Bad Aibling: Herzenswunsch-Hospizmobil ermöglicht Seniorin Abschied am Grab ihres Mannes

Das BRK-Hospizmobil erfüllte den Herzenswunsch einer 91-jährigen Seniorin aus Bad Aibling: Sie konnte in Begleitung von Familienmitgliedern am Grab ihres im Februar verstorbenen Mannes auf einem Münchner Friedhof Abschied nehmen.
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Das BRK-Hospizmobil erfüllte den Herzenswunsch einer 91-jährigen Seniorin aus Bad Aibling: Sie konnte in Begleitung von Familienmitgliedern am Grab ihres im Februar verstorbenen Mannes auf einem Münchner Friedhof Abschied nehmen.

Mit dem Hospizmobil erfüllt der BRK-Kreisverband Rosenheim Menschen in ihrer letzten Lebensphase einen Herzenswunsch, wenn die Umsetzung für den Betroffenen selbst nicht mehr möglich ist. So wie jetzt bei Elisabeth (91) aus Bad Aibling.

Bad Aibling– Einmal ans Grab des geliebten Ehemannes, um Abschied nehmen zu können – das war ihr Herzenswunsch. Elisabeth ist 91 Jahre alt und wohnt in Bad Aibling. Sie ist zunehmend dement und auf eine 24-Stunden Pflegekraft angewiesen. Nur noch mit Hilfe kann sie aufstehen und wenige Schritte gehen. So kommt sie so gut wie nie aus dem Haus. Die Treppen vor dem Gebäude sowie ihre Wohnräume im ersten Stock stellen ein außerordentlich großes Hindernis dar.

Sehnlicher Wunsch: Abschied am Grab

Seit dem Tod ihres Mannes im Februar des vergangenen Jahres war sie noch kein einziges Mal an seinem Grab gewesen, das sich auf einem Friedhof in München befindet. Elisabeths Familie wollte ihr gerne den sehnlichen Wunsch erfüllen, dort Abschied zu nehmen, und wendete sich an das Team vom „Herzenswunsch Hospizmobil“ des Bayerischen Roten Kreuzes in Rosenheim.

Ein Wiedersehen mit der Familie

Und die Helfer machten es möglich: Gemeinsam wurde die Fahrt zum Wunschort organisiert – und dabei zusätzlich auch noch ein lang ersehntes Treffen mit weiteren Familienmitgliedern geplant. So wurde die Seniorin am Nordfriedhof nicht nur, wie vereinbart, von ihrer Nichte herzlich in Empfang genommen, sondern auch von ihrer 93-jährigen Schwester. Da sowohl Elisabeth als auch ihre Schwester schwerhörig sind, ist die Kommunikation im Alltag über Telefon sehr mühsam. Auch die enorme Entfernung von 120 Kilometern vereinfacht den Kontakt nicht wirklich. Doch vor Ort klappte alles.

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„Überglücklich über das Wiedersehen hielten die zwei Schwestern die ganze Zeit über Händchen und ein zufriedenes Lächeln zierte ihre Gesichter“, schildern die Begleiter. Die gemeinsame Zeit und die Unterstützung der Familie, sich noch einmal vom geliebten Mann, Schwager und Onkel verabschieden zu können, schweißte alle noch mehr zusammen. „Es war ein unvergesslicher Augenblick“, erzählten die Helfer des Herzenswunschteams und waren froh und dankbar ein Teil von diesem Moment gewesen zu sein.

Das sind die Wünsche der Patienten

Die Wünsche und Ziele der Patienten, die sich an das BRK-Team wenden, sind meistens „im kleinen Umfang“ aber mit sehr großer Bedeutung, weiß Sabrina Mentrup. Viele wünschten sich, noch einmal einen bestimmten Ort, mit dem sie tolle Erinnerungen verbinden, zu besuchen, oder aber geliebte Menschen noch einmal zu sehen. „So hatten wir schon Anfragen wie an der Hochzeit der Tochter teilzunehmen oder noch einmal die Berge sehen zu können. Wir haben einen Hochzeitsausflug zur Fraueninsel miterleben dürfen oder die Zusammenführung von einem Enkel und seiner geliebten Oma. Auch eine Pilgerfahrt haben wir einmal unterstützt“, sagt die BRK-Mitarbeiterin auf Anfrage unserer Zeitung.

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Seit Juli 2019, seit das Herzenswunsch-Hospizmobil im Einsatz ist, hatte das Team insgesamt 18 Anfragen. Elf Herzenswünsche konnten bisher durchgeführt werden. Jedoch mussten auch schon Fahrten abgesagt werden, weil sich der Gesundheitszustand des Fahrgastes verschlechtert hatte.

Im vergangenen Jahr, als auch Elisabeth aus Bad Aibling das Grab ihres Mannes in München besuchen konnte, hat das BRK sechs Herzenswünsche erfüllt.

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„Corona hat uns sehr beeinträchtigt. Zum einen wegen der Ausflugsziele, die wegen der Pandemie geschlossen waren. Ein Besuch im Tierpark oder im Museum, eine Fahrt zu einem Konzert oder Fußballspiel waren dann nicht möglich“, sagt Sabrina Mentrup. Aber auch die Bedenken der Angehörigen, die die Gefahr einer Infektion befürchteten, seien natürlich groß gewesen.

Zum anderen müsse man auch an die Gesundheit der eigenen Freiwilligen denken. Diese kommen aus allen Gemeinschaften der Rot-Kreuz Familie und seien in ihren eigenen Bereichen stark gefordert gewesen oder gehörten selbst der Risikogruppe an.

Helfer: „Wir geben unser Bestes“

Doch steht für die Teammitglieder eines fest: „Wir sind für alle kleinen und großen Wünsche offen und geben unser Bestes, um diese erfüllen zu können. Das Herzenswunsch Hospizmobil liegt allen unseren Helferinnen und Helfern sehr am Herzen und so hoffen wir, auch im neuen Jahr wieder Wünsche erfüllen zu können und ein Teil von großartigen Momenten sein zu dürfen“, betont Sabrina Mentrup.

Das Herzenswunsch-Hospizmobil des BRK

„Wir wollen schwer kranken Mitmenschen einen letzten Wunsch erfüllen. Das kann eine Fahrt an einen See, zu Verwandten oder der Besuch eines Fußballspiels sein“, sagt Gitti Baumann, Bereichsleiterin Freiwilligenarbeit beim BRK-Kreisverband. Die Wunscherfüllung sei durch die eingeschränkte Mobilität oder wegen der beschränkten finanziellen Mittel für den Betroffenen normalerweise nicht mehr möglich.

Der Ablauf sieht so aus

Der Wunsch wird mit entsprechendem Vorlauf beim Roten Kreuz angemeldet. Kontakt: www.brk-rosenheim.de/herzenswunsch, Telefon 0 80 31/35 33 08. Dann nehmen BRK-Mitarbeiter Kontakt auf und besprechen den individuellen Wunsch im Detail. Anschließend wird ein Gremium aus einem Arzt, Pflegepersonal/Betreuer und Organisator darüber entscheiden, wie der Wunsch konkret umgesetzt werden kann. Für die Mittelbeschaffung ist der BRK-Kreisverband Rosenheim zuständig. Die Mitarbeiter, die sich beim Herzenswunsch-Hospizmobil engagieren, sind Ehrenamtliche. Sie bringen ihre Leistung freiwillig und unentgeltlich ein. Das Team selbst besteht aus Ärzten, Sanitätern, Angehörigen, Betreuern und Seelsorgern.

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