Gesundheitszentrum soll kommen

Bad Aibling: Beifall für überraschende Wende bei Kellerberg-Nutzung

Blick in die nahe Zukunft: In der ersten Jahreshälfte 2021 soll mit der Bebauung der Tiefgarage am Kellerberg begonnen werden. Im ersten und zweiten Geschoss entsteht ein Gesundheitszentrum, darüber Wohnungen.
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Blick in die nahe Zukunft: In der ersten Jahreshälfte 2021 soll mit der Bebauung der Tiefgarage am Kellerberg begonnen werden. Im ersten und zweiten Geschoss entsteht ein Gesundheitszentrum, darüber Wohnungen.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Eine über zehn Jahre währende Wartezeit wurde jetzt mit einer Überraschung gekrönt: Über der Tiefgarage am Kellerberg soll neben den geplanten Wohnungen nun doch ein Gesundheitszentrum entstehen.

Bad Aibling – Mit dieser Nachricht überraschte Geschäftsführerin Martina Auer von der Firma Auer Bau den Stadtrat in dessen jüngsten Sitzung. Die Vorstellung des Konzepts quittierte das Gremium mit Beifall – hatte es doch bis vor kurzem noch geheißen, dass die Wunschvorstellung von einem zweiten Ärztehaus nicht verwirklicht werden könnte und deshalb in den beiden ersten Geschossen Einzelhandels- und Büro-Nutzung sowie darüber Wohneinheiten geplant seien.

Baustart möglichst im ersten Halbjahr 2021i

Nun also doch. Und schnell soll es obendrein gehen: Wie Werner Zimmerhofer von der Partnerfirma WM GmbH bei der Vorstellung des Bauzeitenplans erläutert, befinde man sich bereits mitten in der Ausführungsplanung für das Gesundheitszentrum. Der von der Stadt genehmigte Bauantrag liegt derzeit noch beim Landratsamt, doch Bürgermeister Stephan Schlier geht fest von der Genehmigung aus. Laut Martina Auer ist es das Ziel, bis März 2021 alle Pläne fertig zu stellen. Mit dem Bau möchte man im zweiten Quartal 2021 beginnen, damit 2022 die Wohnungen und Praxen an die Nutzer übergeben werden können.

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Während die beiden ersten Geschosse, in denen die Arztpraxen einziehen, in Massivbetonbauweise mit sandgestrahlter Oberfläche errichtet werden, bestehen die drei Obergeschosse zur Wohnnutzung aus Holz (Tanne mit Graueffekt und Metallcharakter). Im dritten und vierten Geschoss entstehen jeweils sechs Wohnungen, im fünften Geschoss ein Penthouse. Von den 82 erforderlichen Stellplätzen (53 für die Praxen und eventuell eine Apotheke, 35 für die Wohnungen) würden 72 in der Tiefgarage nachgewiesen. Die fehlenden 16 wolle man ablösen. Die Tiefgaragen-Ebene -1 bleibe weiter öffentlich nutzbar, betonte Martina Auer in diesem Zusammenhang.

Großer Anspruch an die Fassade

Eine große Herausforderung stellt laut Zimmerhofer die begrünte Fassade dar. Hier setze man gemäß dem Siegerentwurf aus dem Fassadenwettbewerb auf einen hohen Anspruch, was die Nachhaltigkeit und Optik angehe. Die immergrünen Pflanzen würden bereits jetzt gepflanzt, damit der Bewuchs bei Bezug des Gebäudes schon zu 70 Prozent richtig gediehen sein wird.

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Auch aus weiteren Fachgebieten hat sich Auer Bau Experten mit ins Boot geholt. Dazu gehört die Firma Alpenpraxis, die sich auf den Verkauf und die Übernahme von Arztpraxen aller Fachrichtungen in der Voralpenregion spezialisiert hat und bereits an der Umsetzung des Ärztehauses an der Münchner Straße mitgewirkt hat.

