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Wie läuft die unbürokratische Unterstützung?

„Es kommen hunderte Ukrainer“ - Ein Besuch bei der Tafel in Bad Aibling unter neuen Voraussetzungen

Mit viel Engagement an der Essensausgabe: (von links) die ehrenamtlichen Helferinnen Monika Grimm, Ria Elchlepp, Verena Kamdani zusammen mit Tafelleiter Dr. Stefan Stöckel. Bettinger
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Mit viel Engagement an der Essensausgabe: (von links) die ehrenamtlichen Helferinnen Monika Grimm, Ria Elchlepp, Verena Kamdani zusammen mit Tafelleiter Dr. Stefan Stöckel. Bettinger
  • VonNicolas Bettinger
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Laut Tafelleiter Stefan Stöckel kommen immer mehr Ukrainer zur Essensausgabe in Bad Aibling. Noch kann das Team den Mehraufwand stemmen. Doch wie groß ist der Bedarf wirklich, wie sehen Ukrainer das Angebot und was sollten Besucher beachten?

Bad Aibling – Äpfel, Kartoffeln, Milch, Käse. Noch sind die Regale in der Bad Aiblinger Tafel gut gefüllt. Kurze Zeit später geht es los. An diesem verregneten Nachmittag versammeln sich wieder zahlreiche Menschen, um Lebensmittel abzuholen – unter ihnen einige, die zum ersten Mal hier sind. „Sie bekommen hier eine volle Kiste, die ungefähr einem Wocheneinkauf entspricht“, sagt Stefan Stöckel. Der Leiter der Aiblinger Tafel blickt auf bewegende zwei Wochen zurück. In dieser Zeit nämlich, sind zu den bisherigen Kunden 60 bis 80 weitere hinzugekommen. „Nächste Woche werden es vermutlich rund 100 werden“, sagt Stöckel und meint damit die zahlreichen ukrainischen Flüchtlinge, die kürzlich nach Bad Aibling gekommen sind.

Zahlungswege zum Teil abgeschnitten

Sie kommen zur Tafel, um das Nötigste an Lebensmitteln und Hygieneartikeln abzuholen. Die Kriegsflüchtlinge, unter ihnen viele Frauen und Kinder, die die Tafel besuchen, sind über Verwandte, Bekannte oder auf Privatinitiativen in Wohnungen oder leerstehenden Räumen untergekommen. Nicht alle kommen aus ärmlichen Verhältnissen, viele sind jedoch ohne Hab und Gut in Deutschland eingetroffen. „Ganz viele haben keine Möglichkeiten, sich von ihrem Geld etwas zu kaufen, da die Zahlungswege in der Ukraine abgeschnitten sind“, sagt Stöckel. Deshalb versuche man, die Ukrainer möglichst unbürokratisch mit zu versorgen. Ein Ausweisdokument reiche bereits als Berechtigung aus.

Die, die zum ersten Mal zur Aiblinger Tafel kommen, werden laut Stöckel mit einem Begrüßungspaket empfangen und sie können kostenlos einkaufen. Ab dem zweiten Besuch koste dann – wie für alle anderen Kunden auch – ein Einkauf pro Erwachsener maximal einen, pro Familie maximal zwei Euro. Der Mehraufwand für die rund 65 ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeitern mache sich freilich bemerkbar, erzählt der Leiter. Deshalb freue man sich immer über neue Helfer. Was die Lebensmittel angeht, könne man den gestiegenen Bedarf bislang noch gut ausgleichen.

Wie die Tafel den gestiegenen Bedarf an Lebensmittel stemmt

„Wir hatten bei den Großmärkten sonst oft nicht die volle Ladung abgeholt, da wir nicht alles brauchten. Dadurch haben wir bei der Ware noch etwas Luft nach oben, so können wir die Mengen etwas steuern“, sagt Stöckel. Die Tafel bezieht ihre Lebensmittel von Supermärkten. Die Produkte stehen meist kurz vor dem Ablauf, sind aber noch haltbar. Hamsterkäufe in der Bevölkerung und damit einhergehend leergekaufte Supermarktregale machten sich laut Stöckel für die Tafel noch nicht wirklich bemerkbar. „Es wird jedoch immer schwieriger, frisches Obst und Gemüse zu bekommen“, sagt der Tafelleiter.

Draußen vor der Türe hat sich mittlerweile eine längere Schlange gebildet. Unter den Anstehenden ist Luise Rotärmel. Die Ukrainerin lebt seit 30 Jahren in Bad Aibling. Seit Kriegsbeginn ist sie damit beschäftigt, Bekannten und Verwandten zu helfen, nach Deutschland zu kommen. Sie selbst hat zwei Frauen bei sich zuhause aufgenommen. Heute bringt sie sie zum ersten Mal zur Tafel. „Sie können jetzt einmal in der Woche herkommen, das ist sehr wichtig und sie sind unglaublich dankbar“, betont Rotärmel. Es gehe ihr hier sehr gut, sagt ihre Begleiterin Irina Martschuk, die aus Charkiw geflohen war. Auch Victoria Laptj, ebenfalls bei Rotärmel untergekommen, zeigt sich dankbar, ein Angebot wie das der Tafel nutzen zu können. „Wir sind hier angekommen und hatten nichts als das, was wir am Körper tragen“, so Laptj.

Dankbar für das Tafel-Angebot: (von links) Irina Martschuk, Luise Rotärmel und Victoria Laptj.

Ebenfalls in der Schlange steht Eberhard Wahnschaffe. Der Bad Aiblinger Rentner hat ebenfalls zwei Ukrainerinnen aufgenommen – „eine Großmutter mit ihrer Enkelin“. Erst gestern seien sie hier angekommen, heute begleite er sie zum ersten Mal zur Tafel in Bad Aibling. Er lobt die Organisation. „Es ist toll, dass sie sich hier nun so unkompliziert etwas zu Essen holen können“, so Wahnschaffe.

Eberhard Wahnschaffe (Mitte) mit zwei Ukrainerinnen, die bei seiner Familie unterkommen können.

Laut Leiter Stefan Stöckel richte man extra für die ukrainischen Besucher nun – neben der üblichen zwei Tage in der Woche – einen dritten Ausgabetag ein. „Somit wollen wir alles etwas besser koordinieren und entzerren.“ Von nun an findet bei der Aiblinger Tafel also auch montags von 14 Uhr bis 15.30 Uhr eine Warenausgabe statt. Stöckel betont jedoch: „Wer das nicht mitbekommen hat und trotzdem am Donnerstag oder Freitag kommt, bekommt natürlich trotzdem etwas.“

Die üblichen Ausgabezeiten sind donnerstags von 13.30 bis 15.30 Uhr und freitags von 9 bis 11.30 Uhr. Zugangsberechtigt sind generell alle Bedürftigen, die einen entsprechenden Nachweis vorlegen können, etwa vom Jobcenter, Landratsamt oder Sozialamt.

Die Aiblinger Tafel bittet um Spenden: Sparkassen-Konto, IBAN: DE77 7115 0000 0000 9696 91 oder an die Bürgerstiftung Bad Aibling und Mangfalltal (Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling): IBAN DE40 7115 0000 0000 0604 00 oder (Volksbank Raiffeisenbank e.G.) IBAN DE38 7116 0000 0002 9265 39.

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