NACH LANGJÄHRIGER DEBATTE

Bad Aibling macht Weg frei für Lichtspielhaus: Baubeginn im Frühjahr 2022 möglich

Das Lichtspielhaus kann kommen. Bald entsteht hier im Zentrum von Bad Aibling ein neues Wohn- und Geschäftshaus.
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Bald enstetht hier im Zentrum von Bad Aibling ein neues Wohn- und Geschäftshaus.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Der Weg für das Projekt Lichtspielhaus ist nun endgütig frei. Nachdem der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung den Bebauungsplan „Kirchzeile West“ beschlossen hat, arbeitet der Investor „Werndl & Partner“ nun mit Nachdruck am Bauantrag, der noch heuer im Sommer eingereicht werden soll.

Bad Aibling – Läuft alles nach Plan, könnte im Frühjahr 2022 Baubeginn sein, wie Geschäftsführer Florian Eisner auf Anfrage unserer Zeitung erklärte.

Es war eine lange Strecke, die Investoren, Stadt und Bürgerschaft bis zu diesem Punkt zurückgelegt haben, seit dem die Pläne des Unternehmens für den ehemaligen Kinderland-Komplex inklusive Sebastianibräu bekannt wurden. Architektenwettbewerb, Bürgerentscheid, Stillstand, weitere heftige Debatten, runde Tische – letztlich mündete all dies in einem hart errungenen Kompromissvorschlag.

„Jahre des Streitens sind vorbei“

Mit „großer Erleichterung“ reagierte Eisner auf die finale Entscheidung. Die Jahre des Streitens und der schwierigen Diskussionen seien nun vorbei. Er würdigte vor allem das Engagement des früheren ÜWG-Stadtrats und Architekten Stefan Rossteuscher bei der Suche nach einem Kompromiss: „Das war wirklich ein Meisterstück, zwischen solch verhärteten Fronten zu vermitteln.“ Letztlich sei auf keiner der beiden Seiten jemand aufgesprungen und habe Hurra geschrien. Doch in Anbetracht dessen, wie weit man anfangs auseinander gelegen sei, werde man nun versuchen, die beste Lösung zu finden.

„Projekt soll unsere Visitenkarte sein“

Dabei gehe es ihm und Geschäftsführer Maximilian Werndl darum, auch als Kompromisslösung etwas zu schaffen, auf das man hinterher stolz sein kann: „Dieses Projekt ist unsere Visitenkarte für Bauvorhaben, die wir in Zukunft noch realisieren möchten. Also muss hier alles passen.“

„Es hätte auch anders kommen können“

Für Rossteuscher als Vermittler, der das Projekt seinen Worten zufolge ebenfalls durchaus kritisch hinterfragt hatte, war es wichtig, durch die Höhenabstufung zur Kirchzeile hin einen gangbaren Weg zu finden. „Denn es stand durchaus die Befürchtung im Raum, dass möglicherweise das Verwaltungsgericht entscheidet, dass nach dem ursprünglichen Entwurf gebaut werden darf, nachdem die Voranfrage bereits genehmigt war.“

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CSU-Fraktionssprecher und Dritter Bürgermeister Markus Stigloher begrüßt vor allem die Optik zum Marienplatz hin. Was die Gestaltung und die Fassade Richtung Kirchzeile angehe, so habe er Sorge, ob dies angesichts der vorgesehenen verschiedenen Abstufungen gut gelingt und die Optik aufgewertet wird.

In den Augen von Grünen-Sprecherin Martina Thalmayr wird der Kompromiss beiden Seiten gerecht. Sie selbst sei von Anfang an hinter dem Projekt gestanden und sei nun froh, dass die Planer Sicherheit haben. „Es wäre fatal gewesen, wenn sich an dieser Stelle nichts getan hätte. Ich bin sehr optimistisch, dass dort nun etwas Gutes passiert.“

„Entspricht nicht dem Bürgerwillen“

Das Projekt

Bei der Erarbeitung des Bauantrages für das Lichtspielhaus geht es nun um die Details – auch was die Optik, die Stellplätze, die Dachformen und vieles mehr angeht. Bis Sommer soll der Antrag laut „Werndl & Partner“ bei der Stadt eingereicht werden. Nach der Behandlung im Stadtrat befindet das Landratsamt als Genehmigungsbehörde darüber.

