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„Bad Aibling geht den Mehrweg“

Wie Gastronomen Verpackungsmüll vermeiden wollen und warum das so schwer fällt

Für Nachhaltigkeit: Natalie Tomlinson-Kurz.
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Für Nachhaltigkeit: Natalie Tomlinson-Kurz.
  • VonNicolas Bettinger
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Etwa 770 Tonnen Verpackungsmüll fallen täglich in Deutschland an. Um den Problemen der Einwegverpackungen gegenzusteuern, will die Stadt Gastronomen aufklären, wie sie das „To Go“-Geschäft ändern können. Einige Gastronomen setzen sich bereits seit Jahren für Nachhaltigkeit ein und stoßen dabei an Grenzen.

Bad Aibling – Laut Informationen der Bundesregierung fallen täglich in Deutschland etwa 770 Tonnen Verpackungsmüll durch „Take-Away-Einwegverpackungen“ an. Mit Beginn der Corona-Pandemie hat das Essen zum Mitnehmen oder Liefern einen regelrechten Boom erlebt. Auch in Bad Aibling werden weitgehend Einwegverpackungen ausgegeben, die große Mengen an Verpackungsmüll bedeuten.

Laut Bad Aiblings Klimaschutzmanagerin Natalie Tomlinson-Kurz habe sich in den letzten Jahren jedoch auch viel getan, was die Vermeidung von Verpackungsmüll angeht. So trat eine EU-Richtlinie in Kraft, die den Handel mit Wegwerfprodukten aus Plastik, wie Einwegbesteck und -tellern, Strohhalmen und Rührstäbchen verbietet. Ab 2023 werden weitere Maßnahmen folgen. Caterer, Lieferdienste und Restaurants werden dann verpflichtet, Mehrwegbehälter als Alternative anzubieten. „Eine jetzige Umstellung ist daher zukunftsweisend“, sagt Tomlinson-Kurz.

Pfandsystem für mehr Nachhaltigkeit

Dazu gehört etwa das Café Lotte in der Kirchzeile, dass sich in dieser Form bereits seit rund fünf Jahren für Nachhaltigkeit einsetzt. „Bei uns können die Gäste ihren Kaffee, Cappuccino oder Eistee gerne in einem Mehrwegbecher mitnehmen´“, sagt Inhaberin Lisa Tomschiczek.

Die Chefinnen des „Café Lotte“ (von rechts): Janina, Lisa und Rosi Tomschiczek und Tamara Winter.

Pro Becher zahlt der Kunde einen Euro Pfand und kann das Behältnis überall dort wieder zurückgeben, wo das gleiche Mehrweg-System angeboten wird. In diesem Fall handelt es sich um „Recup“ beziehungsweise „Rebowl“, Deutschlands größtes Mehrwegsystem für die Gastronomie. Auch Speisen können darüber in einer Bowl für fünf Euro Pfand mitgenommen werden. Auf der Website (recup.de) können Kunden problemlos feststellen, wo es teilnehmende Gastronomen gibt. „Letztens wurde bei uns beispielsweise ein Becher aus Sylt abgegeben“, erzählt Tomschiczek.

Der „Coffee-to-go-Boom“ verursacht in Deutschland ein großes Müllproblem.

Bislang, so die Inhaberin, würden bei zehn bis 15 Prozent der abgeholten Speisen und Getränken diese Mehrwegbehältnisse genutzt. „Das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Tomschiczek. Im Café Lotte habe man zwar schon überlegt, komplett auf Mehrwegprodukte umzusteigen. Allerdings herrsche diesbezüglich noch zu viel Unmut „in unserer Wegwerfgesellschaft“, sagt Tomschiczek.

Beste Lösung: Eigene Becher und Behältnisse mitbringen

Dabei gebe es neben den Mehrweg-Pfand-Systemen sogar noch wirksamere und einfachere Lösungen. „Am allerbesten ist es natürlich, wenn die Leute ihre eigenen Becher, Teller oder Behältnisse mitbringen“, sagt Tomschiczek. Viele ihrer Stammkunden setzten dies bereits um. Das Bewusstsein und das Wissen über diese Möglichkeit, müsste jedoch in der Gesellschaft noch mehr beworben werden.

Das können auch die Mitarbeiter vom Restaurant „Steffens“ in der Bahnhofstraße bestätigen. Als einer der ersten Gastronomen griff man vor zwei Jahren auf das Mehrweg-System von „Relevo“ zurück. Dabei können Kunden Speisen und Getränke in einem Mehrwegbehältnis – etwa Salatbowls oder Kaffeebecher – mitnehmen und dieses innerhalb von 14 Tagen wieder dort zurückgeben, wo das System angeboten wird, deutschlandweit. „Wir machen das bereits seit zwei Jahren“, erzählt Niklas Steffen. Für die Kunden sei dies kostenfrei, man selbst trage die Kosten hierfür.

„Steffens“: Die Bereitschaft der Kunden ist nicht wirklich vorhanden

Das „Steffens“ habe derzeit 20 Mehrwegbehältnisse im Umlauf und man bewerbe diese Möglichkeit aktiv bei den Kunden. „Ich biete jedem Gast an der Theke an, seine Speise oder sein Getränk in einem Mehrwegbehältnis mitzunehmen“, sagt Steffen. Bewusst habe man sich hinsichtlich des Umweltschutzes und des herrschenden „Verpackungswahnisnns“ zu diesem Weg entschlossen. Auch im Steffens könne man zudem seine eigenen Becher oder Tupperware mitbringen. „Die Bereitschaft ist dennoch nicht wirklich vorhanden“, bedauert der Gastronom.

Ein Ergebnis der Einwegprodukte: Tonnenweise Verpackungsmüll.

Dabei seien die Systeme äußerst kundenfreundlich aufgebaut. „Bei Relevo werden die Kunden per App sogar daran erinnert, ihren Becher wieder zurückzugeben“, so Steffen. Doch trotz der Möglichkeiten werde in den meisten Fällen dennoch auf normale Einwegprodukte zurückgegriffen. „Mehr als anbieten können wir nicht“, sagt Steffen. Sein Wunsch: Einheitliche Mehrwegssysteme für Bad Aibling. Böten alle Gastronomen das gleiche System an, hätte es der Kunde noch leichter und müsste sich nicht für jedes Restaurant eine andere App herunterladen.

Stadt befürwortet einheitliche Systeme

Mit diesem Anliegen trifft Steffen bei Klimaschutzmanagerin Natalie Tomlinson-Kurz auf offene Ohren. Auch die Stadt befürworte mehr Einheitlichkeit, um das Vermeiden von Verpackungsmüll für Kunden zu erleichtern. „Alles, was nicht produziert werden muss, vermeidet Müll“, sagt Tomlinson-Kurz. Neben dem Schutz der Umwelt komme dies auch dem durch überfüllte Mülleimer gezeichneten Stadtbild zugute.

Ein Mehrweg-Kaffeebecher wird in einem Cafe mit Kaffee gefüllt.

Insgesamt, so Tomlinson-Kurz, kursieren noch viele Mythen rund um das Thema Mehrweg. Etwa, dass es besonders teuer und aufwendig sei oder dass die Logistik zu Problemen führe. In den letzten Jahren habe sich jedoch viel getan. So gebe es mittlerweile zahlreiche Mehrweg-Poolsysteme und eine Umstellung lohne sich – nicht nur finanziell.

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