Corona und Sport

Schüler im Deutschen Fußball Internat in Bad Aibling können im Lockdown nicht alle spielen

Mike Achitpol,_Kemal Jacklowsky und Carlos Kurzer haben sich auf die Lockdown-Situation am Deutschen Fußball Internat Bad Aibling gut eingestellt.
+
Mike Achitpol,_Kemal Jacklowsky und Carlos Kurzer haben sich auf die Lockdown-Situation am Deutschen Fußball Internat Bad Aibling gut eingestellt.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
    schließen

Sie kommen aus Australien, China, Thailand oder Indonesien, doch die meiste Zeit ist das Deutsche Fußball Internat in Bad Aibling ihr Zuhause. Wir wollten wissen, wie das Leben dort in Zeiten des Lockdowns aussieht.

Bad Aibling – Die Auswirkungen der Pandemie haben viele Gesichter. Das zeigt sich während der Lockdowns auch im Deutschen Fußball Internat (DFI) in Bad Aibling. Als im März 2020 bekannt wurde, dass die Schulen schließen, setzte eine große Rückreisewelle ein. Nur 30 der rund 100 Buben im Alter von elf bis 18 Jahren blieben – überwiegene, weil sie aufgrund von Einreisebestimmungen in ihre Heimatländer lange Quarantänezeiten hätten in Kauf nehmen müssen oder weil dort das Infektionsgeschehen so dramatisch war, dass es sicherer war, am DFI zu bleiben.

Über Monate ohne Sport

„Hätten wir damals schon gewusst, was noch alles passieren würde und welche Folgen diese Heimreisen haben würden, wären viele sicherlich am DFI geblieben“, meint Geschäftsführer Sebastian Raß im Rückblick. Denn es sollte bis Ende Juni dauern, ehe alle wieder zurückkehren konnten. Viele saßen über Monate in ihren Wohnungen und durften keinerlei Sport ausüben.

Lesen Sie auch:

Wie zwei Schulen im Raum Rosenheim auf den digitalen Unterricht umgestiegen sind

Corona-Schnelltests für alle in Deutschland ab dem 1. März – aber wie?

Die Rückreise ans Internat war nur mit negativem Covid-Test möglich, der nicht älter als 48 Stunden sein durfte. Anschließend mussten die Schüler die Zeit – je nach Herkunftsort drei bis 14 Tage inklusive zweiter Testung – in Quarantäne auf ihren Zimmern verbringen, bis die Quarantäne vom Gesundheitsamt aufgehoben wurde.

„So war es möglich, Infektionen frühzeitig zu erkennen und etwaige Infektionsketten sofort zu unterbrechen“, sagt Raß. In all der Zeit habe es nur drei positive Fälle gegeben, bei denen es sich ausschließlich um Rückkehrer handelte, die durch die Quarantäne keine anderen anstecken konnten. „Zum Glück verliefen die Erkrankungen symptomfrei.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Bad Aibling: Alpaka-AG für Schüler ist der Hit

Da sich die Internatsschüler mit Rückkehr bis auf wenige Ausnahmefälle ausschließlich in den Internatsräumlichkeiten aufhalten, wurde für die Schüler der seit dem ersten Lockdwon bestehenden Hausgemeinschaft eine sogenannte Bubble geschaffen, in der das Risiko auf Ansteckungen maximal minimiert wurde. „Einzig die betreuenden Mitarbeiter stellen ein Restrisiko dar. Aus diesem Grund gelten für sie Maskenpflicht sowie klare Abstandsregeln“, so Raß weiter

Vom Videoabend bis zum gemeinsamen Kochen

„Es wurden viele Gesellschaftsspiele gespielt, Playstationturniere organisiert, Videoabende veranstaltet, gemeinsam gekocht, gebastelt, dekoriert und auch gemeinsam gelernt. Natürlich gab es auch Cybertraining“, so Raß. „Trotz der neuen Situation kam nie das Gefühl der Panik auf. Man hatte stattdessen immer das Gefühl, dass jeder für den anderen da war. Man rückte noch enger zusammen, um diese große Herausforderung gemeinsam zu meistern.“ Aufgrund der Tatsache, dass die Internatsschüler einen Hausstand bilden, können sie dem Unterricht auch klassenweise in Lernräumen folgen und nicht alleine auf den Zimmern.