„Wir hoffen, dass die Baugenehmigung bis Ende des Jahres vorliegt und wir im Frühjahr 2022 mit dem Bau beginnen können“, so Geschäftsführer Florian Eisner. Geplant seien in dem Komplex 20 Wohnungen, zwei Läden im Erdgeschoss sowie eine Gewerbeeinheit im ersten Stock. Auch der Gastronomiebereich (Sebastiani) kommt laut Eisner wieder: „Wir planen hier bereits ganz intensiv mit Familie Stegmüller.“

Anders sieht es Florian Weber (BP): „Hier wird dem Bürger gesagt ,ätsch, ihr habt es zwar anders gewollt, aber wir machen es so, wie wir meinen.“ Er sprach sich ebenso mit Vehemenz gegen die Planung aus wie AfD-Rat Andreas Winhart („Man sollte ein Bürgerentscheid-Ergebnis nicht einfach aussitzen“). Schlier hielt entgegen, dass bei der Auslegung der Pläne keine einzige Stellungnahme seitens der Öffentlichkeit eingegangen sei. „Das zeigt, dass dem Bürgerwillen in Form der geänderten Planung Rechnung getragen wurde.“

Im Endeffekt sollte etwas vorangehen

Zweite Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG) und Fraktionssprecher Rudi Gebhart, erläuterten auf Nachfrage, die ÜWG sei dem Projekt grundsätzlich erst einmal kritisch gegenüber gestanden und habe das Bürgerbegehren (mitinitiiert von dem im vergangenen Jahr verstorbenen Ehrenvorsitzenden Max Regensburger) maßgeblich mit betreut. Nach vielen Diskussionen um einen Kompromiss sei man aber letztlich zum Schluss gekommen, dass es gut sei, etwas zu tun, um weiterzukommen.

„Mehrheitsfähiger und tragbarer Weg“

Auch wenn das Ergebnis aus dem Bürgerentscheid nun nicht 1:1 umgesetzt werde, sei man froh, dass ein mehrheitsfähiger, tragbarer Weg gefunden worden sei. An den Eigentümer richtet Hieble-Fritz den Appell, an dieser Stelle etwas „gewohnt Gutes und Innovatives hinzustellen“.

„Bindungswirkung wurde gezielt ausgesessen“

Richard Lechner, Sprecher der SPD-Fraktion, bezeichnete den Bebauungsplan gegenüber unserer Zeitung im Punkt Lichtspielhaus aus Sicht des Bürgerentscheids als unbefriedigend. „Aber dessen Bindungswirkung von einem Jahr wurde ja im Rathaus gezielt ausgesessen. Wenigstens wurde ein fairer Vertrag zu Grundstücksfragen abgeschlossen. Spannend wird die Gestaltung der Fassaden und die Lösung des Stellplatzproblems im Bauantrag für das Lichtspielhaus.“ ÖDP-Rätin Anna Maria Kirsch bedauert, dass nicht mehr Rücksicht auf die Architektur in der Umgebung genommen worden sei, so, wie es gerade am Beispiel Hofmühlstraße geschehe. „So etwas hätte ich mir gerade an dieser Stelle auch gewünscht.“

Nicht das erhoffte Ergebnis

Für Anwohnerin Evi Jahnke, die auch Mitglied in der Bürgerinitiative war, ist das Ergebnis auch nicht, das, was sie sich erhofft hatte. „Aber das ist Bad Aibling. Das Vorhaben ist definitiv zu hoch, doch wir konnten es nicht abwenden. Jetzt muss ich damit leben“, sagt sie und blickt der Großbaustelle mit Bangen entgegen. „Das wird für keinen lustig.“

Die Historie

Kernpunkt der Auseinandersetzungen um das Lichtspielhausprojekt war die Höhe des Gebäudes. Die Investoren hatten auf Wunsch des Stadtrates einen Architektenwettbewerb durchgeführt. Als der Siegerentwurf feststand, kam nicht nur in den kommunalpolitischen Gremien Kritik an der Höhe des Vorhabens auf. Auch in der Bevölkerung formierte sich Widerstand. Währenddessen hatte das Landratsamt Rosenheim den Bauvorbescheid jedoch bereits genehmigt. Eine Bürgerinitiative setzte dennoch ein Bürgerbegehren durch. Dieses endete am 2. Dezember 2018 in einer deutlichen Absage an die Pläne in der bis dato vorliegenden Form. Statt fünf Geschossen sollte der komplette Neubau nur noch drei umfassen. Die Pläne lagen daraufhin auf Eis.

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Im Mai 2019 bewegten sich beide Seiten aufeinander zu. Ein Kompromissvorschlag sollte gefunden werden. Als Vermittler wurde der Architekt und frühere ÜWG-Stadtrat Stefan Rossteuscher eingeschaltet. Mit ihm am runden Tisch gelang es im September 2019, sich einer Lösung anzunähern, die zum Marienplatz fünf und zur Kirchzeile hin drei Geschosse zuzulassen. Noch einmal flammte eine heftige Debatte um die zeitlichen Abläufe auf.

Denn Anfang Dezember 2019 endete die Bindungswirkung des Bürgerentscheids. Somit hätte der Investor wieder so bauen können, wie ursprünglich geplant. Vorwürfe wurden laut, das Projekt sei bewusst ausgesessen worden, die Stadt setze sich über den Bürgerwillen hinweg. Nach weiterem zähen Ringen dann die überraschend eindeutige Weichenstellung am 29. April 2020: Mit 22:2 Stimmen befürwortete der Stadtrat den Entwurf zum Bebauungsplan „Kirchzeile West“, den er nun in der jüngsten Sitzung mit 22:3 Stimmen mit klarer Mehrheit billigte.

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