Berufswunsch schon als Kind

Annelie Eberl aus Bad Aibling ist seit 50 Jahren Friseurmeisterin aus Leidenschaft

Annelie Eberl in ihrem Element – ohne Mundschutz derzeit nur bei ihrem Ehemann Horst möglich.
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Annelie Eberl in ihrem Element – ohne Mundschutz derzeit nur bei ihrem Ehemann Horst möglich.
  • vonJohann Baumann
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Als damals jüngste Friseurmeisterin Hessens bestand Annelie Eberl 1970 in Frankfurt am Main mit Erfolg ihre Meisterprüfung – jetzt wurde sie mit dem goldenen Meisterbrief ausgezeichnet. „Motiviert bis in die Haarspitzen“ ist sie auch mit 72 Jahren immer noch.

Bad Aibling – Mit dieser Urkunde ehrt die Handwerkskammer für München und Oberbayern Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeister, die vor 50 Jahren ihre Meisterprüfung abgelegt haben und eine 35-jährige selbstständige Tätigkeit im Handwerk als Handwerksmeister nachweisen können.

Meisterstück: Haare einzeln aufgeknüpft

Das „Gold-Dokument“ hat sie in ihrem Salon aufgehängt, dekoriert mit ihrem einstigen Meisterstück, einem Haarteil. „Dabei habe ich jedes Haar einzeln aufgeknüpft“, berichtet sie. Dass sie ihre goldene Auszeichnung in Oberbayern erhalten würde, stand damals freilich weit in den Sternen.

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Die „Gold-Meisterin“ kam 1948 in Dalwigksthal (Hessen) zur Welt und war sich schon als Kind sicher in ihrer künftigen Berufswahl. Im benachbarten Sachsenberg absolvierte sie ihre Friseurlehre und betrieb später in Raunheim bei Frankfurt ihren ersten eigenen Salon.

Tapetenwechsel führte nach Oberbayern

1967 schloss sie mit ihrem Mann Horst den Bund der Ehe, aus dem zwei Kinder und drei Enkelkinder hervorgingen. 1979 entschloss sich das Paar zu einem Tapetenwechsel und zog nach Oberbayern. Als neuer Lebensmittelpunkt standen unter anderem Starnberg, Bad Feilnbach und Bernau zur Wahl. Doch letztlich entschieden sich die beiden für Bad Aibling. In der Josef-Mayer-Straße bauten sie sich ihr neues Domizil.

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Während ihr Mann als „gelber ADAC-Engel“ problemlos seinem Beruf in Bayern weiter nachgehen konnte, war sich Annelie nicht sicher, ob sie mit ihrer neu eröffneten „Frisierstube Eberl“ erfolgreich sein würde. „Ich hatte ziemlichen Bammel“, bekennt sie im Gespräch mit unserer Zeitung, „bekomme ich genügend Zulauf, komme ich mit der bayerischen Mentalität zurecht?“ Ihr Mann wirkte beruhigend auf sie ein: „Haare wachsen überall, auch in Bayern.“

Der goldene Meisterbrief ziert die Frisierstube von Annelie Eberl – zusammen mit dem Meisterstück von 1970.

„Als sich meine allererste Kundin, eine gestandene Bayerin, gleich von mir eine Dauerwelle legen ließ, war der Bann gebrochen“, erzählt Annelie Eberl schmunzelnd. Ihre „Premieren-Kundin“ ist inzwischen 96 Jahre alt und kommt immer noch.

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„Klein, aber fein – bodenständig und kompetent“, das ist das Motto der Inhaberin. Sie geht auf ihre weiblichen und auch männlichen Kunden individuell ein und hat sich in den vergangenen 41 Jahren einen guten und treuen Kundenstamm aufgebaut – durch ihr hohes fachliches Können und ihr gewinnendes freundliches Wesen. Während in der Anfangszeit überwiegend Kurgäste zu ihr kamen, besteht ihre heutige „Haar-Klientel“ zu 98 Prozent aus Einheimischen.

Den Tag ausgewogen durchgetaktet

Schon früh hat sie auf eine ausgewogene Tages-Balance geachtet: „Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Freizeit und Familie, acht Stunden schlafen.“ Annelie Eberl (72) hat in ihrer geschmackvoll eingerichteten Frisierstube inzwischen ihre Öffnungszeit auf drei Vormittage pro Woche reduziert, bietet aber weiterhin das „volle Programm“: waschen, schneiden, färben, Strähnchen, Dauerwelle, Kopfmassagen – kreativ und „haargenau“.

Worte von Martin Luther als tägliche Begleiter

Nach besonderen Ereignissen ihres mehr als vier Jahrzehnte langen selbstständigen Berufslebens befragt, antwortet sie: „Ich liebe meinen Beruf – für mich ist jeder Tag eine Freude.“ Kraft gibt ihr auch von jeher als Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde ihr Glaube. Davon zeugt auch ein Spruch von Martin Luther in der „Frisierstube“: „Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über Deinem Haupt fliegen, kannst Du nicht ändern. Aber dass sie Nester in Deinem Haar bauen, das kannst Du verhindern“.

Motiviert bis in die Haarspitzen

Annelie Eberl, die sich in Bad Aibling längst „dahoam“ fühlt, freut sich auch in Zukunft an jedem Arbeitstag aufs Neue und bis in die Haarspitzen motiviert auf ihre Kunden.

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