Bad Aibling: Haft für Angeklagten, Handschellen für seine Zeugen

Wegen versuchten Wohnungseinbruchsdiebstahls und Sachbeschädigung wurde ein Bad Aiblinger (25) jetzt zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
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Wegen versuchten Wohnungseinbruchsdiebstahls und Sachbeschädigung wurde ein Bad Aiblinger (25) jetzt zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Das Schöffengericht Rosenheim verurteilte einen Bad Aiblinger (25) wegen versuchten Wohnungseinbruchsdiebstahls und Sachbeschädigung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren. Im Gerichtssaal klickten auch die Handschellen für zwei Zeugen.

Von Christa Auer

Bad Aibling/Rosenheim – Die beiden zeugen, Freude des Angaklagten, wurden wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage und der versuchten Strafvereitelung vorläufig festgenommen.

An fremder Balkontür zu schaffen gemacht

„Freunde, die man morgens um vier Uhr anrufen kann, die zählen“, stellte einst die Schauspielerin Marlene Dietrich fest. Der 25-Jährige ging noch einen Schritt weiter: Bei Freunden könne man auch nachts die Balkontür aufhebeln, um einen Schlafplatz zu finden. Zumindest wollte er das dem Schöffengericht glaubhaft machen. Dumm nur, dass es sich dabei nicht um die Wohnung des befreundeten Paares gehandelt hatte.

Vorhaben letztlich abgebrochen

Für die Anklagevertretung stand deshalb fest, dass der Angeklagte versucht hatte, in eine fremde Wohnung eines Mehrfamilienhauses in Bad Aibling einzubrechen. Dabei habe er jedoch erkannt, dass er nicht das passende Werkzeug habe, um die Balkontür zu knacken und sein Vorhaben abgebrochen.

Bei dem Einbruchsversuch entstand ein Schaden von etwa 250 Euro. Der Angeklagte hatte lange bestritten, überhaupt am Tatort gewesen zu sein. In der Verhandlung räumte er seine Anwesenheit ein und beteuerte, dass er einfach die Häuser verwechselt habe. Der Grund dafür waren angeblich zu viel Alkohol und Drogen.

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Vorangegangen sei ein Streit mit seiner Lebensgefährtin und der Rauswurf aus deren Wohnung in Kolbermoor. Auf der Suche nach einem Nachtquartier habe er versucht, bei Freunden in Bad Aibling unterzukommen. Da die aber die Klingel abgeschaltet hätten, habe er versucht, über den Balkon einzusteigen. Dort habe er einen Werkzeugkasten entdeckt. Da die Balkontür verschlossen gewesen sei, habe er versucht, sie mit der Rundfeile aufzuhebeln. Das habe nicht geklappt. Zu spät habe er bemerkt, dass er die falsche Tür erwischt habe. Später habe er den richtigen Balkon gefunden.

Zeugen erinnern sich erst später wieder an den Vorfall

Das befreundete Paar bestätigte die Angaben weitgehend. Sie hätten sich erst wieder daran erinnert, als der Angeklagte wegen dieser Sache in U-Haft gekommen sei, und dann eine Aussage bei der Polizei gemacht, behaupteten die beiden Zeugen.

Außerdem hätten sie mit den Geschädigten im Auftrag des Angeklagten Kontakt aufgenommen und Schadenswiedergutmachung angeboten. Die Geschädigten verstanden den Brief als Aufforderung, gegen eine finanzielle Entschädigung, bei der Polizei keine Angaben zu machen. „Ihre Verhaftung wegen versuchter Strafvereitelung und uneidlicher Falschaussage steht unmittelbar bevor“, hatte der Anklagevertreter die beiden Zeugen gewarnt und empfohlen, ihre Version auf den Wahrheitsgehalt prüfen.

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Nachdem sie bei ihrer Aussage blieben, klickten im Gerichtssaal die Handschellen. Für den Angeklagten forderte der Staatsanwalt eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Verteidiger David Schietinger plädierte auf Freispruch und ein mildes Urteil wegen Sachbeschädigung.

Das Schöffengericht war dagegen überzeugt, dass die Einlassungen des Angeklagten, nicht der Realität entsprachen. Es habe sich um einen Fehlversuch gehandelt, die Rückfallgeschwindigkeit sei hoch und die Folgen für die Wohnungseigentümer erheblich, betonte Richter Wolfgang Fiedler.

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