+++ Aktuelle Nachrichten und Artikel rund um das Thema Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer OVB-Themenseite +++

Auf den Sportplätzen trainieren dürfen indes nur die Internatsschüler, die als Profis gelten. Das DFI ist im stetigen Austausch mit den Behörden, um es aufgrund der besonderen Umstände mit der in sich geschlossenen Gruppe auch den übrigen Internatsschülern zu ermöglichen, wieder auf den Plätzen im Sportpark Sport zu treiben.

Die DFI-Schüler kommen aus Australien, China, Thailand, Indonesien, Südafrika, USA, Indien, Albanien, Italien, Österreich, Schweiz oder aus Frankreich.

Lukas Blauensteiner sagt: „So groß war die Umstellung nicht.“

Interaktiver Online-Unterricht für alle

Doch die Partnerschule des DFI, der Dietrich-Bonhoeffer-Bildungscampus bot reibungslos für alle Fächer interaktiven Online-Unterricht – egal wo auf dieser Welt die Schüler gerade waren und sind.

Rund 75 sind mittlerweile wieder in Bad Aibling. Die restlichen 14 Schüler werden laut Raß in der kommenden Woche zurück erwartet. Zwei von ihnen werden jedoch noch in ihrer Heimat Südafrika bleiben, dort trainieren und lernen, und erst zurückkehren, wenn sich die Situation entspannt hat und und Flüge wieder regulär zur Verfügung stehen.

So empfinden die Schüler die Situation

DFI-Schüler Abhishek Kevadiya (15) nimmt gerade von Indien aus am Unterricht teil: „Für mich ist das sehr angenehm, da die Schule bei mir durch die Zeitverschiebung erst um 12 Uhr beginnt und ich deswegen länger schlafen kann. Natürlich vermisse ich aber den persönlichen Kontakt mit meinen Mitschülern und das Leben am Internat.“

Ob Tischtennis, Playstation, gemeinsam Kochen oder Videoschauen – am DFI sind Schüler und Betreuer alles andere als untätig.

Dort ist das Leben sehr entspannt, sagt Lenn Julian Scheidt (15). Doch auch er vermisst seine Freunde und seine Mannschaftskollegen.

Ohne die Freunde ist es nichr das Gleiche

„Ohne sie ist es nicht das Gleiche. Ich habe während des Lockdowns viel Zeit mit meinen Eltern verbracht, aber die Schule durfte leider auch nicht fehlen. Meine Freunde habe ich aufgrund der Regelungen nur bedingt sehen können, ansonsten habe ich den Kontakt über FaceTime gehalten.“ Auch am Internat habe man sich umstellen müssen, da man anfangs nicht auf den Platz oder gar auf das Gelände durfte. „Trotz alledem kommen wir damit sehr gut zurecht.“

Lenn Julian Scheidt vermisst seine Mannschaftskollegen.

Schüler vermissen Training und die Spiele

Auch Lukas Blauensteiner (15) stand während des Lockdowns häufig in Kontakt mit seinen Freunden und Mitschülern. Er sagt: „Jeder hat das Training und die Spiele vermisst.“ In der Freizeit habe er nur selten Freunde getroffen, war viel draußen im Freien oder hat sich im Haus beschäftigt. „Am DFI haben wir die freie Zeit genutzt, um zu entspannen, Fußball zu spielen, wenn es erlaubt war. Wir haben Glück, dass unsere Schule, der Dietrich-Bonhoeffer-Bildungs-Campus, so gut mit Tablets ausgestattet ist, deshalb war es keine große Umstellung.“

Mehr zum Thema

Kommentare