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ABSCHIED NACH 23 JAHREN

Die Buchhandlung „Schatzinsel“ am Bahnhof Bad Aibling sagt Servus

23 Jahre lang prägten Michaela Kreuzer und Christian Stubbe mit ihrer „Schatzinsel“ das Buch- und Literaturleben der Stadt Bad Aibling.
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23 Jahre lang prägten Michaela Kreuzer und Christian Stubbe mit ihrer „Schatzinsel“ das Buch- und Literaturleben der Stadt Bad Aibling.
  • VonTorsten Neuwirth
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23 Jahre lang war die Buchhandlung „Schatzinsel“ am Bad Aiblinger Bahnhof der Dreh- und Angelpunkt im beruflichen Leben von Christian Stubbe und seiner Frau Michaela Kreuzer. Jetzt haben die beiden ihren Hut genommen – und an den Nachfolger übergeben.

Bad Aibling– „Das letzte Kapitel ist geschrieben, es ist jetzt, wie es ist und so ist es auch gut, es war eine schöne Zeit“, bei diesen 22 Worten schwingt bei Christian Stubbe trotz seines sympathischen Lächelns spürbar eine große Portion Wehmut mit. Dann streicht er fast zärtlich mit den Fingern noch einmal über einige Meter der fast leeren Bücherregale. Danach drückt er alle Lichtschalter, geht vor die Tür und dreht zum letzten Mal den Schlüssel im Türschloss „seiner Schatzinsel“ um.

Draußen wartet Ehefrau Michaela Kreuzer auf ihn, hakt sich bei ihm unter und mit einem „Jetzt lassen wir uns überraschen, was so alles kommt“, gehen sie Hand in Hand mit einer großen Portion Neugierde ihre Zukunft an.

Einst „Geschenkstube“, zuletzt über zwei Jahrzehnte die „Schatzinsel“ – der kleine Laden, der weiterhin als Buchhandlung erhalten bleibt, gehört zum Stadtbild am Bad Aiblinger Bahnhof.

Emotionale Momente zum Abschied

Auch den Stammgästen der kleinen Buchhandlung am Bad Aiblinger Bahnhofsplatz geht das Ende von Stubbes „Schatzinsel“ nach fast 23 Jahren ganz schön an die Nieren. Dies wurde bei den vielen Besuchen und Gesprächen mit Stammkunden an den letzten Geschäftstagen deutlich, bei denen es auch zu emotionalen Momenten kam.

Im Herbst 1998 hat der gelernte Buchhändler mit Ehefrau Michaela von Liselotte Gastl-Prams die frühere „Geschenkstube“ erworben. Mit viel Liebe zu Detail wurde das kleine Häuschen an exponierter Stelle zum Bahnhof einer groß angelegten Renovierung unterzogen. Auf gut 100 Quadratmetern entstand dann auf zwei Ebenen eine kleine, aber feine Buchhandlung in origineller Kombination von Geschenkartikeln mit schöner Papeterie, Kalendern sowie Teelichtern und Räucherwerk.

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Bei seiner Buchhandlung legte Stubbe als Mann vom Fach von Beginn ein großes Augenmerk auf gute Literatur, Belletristik und Taschenbücher. In den Anfängen umfasste das ausgewogene und anspruchsvolle Angebot 1955 Bücher. Zum Ende waren es deren 4940.

Von Beginn an schlugen in der Brust des Geschäftsmannes drei Herzen. Neben dem für seine Ehefrau und dem für Bücher auch eines ganz besonders für Kinder. Dementsprechend bildeten auch Bücher für Mädchen und Buben einen Schwerpunkt in seiner Geschäftsphilosophie.

„Was gibt es schöneres, als Kinder für das Lesen zu begeistern oder sie in ihrer Leseleidenschaft zu unterstützen“, lächelt der Buchhändler.

Zu seinem Engagement zählten auch verschiedene Aktionen in Kindergärten. Neben Puppentheaterveranstaltungen waren Kinder-Wettbewerbe, wie die Malaktion „Ich beim Lesen“ die Höhepunkte.

Manche Kontakte halten bis heute

Ein wenig stolz zeigt sich der Buchhändler rückblickend, wenn „seine kleinen Leseratten“ nach einem Praktikum in der „Schatzinsel“ später sogar einen Beruf mit Literaturbezug wählten und immer wieder auf einen „Buchratsch“ vorbeischauten. „Da geht einem das Herz auf.“

Wie eng und vertrauensvoll das Verhältnis zwischen dem Aiblinger Ehepaar und seiner Kundschaft war, zeigt auch der Umstand, dass manche Bücherfreunde, die ihren Lebensmittelpunkt zwischenzeitlich nach München oder an den Chiemsee verlegt hatten, immer wieder zu einer Stippvisite nach Bad Aibling kamen. „Selbstverständlich verließen sie unsere ,Schatzinsel‘ nie ohne ein neues Buch unter dem Arm“, schmunzelt Ehefrau Michaela Kreuzer.

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Neben ihrem großen Engagement für den Buchladen initiierten oder beteiligten sich die beiden an einer Vielzahl von Veranstaltungen, Lesungen und Literaturtagen. Dazu konnten sie auch so bekannte Persönlichkeiten wie den Benediktinermönch Pater Anselm Grün oder den Kabarettisten Gerhard Polt begeistern. Oft kam es auch zu engen Kooperationen mit den Aiblinger Schulen und der Stadtbücherei.

Gütesiegel siebenmal erhalten

Ergänzt wurde dieses alles durch Vortragsreihen und Büchertische mit bekannten Theologen zu Themen der Zeit. Für gute Leseförderung erhielt das Ehepaar Stubbe/Kreuzer siebenmal als Auszeichnung das Gütesiegel des Bayerischen Kultusministeriums.

Auf die Frage, wie man dies alles unter einen Hut gebracht hat, kommt die Antwort des 69-Jährigen wie aus der Pistole geschossen: „Mit einer Sechs-Tage-Arbeitswoche von bis zu 70 Arbeitsstunden sowie mit einer großer Portion Leidenschaft, Idealismus und der Liebe zum Buch.“

„Freuen uns auf das, was jetzt kommt“

Jetzt, nach intensiven und kräfteraubenden 35 Jahren Buchhandel, ist damit aber Schluss. „Wir haben mit unserem beruflichen Schaffen den Horizont erreicht“, erklärt der gebürtige Aiblinger, und seine Ehefrau Michaela ergänzt: „Wir verlassen die Aiblinger Bühne ja nicht traurig, wir freuen uns auf die freie Zeit, bei der man sich auch mal wieder um seine eigene Gesundheit intensiver kümmern kann.“

Bevor das Ehepaar aber nach Hause geht, hat Christian Stubbe mit einem Augenzwinkern noch eine Anmerkung parat: „Bücher sind Freunde, die einen ein Leben lang begleiten können.“

Mit Michaela Kreuzer und Christian Stubbe geht in Bad Aibling ein Stück Buch- und Literatur-Geschichte. Aber an ihrer langjährigen Wirkungsstätte geht die Buchtradition weiter – „BücherJohann“ hat nun das Geschäft übernommen.

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