AUS DEM AMTSGERICHT

Bewährungsstrafe für zwei Männer aus Bad Aibling, weil sie gutgläubig Geld aus Love-Scamming weiterleiteten

Mit der verbreiteten Betrugsmasche, die sich „Love-Scamming“ nennt, ergaunerten zwei Drahtzieher eine stattliche Summe Geld, das sie über dieKonten zweier gutgläubiger Männer aus Bad Aibling „waschen“ ließen. Die beiden Kontoinhaber wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.
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Mit der verbreiteten Betrugsmasche, die sich „Love-Scamming“ nennt, ergaunerten zwei Drahtzieher eine stattliche Summe Geld, das sie über dieKonten zweier gutgläubiger Männer aus Bad Aibling „waschen“ ließen. Die beiden Kontoinhaber wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.
  • vonTheo Auer
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Sehr teuer kam zwei nigerianischen Asylbewerbern ihre Gutgläubigkeit zu stehen. Weil sie für jeweils einen nigerianischen Bekannten Gelder weiterleiteten und an Dritte übergaben, machten sie sich der leichtfertigen Geldwäsche schuldig.

Bad Aibling/Rosenheim – Vor dem Amtsgericht Rosenheim unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Lanzendorfer erschienen mit ihren Verteidigern ein 28-jähriger Nigerianer aus Rosenheim und dessen 26-jähriger Landsmann aus Bad Aibling. Beide befinden sich gerade in der Ausbildung. Sie hatten auf Bitten eines inzwischen untergetauchten Landsmannes jeweils ein Bankkonto eröffnet, auf welche im Laufe des Jahres 2019 Geldbeträge zwischen 100 und 10.000 Euro einbezahlt wurden.

Bank deaktiviert die Konten

Nach beider Aussage hatten sie darauf vertraut, dass es sich um Geschäftsgelder handelte, die sie für den jeweiligen Freund und Geschäftsmann weiter leiteten. Dass sie diese nach Eingang abzuheben und als Bargeld weiterzugeben hatten, hielten sie nach ihren Angaben für übliche Vorgehensweisen. Die Bank schloss von sich aus wegen der vergehenstypischen Abwicklungen auf den Umstand der Geldwäsche und deaktivierten deshalb die Konten.

Betrogene Frau geht zur Polizei

Als schließlich eine Frau, die sich durch ein sogenanntes Love-Scamming betrogen fühlte, in Ellwangen zur Polizei ging, stellte sich heraus, dass das so betrügerisch erlangte Geld auf ein Konto der Angeklagten eingegangen war.

Auf diese Weise waren bei dem einen von verschiedenen Frauen knapp 50.000 Euro, auf das Konto des anderen knapp 30.000 Euro eingegangen und von dort an die Hintermänner, die ihnen völlig fremd waren, weitergegeben worden. 16 Mal bei dem einen und 17 Mal beim zweiten hatte dies so funktioniert, bis die Banken die Konten geschlossen hatten. Die damals hier agierenden Hintermänner waren – weil längst nach Nigeria abgetaucht – von der Polizei nicht mehr zu ermitteln. „Wenn die Banken uns wissen hätten lassen, dass dies illegal ist, hätten wir sofort damit aufgehört“,so einer der Angeklagten.

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Dass die Absender der Gelder ausnahmslos verschiedene Frauen mit europäischen Namen und Herkunft waren, habe sie nicht misstrauisch werden lassen. „Ich hab’ niemals darauf geachtet, woher das Geld kam.“ Die Verteidiger verwiesen darauf, dass die Ermittlungsbehörden nur zwei Frauen benennen konnten, welche die Anzeigen erstattet hatten, und es keineswegs bewiesen sei, dass es sich bei den übrigen Versenderinnen überhaupt um Betrogene handelte. Daraufhin begab sich das Gericht mit Staatsanwaltschaft und Verteidigern in ein Rechtsgespräch, um den weiteren Fortgang des Verfahrens zu beraten.

Umfassendes Geständnis?

Dabei stellten Gericht und Staatsanwaltschaft in Aussicht, dass beide Männer mit einer Bewährungsstrafe davon kommen konnten, wenn sie ein umfassendes Geständnis ablegen würden.