BP-Rat Florian Weber bedankte sich dafür, „dass am Kellerberg nun gebaut wird“, machte jedoch aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber der Architektur keinen Hehl: „Bitte begrünen sie alles, was geht, damit man möglichst wenig davon sieht.“ Martina Thalmayr (Grüne), die erst in einer der jüngsten Sitzungen noch einmal die – von fast allen bereits ad acta gelegte – Hoffnung auf ein Ärztehaus geäußert hatte, freute sich, dass der Wunsch nun Wirklichkeit werden soll.

Einkaufsmarkt wünschenswert, aber nicht machbar

Dieter Bräunlich (ÜWG) wies allerdings auf einen in diesem Teil der Stadt dringend benötigten Nahversorger hin und fand: „Man vertut hier die Chance, einen Markt anzusiedeln, der gerade auch für Senioren so wichtig wäre.“ Martina Auer bekräftigte: „Das wäre auch meine Nummer 1 gewesen.“ Man sei in den vergangenen Jahren immer wieder mit den verschiedensten Marktbetreibern im Gespräch gewesen – jedoch stets mit dem Ergebnis, dass keiner in dieses Gebäude ziehen wollte: Zum einen seien die Flächen zu klein, zum anderen forderten die Märkte ebenerdige Parkplätze.

Gesundheitsstandort wird gestärkt

Positiv überrascht zeigte sich auch Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier von den neuen Entwicklungen am Kellerberg. „Ein Gesundheitszentrum ist die bestmögliche Nutzung für diesen Standort. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass dieser Wunsch der Stadt tatsächlich noch umgesetzt wird.“ Vor allem sei er froh, dass endlich gebaut werde. Das Projekt stärke den Gesundheitsstandort Bad Aibling. Schließlich gehe es darum, die Kassensitze vor allem auch im Bereich der Hausärzte zu halten. Die Erfahrungen mit dem Ärztehaus an der Münchner Straße hätten gezeigt, dass es für die Mediziner eine große Rolle spiele, bei den Räumlichkeiten unter einem gemeinsamen Dach auch Synergieeffekte nutzen zu können

Interview mit Martina Auer, Geschäftsführerin von Auer Bau

Frau Auer, von Seiten der Stadt war ein Ärztehaus am Kellerberg lange gewünscht, doch hieß es immer, dieser Zug sei abgefahren. Wie kam es dazu, dass es nun doch verwirklicht wird?

Martina Auer:Ein Aufbau auf ein bestehendes Gebäude ist stets anspruchsvoller als ein Neubau. Man muss sich an Gegebenheiten des Bestands anpassen und mit wesentlich mehr Know-how aufwarten. Am Kellerberg müssen wir auf viele Einschränkungen, die die Statik betreffen, reagieren. Ein Gesundheitszentrum haben wir als Bauherr nie ausgeschlossen. Intern haben wir verschiedenste Nutzungskonzepte geprüft, darunter immer auch ein Gesundheitszentrum/Praxen. Dem Stellplatzschlüssel dafür gerecht zu werden, ist aus Bauherrnsicht ebenfalls viel schwieriger als etwa bei Einzelhandel oder Büroräumen. Das schreckt natürlich erst mal ab. Wir haben uns aber entschlossen, diese Schwierigkeit auf uns zu nehmen, um ein dauerhaftes, nachhaltiges Nutzungskonzept darstellen zu können.

Wie sehen Ihre Idealvorstellungen dafür aus?

Martina Auer: Ideal für die Ärzte ist unserer Ansicht nach das Zusammenspiel von Wohnen und Arbeiten. Falls sich einige der Ärzte entscheiden, auch im Haus zu wohnen, so können wir kurze Wege bieten. Gleiches gilt für Bewohner, die die medizinische Versorgung direkt vor der Türe haben. Da die Wohnungen barrierefrei errichtet werden, gehen wir davon aus, dass sie auch für Senioren von großem Interesse sein können. Die 13 Wohnungen bieten durch unterschiedliche Größen und Grundrisse Wohnraum für alle Bedürfnisse. In den Praxen haben die Ärzte die Möglichkeit, sich bei Einteilung und Größe der Praxen einzubringen. Mit dieser planerischen Flexibilität möchten wir optimal ausgenutzte, moderne und helle Grundrisse bieten, die sowohl für Ärzte als auch Patienten einen Mehrwert mitbringen. Patienten können bequem in der Tiefgarage parken und mit dem Aufzug in die jeweilige Etage fahren. Ziel ist es, unterschiedliche Fachrichtungen im Haus zu platzieren, so dass gegebenenfalls eine direkte Überweisung an Kollegen möglich ist.

