AUS DEM HAUPTAUSSCHUSS

Bad Aibling: Hunde sollen im Weitmoos an die Leine

Hund an der Leine
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Damit seltene Bodenbrüter wie der Kiebitz nicht gestört werden, sollen Hunde im Weitmoss bei bad Aibling künftig an die Leine.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Um seltene und gefährdete Vogelarten im Weitmoos bei Bad Aibling zu schützen, fordern Bündnis90/Die Grünen eine Leinenpflicht für Hunde. Doch so einfach ist das nicht, wie jetzt eine Diskussion im Hauptausschuss zeigte.

Bad Aibling – Wachtelkönig, Kiebitz, Brachvogel – sie sind sehr selten geworden in der Natur. Als Bodenbrüter (Kiebitz) oder weil sie auf der roten Liste stehen und vom Aussterben bedroht sind (Wachtelkönig), stehen sie unter besonderem Schutz. Einer ihrer Lebensräume ist das Weitmoos bei Bad Aibling. Doch dort werden sie nach Beobachtungen von Naturschützern zunehmend von freilaufenden Hunden aufgescheucht, gejagt und vertrieben.

Aus diesem Grund fordert die Stadtratsfraktion von Bündnis90/Die Grünen eine Leinenpflicht für Hundehalter im Weitmoos für den Bereich innerhalb der Grenzen Staatsstraße 2089 und Gemeindegrenze zu Kolbermoor im Osten, Berblinger Straße im Westen, Seichäckerweg im Norden sowie der Gemeindegrenze im Süden.

Kiebitze sind Bodenbrüter und deshalb besonderen Gefahren ausgesetzt. Sie sollen im Weitmoos künftig besser vor freilaufenden Hunden geschützt werden.

Mittels Verordnung nur schwer zu lösen

Hierfür ein geeignetes Vorgehen zu finden, erweist sich allerdings als gar nicht so einfach, wie die Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses darlegte. Die von den Grünen vorgeschlagene Ergänzung der Lärm- und Haustierverordnung um das Gebiet Weitmoos und einer generellen Leinenpflicht für Hunde sei in dieser Form nicht möglich.

Auch kleinere Hunde gefährden Bodenbrüter

Leinenpflicht könne nur für große Hund ab 50 Zentimeter Schulterhöhe oder Listenhunden (Kampfhunde) sowie nur in öffentlichen Anlagen oder öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen erlassen werden. Gefahr für Bodenbrüter gehe aber auch von kleineren Hunden aus. Zum anderen sei das Gebiet Weitmoos keine öffentliche Fläche im Sinn des Landesstraf- und Verordnungsgesetzes.

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Eine weitere geeignete Eingriffsnorm gebe es an dieser Stelle nicht. Nach Aussage der Unteren Naturschutzbehörde hat das Landratsamt allerdings die Möglichkeit über das Naturschutzgesetz Strafen zu verhängen. Verstöße werden laut Verwaltung wohl auch regelmäßig durch Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer im Außendienst kontrolliert und geahndet.

Falsche Personalien angegeben

Martin Haas vom Städtischen Ordnungsamt verdeutlichte das Problem hierbei am Beispiel aus einem anderen Bereich: Ein Jagdpächter habe einen Hundehalter wegen dessen Vierbeiners, der ein Reh gehetzt hatte, zur Rede gestellt und wollte dessen Personalien festhalten. Im Nachhinein musste er jedoch feststellen, dass dieser ihm falsche Daten angegeben hatte. Eine Feststellung von Personalien müsse im Endeffekt immer über die Polizei erfolgen, was ein Vorgehen hier schwer machen.

Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) brachte den Vorschlag ins Spiel, wie in der Gemeinde Irschenberg ein Anleingebot auszuweisen.

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Als juristisch kaum lösbar bezeichnete Florian Weber (BP) das Problem. Er wolle aber eine Lanze für die „in großer Masse sehr disziplinierte Hundehalterschaft“ brechen. Anstelle eines Gebotes solle die Stadt die Hundehalter im Zuge der Zustellung der Steuerbescheide mit einem Schreiben sensibilisieren. Laut Schlier gibt es diesbezüglich allerdings gar keine separate Schreiben.

„Alle Möglichleiten ausschöpfen“

„Ob Schreiben oder Gebot – alles, was dazu beiträgt, die Wiesenbrüter zu schützen, sollten wir versuchen. Viele Hundehalter denken vielleicht auf dem freien Feld einfach gar nicht daran, dass ihr Hund diese Tiere stören oder gefährden kann“, meinte Katharina Dietel (Grüne).

Rudi Gebhart (ÜWG) hingegen bezeichnete den Antrag als überzogen. Schwarze Schafe gebe es überall, der Kiebitz habe auch jede Menge natürliche Feinde wie Fuchs oder Hermelin, und selbst der Storch fresse gerne kleine Vögel. „Darum sage ich: Lassen wir es so, wie es ist“, bekräftigte er.

„Problem nicht einfach nur verlagern“

Markus Stigloher (CSU) warnte davor, das Problem durch etwaige Maßnahmen einfach nur in andere Bereiche zu verlagern: „Jäger und Bauern sind dann wieder die Leidtragenden.“ Aufgrund der fehlenden Rechtsgrundlage sprach sich der Ausschuss zwar gegen den Antrag aus.

Die Verwaltung soll aber nun, wie vom Ordnungsamt vorgeschlagen, eine separate Verordnung zur Hundehaltung für das gesamte Gemeindegebiet der Stadt Bad Aibling bis Ende Juli 2021 ausarbeiten, um den Artenschutz besser gewährleisten zu können.

Schutz für die Wiesenbrüter

Nach Schließung der BND-Standorte in Mietraching 2004 und am „Fernpeiler“ im Weitmoos hat die Stadt Bad Aibling unter anderem rund sechs Hektar Wiesen vom Bund erworben und dem Naturschutz gewidmet.

Es handelt sich, so Bündnis 90/Die Grünen in ihrem Antrag, um Überreste ehemals ausgedehnter, artenreicher Nass- und Streuwiesen. In der Biotopkartierung des Landes Bayern werde deren Unterschutzstellung als „Geschützte Landschaftsbestandteile“ wegen der besonderen Bedeutung für den Artenschutz empfohlen.

Auch Neuntöter tauchen immer wieder auf

Bei ornithologischen Beobachtungen im Rahmen der Arbeitsgruppe „Wiesenbrüterschutz“ bei der Unteren Naturschutzbehörde seien nicht nur die Ansammlung von zeitweise 200 Weißstörchen nach dem Hochwasser am 4. August, sondern auch Schwarzstörche, Kraniche, Kiebitze, Bruchwasserläufer und Neuntöter gesichtet.

Laut den Naturschützern führen immer wieder Hundehalter trotz der Beschilderung „Vogelschutz“ ihre Tiere nicht an der Leine. „Insbesondere bodenbrütende Arten wie der Kiebitz werden von freilaufenden Hunden massiv gestört oder vertrieben“, argumentieren Bündnis90/Die Grünen in dem Antrag auf Leinenpflicht.

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