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Ärger um den Moor-Express

„Kein Bus weit und breit“ - Wie sich eine Seniorin aus Bad Aibling mit der Stadt anlegt

Helga Weber aus Bad Aibling kritisiert die Stadt, da die Busverbindung nicht überall gleich gut ist.
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Helga Weber aus Bad Aibling kritisiert die Stadt, da die Busverbindung nicht überall gleich gut ist.
  • VonNicolas Bettinger
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Helga Weber (85) würde gerne Bus fahren, fühlt sich aber als „vergessene Bürgerin“. Warum sie die Stadt wegen des Moor-Express kritisiert und wie der Bürgermeister - trotz ÖPNV-Plänen - darauf reagiert.

Bad Aibling – „Gleiches Recht für alle“, fordert Helga Weber. Die 85-Jährige lebt in der Madau in Bad Aibling und ist unzufrieden. Seit Jahresbeginn hat die Seniorin entschieden, das Autofahren aufzugeben und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Denn mit steigendem Alter, weiß Weber, werde man natürlich nicht sicherer beim Autofahren. Ihre Augen machen ihr zu schaffen. Allerdings hat sie sich den Umstieg auf andere Fortbewegungsmittel deutlich einfacher vorgestellt.

„Ich sehe hier weit und breit keinen Bus.“ Die Anbindung an eine Buslinie sei in ihrer Gegend nicht gegeben. Gerade die eingeschränkte Route des Moor-Express, der neben Patienten und Kurgästen mit Kurkarte auch für Senioren ab 65 Jahren kostenlos ist, schließe zahlreiche Menschen aus den Randgebieten einfach aus, beklagt Weber.

Sie will nicht falsch verstanden werden, lebt gerne in Bad Aibling und möchte beileibe nicht alles schlecht reden. „Aber in diesem Fall fühle ich mich als vergessene Bürgerin und das geht vielen anderen auch so.“ Wenn die Stadt ein solches Angebot habe, dann müsse dieses allen Bürgern gleichermaßen zur Verfügung stehen.

Denn Bedarf hätten natürlich auch die Bewohner der Madau, nicht nur die Menschen mitten in der Stadt. „Ich muss öfter mal zur Bank, möchte mal in ein Café gehen oder ich habe einen Zahnarzttermin“, zählt Weber einiges auf, wofür sie gerne in den Bus steigen würde. Früher, so die 85-Jährige, hätte man noch Lebensmittel oder Bäckerwaren um die Ecke bekommen. Heute gebe es nichts mehr und man müsse für nahezu alles in die Stadt fahren.

Der Moor-Express steht an der Bushaltestelle bei der Therme in Bad Aibling. Laut Busfahrer sei die Linie bei widrigem Wetter schwach frequentiert.

Helga Weber hat sich mit ihrem Anliegen bereits mehrmals an Bürgermeister Stephan Schlier sowie den Seniorenbeauftragten Dieter Bräunlich (ÜWG) gewendet. Bisher erfolglos. Sie wolle sich jedoch nicht mit der Begründung zufriedengeben, wonach eine weitere Buslinie für die Madau schlicht zu teuer für die Stadt sei. „Ich verlange ja nichts Unmögliches, der Bus muss ja auch nicht jede Stunde fahren“, sagt Weber. Die Tatsache aber, dass Menschen wie sie, die womöglich auf einen Rollator angewiesen sind und die keine vernünftige Anbindung an eine Buslinie haben, will sie nicht akzeptieren. Doch was sagt eigentlich die Stadt dazu?

Bürgermeister Stephan Schlier glaubt nicht an Bedarf in Madau

Auf Nachfrage des Mangfall-Boten betont Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier, dass man sich der Problematik bewusst sei. „Zunächst mal muss man sagen, dass die erste Linie historisch bedingt entstanden ist, als touristische Linie, die Hotels und Kureinrichtungen verbindet“, so Schlier. In der Vergangenheit habe es immer wieder zahlreiche Überlegungen zu einer zweiten Linie gegeben. „Diese waren im Stadtrat allerdings nicht mehrheitsfähig“, sagt Schlier.

Allerdings bezweifelt der Rathauschef auch, dass eine zusätzliche Linie des Moor-Express durch die Madau stark frequentiert würde. Dagegen sprächen Erfahrungen aus der Zeit der Neugestaltung rund um den Marienplatz vor einigen Jahren, als der Moor-Express übergangsweise eine alternative Route fuhr, die der von Helga Weber geforderten sehr nahe gekommen sei. „Diese Route hat gezeigt, dass die Linie nicht gut frequentiert war“, sagt Schlier.

