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Aufsehenerregendes Quartett

Bad Aibling: Auf Ochsentour mit „Simmerl“ und „Bruno“

Magdalena (16) und Elias (8) starten mit ihren Schützlingen Simmerl und Bruno zum Spaziergang.
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Magdalena (16) und Elias (8) starten mit ihren Schützlingen Simmerl und Bruno zum Spaziergang.
  • VonJohann Baumann
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Wenn Magdalena und Elias Waldleitner aus Mietraching spazieren gehen, haben sie das „Gschau“, wie man auf Bairisch gerne sagt. Denn an der Leine führen sie keine Hunde aus, sondern zwei stattliche Jungochsen.

Bad Aibling/Mietraching – Im Duden wird der Begriff „Ochsentour“ mit „mühevoller, anstrengender Arbeit“ definiert. Nichts davon trifft auf Simmerl und Bruno vom „Glosenhof“ im Bad Aiblinger Ortsteil Mietraching zu. Die Jungochsen brechen mehrmals wöchentlich mit großer Freude zu ihren ausgiebigen Touren auf und sorgen bei Passanten für Staunen und Heiterkeit.

Mädi zur Hochzeit geschenkt bekommen

Hinter ihren Spaziergängen steckt eine besondere Geschichte. Vor gut 18 Jahren bekam das Mietrachinger Landwirte-Ehepaar Alois und Kathrin Waldleitner zu seiner Hochzeit ein Kalb geschenkt. Das tauften sie Mädi. Viele Jahre später gaben sie die Landwirtschaft auf und verkauften ihren Viehbestand, behielten aber ihre Mädi. Vor zweieinhalb Jahren stellten sie ihr einen Jungochsen namens Simmerl zur Seite, der eigentlich zum Mästen und zum späteren Verkauf bestimmt war.

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Simmerl bekommt aus der Hand von Magdalena ein Leckerli.

Tierische Freundschaft: Ein Herz und eine Seele

Die heute 16-jährige Tochter der Waldleitners, Magdalena, schloss den Simmerl jedoch von Anfang an tief ins Herz und rang ihren Eltern das Versprechen ab, das er für immer auf dem Hof bleiben darf. Diese „Bestandsgarantie“ geriet jedoch ernsthaft in Gefahr, als Mädi im Januar verstarb. Aus Trauer um seine geliebte Stallgenossin stellte Simmerl sofort jegliche Nahrungsaufnahme ein und schrie nur noch.

„Wir wussten uns keinen Rat mehr und wollten ihn schon weggeben“, schildert Kathrin Waldleitner. Da kam ihnen die Idee, den tieftraurigen Simmerl mit dem jetzt vier Monate alten Artgenossen Bruno aufzuheitern. der Versuch klappte: Simmerl (Jersey-Rasse) akzeptierte den neuen blutjungen Mitbewohner und die beiden wurden schnell ein Herz und eine Seele.

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Während sich Magdalena früher viel mit Mädi beschäftigte und mit Simmerl schon in dessen Anfängen gerne ausging, fand auch Bruno (Braunvieh-Rasse) bald großen Gefallen an den Spaziergängen. Um ihn kümmert sich voller Begeisterung Magdalenas achtjähriger Bruder Elias.

Die Ochsen-Teenies Simmerl (links) und Bruno zuhause in ihrem Stall.

„Mit dem Simmerl muss ich streng sein, er ist in den Flegeljahren und ich muss ihm seine Grenzen aufzeigen“, erklärt Magdalena. Doch er hat sich sehr an sie gewöhnt und folgt ihr letztlich aufs Wort. Unter ihrer Anleitung hat er inzwischen das Treppensteigen gelernt, geht rückwärts und im Kreis und springt sogar über kleine Hürden. Nach dem Training und nach Wanderungen gibt es für ihn ein obsthaltiges Leckerli, das er gelegentlich mit sanftem Hörnerdruck einfordert.

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„Er weiß genau, in welcher Tasche ich die Leckerlis habe“, berichtet seine Betreuerin. Allzu gerne würde er auch mit den Hühnern spielen, aber die nehmen Reißaus. „Einmal hat er sich sogar mit einem großen Gymnastikball beschäftigt, doch der ist bald geplatzt“, erinnert sich Magdalena.

Die Spaziergänge, ob mit Simmerl alleine oder zusammen mit Bruno, dauern unterschiedlich lang – von einer halben Stunde bis zu zwei Stunden. „Einmal waren Simmerl und ich gar drei Stunden unterwegs, aber da war er dann doch ziemlich geschlaucht“, erzählt die Realschülerin. Auf den Ausflügen, die beispielsweise Richtung Heimatsberg oder Holzhausen führen, wird sie oft von Leuten angesprochen.

Bürger, die dem Quartett begegnen sind begeistert

„Toll, dass sich ein Tier so bewegen darf“ oder „So etwas habe ich noch nie gesehen“ lauten die Kommentare der Passanten, oder auch: „Ist das Tier ausgekommen?“ Doch der Simmerl denkt nicht einmal im Traum an eine Flucht – zu wohl fühlt er sich in seinem Stall mit seinem Gefährten Bruno und dem Betreuerstab Magdalena und Elias, der die beiden Ochsen liebevoll umsorgt.

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