Nach schwerem Krebsleiden

Bad Aibling: Max Hollingers letzte Reise – Nachruf auf bekannten Busunternehmer

Hinter dem Steuer am Mikrofon: Max Hollinger auf einer seiner Reisen – hier waren er und die Reisegruppe auf der Rückfahrt von Cavaion nach Bad Aibling im Juni 2009.
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Hinter dem Steuer am Mikrofon: Max Hollinger auf einer seiner Reisen – hier waren er und die Reisegruppe auf der Rückfahrt von Cavaion nach Bad Aibling im Juni 2009.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Trauer um Max Hollinger: Der Busunternehmer aus Bad Aibling erliegt im Alter von 68 Jahren einem schweren Krebsleiden.

Bad Aibling – Die Nachricht vom Tod Max Hollingers hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Jeder Bad Aiblinger kannte Max Hollinger, den Macher, der am liebsten hinter dem Steuer seines Busses saß. Am 20. Oktober hat Hollinger im Alter von 68 Jahren seine letzte Reise angetreten – er erlag einer schweren Krebserkrankung. An seiner Seite waren die beiden Töchter Claudia Hollinger, Sylvia Helwig-Hollinger und die Mutter seiner Töchter Christa – „so hat er es sich gewünscht“.

Sein Beruf war sein Leben

Geboren wurde er 1952 in Bad Aibling. Nach der Schule absolvierte er eine KFZ-Ausbildung, dann trat er in den Bus-Betrieb seiner Eltern ein. „Sein Beruf war sein Leben“, sagen die beiden Töchter. „Ja, er hat immer gesagt: Beruf kommt von Berufung.“ Und wenn er nicht hinter dem Steuer eines Reise- oder des Schulbusses saß, dann stieg er in den Blaumann und werkelte leidenschaftlich an den Bussen in seiner Werkstatt. Als seine Töchter klein waren, standen sie im Mini-Blaumann an Papas Seite.

Er kannte jede Autobahn in Europa

Und ging es quer durch Europa, waren Claudia und Sylvia als Reisebegleiterinnen sehr oft an Bord. Aber das Mikro gab er nur ungern aus der Hand: „Er erzählte seinen Fahrgästen alles über die Historie der jeweiligen Länder – am liebsten hatte er die römische Geschichte.“ Da konnte er alles berichten und die Reisenden lauschten seinen Erzählungen. „Er kannte jede Autobahn in Europa“, so die Töchter.

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Aber Max Hollinger war auch in Asien, Nordafrika und Russland unterwegs. An eine Anekdote können sich die beiden noch gut erinnern: Kurz vor einer Reise nach Peking, brach er sich die Hand. Reise absagen? Das kam für Hollinger nicht infrage. Mit der eingegipsten rechten Hand und der Reisegruppe ging es per Flugzeug nach Asien. Ja er war ein Macher, sind sich die Töchter einig. Auf ganzer Linie. Gibt es nicht, gab es bei Max Hollinger nicht.

Töchter werden geboren

1979 lernte er auf einer seiner Busreisen Christa kennen, die er 1981 heiratete. 1981 und 1984 kamen die Töchter zur Welt. Und 1984 erhielt er den KFZ-Meisterbrief. 1991 folgte dann die eigene Selbstständigkeit gemeinsam mit der früheren Ehefrau Christa – sie haben das Unternehmen von seinen Eltern übernommen. Sie modernisierten und expandierten.

Einer der Gründerväter des Moorexpress‘

Und auch neben der Arbeit – seiner Berufung – engagierte sich Hollinger: Er war einer der Gründungsväter des Moorexpress‘, Gründungsmitglied der Aib-Kur und des Wirtschaftsforums. Vorsitzender Roland Bräger sagt: „Er hat vielen Menschen eine Freude bereitet, er hat die Menschen mobil gemacht und war immer präsent. Er war ein toller Unternehmer.“

2008 erhält Hollinger den Wirtschaftspreis

Und das erhielt er auch schriftlich: 2008 bekam er den Wirtschaftspreis. Eines seiner Lebenswerke realisierte er 2000: Da wurde die neue Betriebshalle auf dem Unternehmensgelände eingeweiht.

2016 dann die Diagnose Krebs. Nach einer schweren Operation rappelte er sich wieder auf. Er übergab den Staffelstab des Traditionsunternehmens an Tochter Claudia in die vierte Generation.

Mit Enkel Julian auf dem Rasenmäher-Bulldog

Seine Neugierde war dennoch ungebremst: Er reiste unter anderem nach Israel – „das war immer sein Traum“. 2017 kam sein erstes Enkelkind Julian zur Welt: Sobald Julian laufen konnte, saß er mit Opa auf dem Rasenmäher-Bulldog. „Dass Julian Fahrzeuge so liebt, hat ihn sehr gefreut“, sagt Tochter Sylvia. Der Krebs schien überwunden.

Ausflug noch am Kirtasonntag

Im Januar 2020 die schreckliche Nachricht: Es wurde wieder Krebs, an anderer Stelle, diagnostiziert. Im Februar reiste er mit seinen Töchtern nach Wien – „das war unsere letzte gemeinsame Reise“. Ein festes Ziel hatte er noch: Er wollte die Geburt seines zweiten Enkelkindes erleben – im Januar soll es soweit sein. Das hat er nicht mehr geschafft.

In der Welt zuhause – in Ellmosen daheim

Bis zu seinem Tod am 20. Oktober ist er gern Essen gegangen, hat mit seiner Männerrunde „Schafkopf“ gespielt und war aktiv. „Bis zuletzt hat er mit bemerkenswerter Stärke und Optimismus die Jahre seiner Krankheit geduldig und tapfer getragen.“ Am Kirtasonntag war er mit seinen Töchtern bis ins Chiemgau unterwegs. „,In der Welt zuhause, in Ellmosen daheim‘– das passt zu unserem Vater.“ Dort hat er auch seinen letzten Atemzug getan – im Kreise seiner Familie.

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