 „Ich verlange ja nichts Unmögliches, der Bus muss ja auch nicht jede Stunde fahren.“

Helga Weber, Seniorin aus Bad Aibling

Der Ansatz sei deshalb, vermehrt auf die Seniorentaxis – „mehr oder weniger Freifahrten mit Zuzahlung“ – zu setzen. Hierfür gilt: Jeder Bürger ab 70 Jahren darf acht Fahrten im Monat für jeweils vier Euro in Anspruch nehmen. Doch für Helga Weber ist das kein adäquater Ersatz. „Acht Euro für eine Fahrt, also hin und zurück, kann sich auch nicht jeder leisten“, sagt die Seniorin. Demnach gebe es ältere Leute, die nur eine kleine Rente erhielten und sogar Flaschen sammeln müssten. Leztlich gehe es auch um Gerechtigkeit. „Es kann nicht sein, dass Senioren in der Stadt nichts für den Moor-Express zahlen müssen, während andere für das Seniorentaxi in die Tasche greifen, weil sie außerhalb wohnen.“

Dieter Bräunlich (ÜWG), Seniorenbeauftragter der Stadt Bad Aibling, kann Webers Wunsch nachvollziehen. „Natürlich würde ich mich auch über eine bessere Anbindung oder über eine weitere Linie, etwa in die Madau, freuen“, so Bräunlich. Allerdings befürchtet er, ähnlich wie Bürgermeister Schlier, dass der Bedarf „nicht sehr groß“ sein würde. Er erinnert sich an die 60er Jahre, als eine Buslinie durch die Madau führte und wenig genutzt wurde. „Es wäre schön, aber ich denke, heute würde es dort nicht wirklich anders sein.“

Die Karte zeigt die aktuelle Route des Moor-Express durch Bad Aibling.

Offensichtlich sei eine Anbindung der Madau mit der aktuellen Taktung der bestehenden Moor-Express-Linie nicht umsetzbar, „auch was den Zeitplan angeht“. Deshalb bräuchte es laut Bräunlich eine zweite Linie, die womöglich Madau und die Einkaufszentren, Prechtl, mit anfährt. „Aber das würde nochmal 120 000 Euro Defizit bedeuten“, so der Seniorenbeauftragte. Auch wenn Bräunlich eine zweite Linie befürworten würde, gibt er zu bedenken, dass sich in den vergangenen Jahren fast niemand mit ähnlichen Wünschen gemeldet hätte.

Sein Vorschlag: Die jetzige Route wenigstens mit dem Einkaufszentrum zu verbinden. „Allerdings sind damit natürlich nicht alle Probleme gelöst: Der Senior fährt dann mit dem Bus zum Einkaufszentrum, kauft ein, fährt dann schwer bepackt zurück und muss dann womöglich von der eingerichteten Bushaltestelle noch mehrere hundert Meter laufen“, erklärt Bräunlich. Selbst wenn der Moor-Express also auch in die Maudau fahren würde, wären damit immer noch nicht alle Wege abgedeckt.

Seniorenbeauftragter spricht sich für Taxi aus

„Wir haben damals deshalb das Seniorentaxi iniziiert, so können sich Senioren beispielsweise von zuhause abholen lassen und nach dem Einkauf auch wieder nach hause bringen lassen“, sagt Bräunlich. Nur so könne das Problem des „weiten Schleppens“ gelöst werden. Um das Seniorentaxi nutzen zu können, müssten sich die Bürger ab 70 Jahren einen entsprechenden Berechtigungsschein beim Sozialamt holen. „Diese Fahrten kosten uns im Jahr 60 000 Euro, das sind freiwillige Leistungen, die uns die älteren Menschen.“

Laut Bürgermeister Stephan Schlier sei die Stärkung des ÖPNV auch unabhängig vom Moor-Express ein präsentes Thema im Rathaus. „Wir führen Gespräche mit Busunternehmen, vielleicht gelingt es so auch, noch die ein oder andere zusätzliche Haltestelle neu zu installieren“, so Schlier. Auch die Landkreis-Linienmüssten gestärkt werden. Im März will die Verwaltung dem Stadtrat eine weitere Idee zur Stärkung der Mobilität vorstellen. „Es wird dann um das Rufbus-System gehen“. Ein Bus also, der entweder per App oder telefonisch bei Bedarf angefordert werden kann. Auch wenn dies womöglich nicht genau in dieser Form in Bad Aibling umgesetzt wird, wolle man weitere Möglichkeiten erörtern.

Zu Helga Webers Wunsch sagt Schlier schließlich: „Es ist tatsächlich schwierig, eine vernünftige Lösung zu finden.“ Natürlich sei in der Madau, rund um den St.-Georg-Platz, viel Wohnraum und dort existiere tatsächlich keine Bushaltestelle. „In Bad Aibling gibt es aber weiter Stellen in ähnlicher Situation“, sagt Schlier und nennt etwa das B&O-Parkgelände sowie den Sportpark, die beide eine bessere Anbindung „verdienen“. Schlier wisse um den Bedarf für Senioren, ebenso den unter jungen Leuten, die den Bus als Lösung womöglich noch gar nicht auf dem Schirm haben, so der Bürgermeister.

Deshalb wolle man sich in der März-Sitzung intensiv mit der Fortschreitung des Verkehrsentwicklungskonzeptes beschäftigen. Eine zweite Moor-Express-Linie, wie sie sich Helga Weber wünscht, sei aber alleine aus finanzieller Sicht nicht umsetzbar. Zudem hätte ein großer Bus Platzprobleme, weshalb er womöglich gar nicht überall „durchpassen“ würde. Helga Weber sagt trotzdem ganz deutlich: „Ich werde bei diesem Thema nicht lockerlassen.“

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