Zwar war die Beweislage erdrückend, aber andererseits müssten – sofern die beiden Nigerianer sich einem Geständnis verweigern würden – alle Versenderinnen der Gelder ermittelt und als Zeuginnen vernommen werden. Die Angeklagten wiederum waren an sich zu einem Geständnis bereit, wäre da nicht der Paragraf 73 ff des Strafgesetzbuches. Dieser bestimmt nämlich, dass niemand aus dem Erlös einer strafbaren Handlung einen Vorteil ziehen darf. Das bedeutet, dass der Staat alle Erlöse, die aus einer strafbaren Handlung stammen, als „Wertersatz“ einzieht, beziehungsweise an die Geschädigten abführt. Im Falle der beiden bedeutet das, dass sie die weitergeleiteten Gelder ersetzen müssen, obwohl sie davon keinen Profit hatten.

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Die Verteidiger überzeugten ihre Mandanten, dass dies trotzdem das kleinere Übel sei. Dem Wertersatz würden sie in keinem Fall entkommen, weil sie ohnehin geständig waren. Sollte das Gericht aber zu einem Schuldspruch nach einem weiteren Ermittlungsverfahren kommen, so würde auch die Strafe weitaus höher ausfallen. Dies würde wahrscheinlich auch zu einer Abschiebung führen. So erklärten die Angeklagten sich schließlich schuldig.

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Die Staatsanwältin beantragte gemäß der allseits akzeptierten Verständigung gegen den einen Angeklagten eine Bewährungsstrafe von zwölf Monaten, gegen den anderen wegen der geringeren Schadenshöhe eine solche von zehn Monaten.

Verteidiger Dr. Marc Herzog unterstrich, dass es sich bei den Taten um eine leichtfertige Geldwäsche aus Gefälligkeit handelte und man die Ursachen dazu in den Strukturen eines völlig anderen Kulturkreises zu suchen habe. Zwölf Monate Haft zur Bewährung hielt er für die absolute Obergrenze einer Strafe für seinen Mandanten. In das gleiche Horn stieß für den anderen Angeklagten dessen Verteidiger Dr. Ertunc Kenan. Zehn Monate Haft zur Bewährung hielt er für angemessen.

Eigentlich mustergültig

Eigentlich, so die Richterin, hätten sich beide Männer geradezu mustergültig in Deutschland eingefügt. Dennoch hätten sie weit kritischer mit den Aufforderungen zu den Geldtransfers umgehen müssen. Sie verurteilte sie zu acht und elf Monaten Haft, die sie zur Bewährung aussetzte. Eine Geldbuße verhängte sie nicht, weil sie mit dem Wertersatz hinlänglich belastet werden würden.

Stichwort Love-Scamming

Früher nannte man sie Heiratsschwindler: Männer, die ihre weiblichen Opfer umwerben, Gefühle heucheln, Liebe vorgaukeln und dabei nur eines im Sinn haben: ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Im Zeitalter von Tinder, Parship und Co. hat sich der Liebesbetrug mit neuem Namen auf das Internet verlagert: Love-Scamming. Was meist im Internet als harmloser Flirt beginnt, ist oftmals organisiertes Verbrechen im großen Stil.

Gezielt werden Frauen von jungen Männern aus dem Ausland angeschrieben. Sie verlieben sich oftmals Hals über Kopf in den angeblichen Traummann und enden meist alleine und mit einem leeren Bankkonto. Denn nachdem die Love - Scammer das Vertrauen der Frauen erlangt haben, tischen sie ihnen eine irrwitzige Geschichte auf, mit der Bitte um kurzfristige finanzielle Hilfe.

Dabei kommt es häufig vor, dass die Frauen gutgläubig Hunderttausende Euro an ihren vermeintlichen Partner überweisen – und das Geld und ihren Freund nie wieder sehen. Erste Indizien für einen „Love Scammer“ sind lange Liebesbekundungen nach auffällig kurzer Zeit. Nach längerem Kontakt schildert der Betrüger oft eine Notsituation und bittet um Hilfe. Manchmal geht es laut Polizei auch um einfache Dinge, wie Geld für Flugtickets, um eine Begegnung möglich zu machen. Das Geld soll auf das Konto von Dritten überwiesen werden, von wo es per Geldwäsche auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

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