeit und Herzblut reingesteckt“, betont Forster, der traurig sei, das großgezogene „Baby“ nun zurückzulassen. „Wir haben uns lange Gedanken gemacht und die Stadt eben frühzeitig informiert, damit genug Zeit ist, eine Alternative zu finden“, so Forster.

Warum das Aiblinger Kurhaus so „komplex“ ist

Gründe für die Kündigung gebe es mehrere. Vor allem der extreme Personalmangel habe dem Pächter seit Ausbruch der Corona-Pandemie sehr zu schaffen gemacht. Viele Arbeitskräfte seien seitdem in andere Branchen abgewandert, arbeiteten nun etwa in Teilzeit oder hätten komplett umgeschult. Von diesem Personalengpass, so Jahn und Forster, seien mittlerweile neben der Gastronomie nahezu alle Branchen betroffen.

Hinzu kämen Inflation und die extremen Preissteigerungen bei Strom, Gas und Wasser. „Das ist irre“, sagt dazu Thomas Jahn und verweist auf die immer noch unklaren Regelungen in puncto Strom- und Gaspreisbremse. Dies mache es einem Pächter ungemein schwer und verlässliche Planung sei unmöglich. Das Kurhaus sei davon besonders stark betroffen, da es sich um ein „hochkomplexes Objekt“ handele. Große Säle, weite Wege und eine Einrichtung, die manchmal innerhalb von 24 Stunden „von links auf rechts umgestülpt werden muss.“ Bei einer Spanne von 200 bis 1200 Gästen sei eine Kalkulation für Veranstaltungen zumal extrem herausfordernd, erklärt Forster. Zudem erschwerend: Etwa für eine neue Küche, die den Betrieb deutlich effizienter machen könnte, säße das Geld derzeit auch nicht locker. All dies habe die Pächter letztlich in die Knie gezwungen.

„Wir suchen seit Monaten nach einem Nachfolger“

„Wir suchen seit Monaten nach einem Nachfolger“, betont Jahn. Man habe hierfür vieles in Bewegung gesetzt und bereits Gespräche mit möglichen Interessenten geführt. Bislang ohne Erfolg. Zwar ist der Kurdirektor sicher, irgendwann einen Nachfolgepächter zu finden. Skeptisch zeigt er sich jedoch, dass dies bis zum Sommer gelingt. „Im Moment sieht es so aus, dass dann das Haus an die Aibkur zurückfällt“, so Jahn. Man versuche sich personell so aufzustellen, um dann in jedem Fall etwa Hausmeister und Betriebsleitung selbst stellen zu können.

Gut möglich sei, dass man dann zunächst mit diversen Kooperationspartnern und Caterern zusammenarbeitet. Auch die jetzige Variante, bei der Vereine selbst zahlreiche Aufgaben übernehmen, sei denkbar. „Plan A“ bleibe aber ein neuer Pächter. Und eines macht Jahn klar: „Bad Aibling ohne Kurhaus ist nicht vorstellbar. Punkt.“ Es wird eine Lösung geben, zeigt sich Jahn „zu hundert Prozent sicher“. Das Haus und der Standort hätten es verdient. Er betont, dass die Forsters hervorragende Arbeit geleistet hätten und sich das Kurhaus bis zur Coronapandemie in einer wirtschaftlich sehr guten Lage befand. Nun, da man eigentlich wieder alles hochfahren könnte, erschwerten die besagten Bedingungen die Situation. Der Blick geht dennoch nach vorne. „Wir sind immerhin in der glücklichen Lage, dass die Buchungssituation für 2023 und 2024 wirklich gut aussieht.“

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