Welche Rolle spielt für Sie bei der Realisierung die Zusammenarbeit mit der Alpenpraxis?

Martina Auer: Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit dem Team. Herr Reichl und Herr Kreitmeier sind diesbezüglich bestens vernetzt im Landkreis und bringen großes Wissen und Erfahrung in der Besetzung von Ärztehäusern mit. Dieses Know-how stellt einen Mehrwert für die zukünftigen Ärzte in den Kellerberg-Terrassen dar.

Stehen weitere Nutzer schon fest?

Martina Auer: Die Vermarktungsphase für das Gewerbe beginnt ab sofort. Bei den Wohnungen gehen wir zum Jahreswechsel auf den Markt.

Interview mit Matthias Kreitmeier, Vermittler Alpenpraxis

Herr Kreitmeier, nach dem Ärztehaus an der Münchner Straße folgt Ärztehaus Nummer 2 am Kellerberg. Was macht diesen Standort besonders attraktiv?

Matthias Kreitmeier: Der Standort ermöglicht es, aufgrund seiner Planung als Ärztehaus auf bis zu 1800 Quadratmeter Praxisfläche alle Möglichkeiten eines Ärztehauses umzusetzen. Wir werden versuchen, es mit unterschiedlichen Fachrichtungen zu besetzen. Das bedeutet für den Patienten kurze Wege bei Überweisungen zu Ärzten im Haus, möglichst schnelle Behandlungen und optimale medizinische Versorgung. Das Kellerberg-Areal ist verkehrstechnisch von allen Richtungen aus hervorragend zu erreichen, Patienten können direkt aus der Tiefgarage in die Praxen gelangen oder im Anschluss in der Stadt Besorgungen machen. Definitiv ein deutlicher Mehrwert für die medizinische Versorgung in Bad Aibling.

Wann ist der Investor mit diesem Vorhaben auf Sie zugekommen und was war Ihr erster Gedanke?

Matthias Kreitmeier: Mitte des Jahres kam der Investor auf uns zu und fragte, ob ein Ärztehaus am Standort vorstellbar und realisierbar sei. Wir hatten tatsächlich vom ersten Augenblick an das Gefühl, dass man sehr professionell an das Vorhaben herangeht und von Grund auf die Anforderungen an eine Immobilie als Ärztehaus in die Planung mit aufnahm.

Welche Rahmenbedingungen bietet das Objekt für Interessenten?

Matthias Kreitmeier: Die Rahmenbedingungen könnten nicht besser sein: Nahezu beliebige Praxisgrößen ab circa 150 Quadratmeter bis hin zu 600 Quadratmeter auf einer Ebene, durch freie Grundrisswahl optimale Praxisabläufe darstellbar, hervorragende Erreichbarkeit mit sehr vielen Parkplätzen direkt im Haus.

Wie sieht das Interesse seitens der Ärzteschaft bisher aus?

Matthias Kreitmeier: Das Interesse ist sehr hoch, insbesondere bei Ärzten, die in den kommenden vier bis fünf Jahren einen Praxisnachfolger suchen. Hintergrund ist, dass Arztpraxen in Ärztehäusern weitaus einfacher einen Nachfolger finden – und dies bei deutlich höheren Verkaufspreisen der Praxen.

An welcher Fachrichtung hat Bad Aibling besonders großen Bedarf und welchen kann man voraussichtlich am neuen Standort Kellerberg decken?

Matthias Kreitmeier: Grundsätzlich kommen sämtliche Fachrichtungen in Frage. Besonderer Bedarf besteht mit Sicherheit im Bereich Dermatologie, was aber vor allem aufgrund der Zulassungsbeschränkung durch die Kassenärztliche Vereinigung eine erhebliche Herausforderung darstellt. Da wir in allen Bereichen der Zahnmedizin keine Niederlassungsbeschränkungen haben, kommen somit natürlich alle zahnärztlichen Fachrichtungen in Frage und sind deutlich einfacher zu besetzen.

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