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Zweite Chance für alte Drahtesel

Bad Aibling: Kreis Migration richtet alte Fahrräder her – Spenden erwünscht

Richard Püschner (links), Leiter der Fahrradwerkstatt des Kreis Migration, und Helfer Hajo von Oertzen haben schon viele gespendete Fahrräder für Migranten hergerichtet. Foto: Schmitz
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Richard Püschner (links), Leiter der Fahrradwerkstatt des Kreis Migration, und Helfer Hajo von Oertzen haben schon viele gespendete Fahrräder für Migranten hergerichtet.

Ein Auto ist ihr größer Traum, aber vorerst freuen sich die Asylbewerber über wieder hergerichtete Räder. Gemeinsam machen sie die Drahtesel, die gespendet wurden, wieder fahrtauglich.

Von Margit Schmitz

Bad Aibling – Richard Püschner ist froh: Nach dem monatelangen Lockdown kann der Leiter der Fahrradwerkstatt des Kreis Migration wieder die Fahrradwerkstatt öffnen. Wenn das Wetter mitspielt, trifft er sich am Freitagnachmittag mit einigen ehrenamtlichen Mitstreitern zwischen den Wohncontainern für Migranten an der Krankenhausstraße.

Unabhängig von Corona

Dort haben sie eine große abschließbaren Box aufgestellt, in der einige gespendete Fahrräder und eine inzwischen recht ansehnliche Sammlung an Werkzeug und diversen Ersatzteilen Platz finden. Repariert und hergerichtet wird im Freien – ganz unabhängig von Corona.

„Wir können eigentlich alles richten“

Wer von den Bewohnern ein Fahrrad benötigt, kommt freitags zur Fahrradwerkstatt und hofft, dass unter den von der Bevölkerung gespendeten Rädern ein passendes dabei ist. Dann richtet einer der freiwilligen Helfer das ausgesuchte Rad mit dem Empfänger gemeinsam her.

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„Mit Ausnahme von kaputten Tretlagern können wir eigentlich alles richten“, versichert Helfer Martin Lahme. Bei Bedarf werden auch passende Ersatzteile aus anderen Fahrrädern ausgebaut. Auf diese Weise entstanden teilweise aus bis zu 20 abgewirtschafteten Drahteseln fünf bis sechs fahrtüchtige Räder.

An diesem Freitag richtet Lahme zusammen mit einem Bewohner ein Kinderfahrrad her. Das gespendete Fahrrad ist zum Glück in einem ziemlich guten Zustand, so dass nicht allzu viel repariert werden muss. Es soll ein Geschenk für seinen Sohn zum dritten Geburtstag sein, erzählt der Flüchtling aus Afrika.

Größter Traum: Ein Auto

Püschner ist seit den Anfängen im Jahr 2015 Mitglied im Kreis Migration und betreibt zusammen mit fünf, sechs Männern die Fahrradwerkstatt. „Der Traum gerade der jungen Männer ist es schon, ein Auto zu kaufen, sobald sie es sich leisten können“, weiß er.

Radl für Männer sehr wichtig

Solange die Asylbewerber sich noch in Sprachunterricht oder Ausbildung befinden, können sie sich das aber nicht leisten, deshalb ist für sie das Fahrrad ein sehr wichtiges Mittel für Mobilität. Manch einer brauche sogar ein zweites Fahrrad, um in Bad Aibling zum Bahnhof und vom Zielbahnhof zur Arbeitsstelle zu kommen, erklärt Püschner.

Nachfrage nach Rädern gestiegen

Ein neues Fahrrad, auch wenn es nur 200 Euro koste, sei bei etwa 300 Euro Mindesteinkommen oder 500 Euro Lehrlingsgehalt ebenfalls kaum zu finanzieren. Deshalb habe es gerade in den ersten Monaten manchmal einen regelrechten Ansturm auf die Werkstatt gegeben, erinnert er sich.

Antony aus Afrika (Name von der Redaktion geändert) ist glücklich, dass er seinem Sohn zum dritten Geburtstag ein Fahrrad schenken kann.

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„Wir haben im Lauf der Jahre über 100 Fahrräder übergeben können“, so die Bilanz des Werkstattleiters. Es gebe weiterhin Bedarf an Fahrrädern, denn immer wieder kommen neue Bewohner in die Container, die für ein gebrauchtes Rad sehr dankbar seien, erklärt Püschner. Außerdem würden leider gerade hochwertigere Fahrräder auch immer wieder gestohlen, obwohl das Fahrradteam zu jedem Fahrrad auch ein Schloss ausgebe.

Werkeln auch bei Regen

An diesem regnerischen Freitag arbeitet Richard Püschner zusammen mit Hajo von Oertzen an einem Herrenfahrrad, das gerade erst gespendet wurde. Die beiden wissen noch nicht, wer es bekommen soll, denn diesmal sind keine weiteren Interessenten erschienen. Vielleicht liegt es am Wetter, doch die beiden Ruheständler, die ausnahmsweise allein werkeln, lassen sich von dem einsetzenden Regen nicht abschrecken.

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