Ärger vor Allerheiligen

Bad Aibling: Dreiste Diebe stehlen in Hinrichssegen Grabschmuck

Pietätlos und dreist ist der Diebstahl von Grabschmuck. Claudia Gündler erlebt das auf dem Friedhof Hinrichssegen nicht zum ersten Mal. Auf diesem Rondell hatte sie einen Kranz für ihre verstorbenen Eltern geschmückt.
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Pietätlos und dreist ist der Diebstahl von Grabschmuck. Claudia Gündler erlebt das auf dem Friedhof Hinrichssegen nicht zum ersten Mal. Auf diesem Rondell hatte sie einen Kranz für ihre verstorbenen Eltern geschmückt.
  • vonJohann Baumann
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An Allerheiligen wird der Toten gedacht. Deshalb liegt Angehörigen in diesen Tagen das Grab ihrer Verstorbenen ganz besonders am Herzen. Wenn sich dann dreiste Diebe am Grabschmuck vergreifen, sind Trauer und Empörung grenzenlos. Claudia Gündler hat das in Hinrichssegen jetzt schon viermal erlebt.

Bruckmühl – Die Gräber an Allerheiligen besonders schön zu schmücken, ist eine Tradition. Auch Claudia Gündler und ihre Schwester Elisabeth pflegen sie. Doch vom Urnengrab ihrer Eltern auf dem Friedhof in Hinrichssegen wurde immer wieder der Grabschmuck geraubt.

Rücksichtsloser, dreister Diebstahl

„Jedes Mal vor Allerheiligen wurden Gestecke und Blumenschmuck entwendet, die von meiner Schwester Elisabeth liebevoll angefertigt worden waren“, berichtet die 52-Jährige. Der Grabschmuck war auf einem dafür angelegten Rondell direkt gegenüber der Urnenwand drapiert worden und verschwand spurlos. Gündler ist erzürnt, kann nicht fassen, dass Menschen so „armselig“ sind, dass sie nicht einmal auf Friedhöfen vor Diebstahl zurückschrecken.

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„Es ist traurig, dass es Menschen gibt, die Grabschmuck stehlen, und es ihnen dabei völlig egal ist, dass er von den Angehörigen mit viel Liebe und in der Erinnerung an die Verstorbenen hergerichtet wurde“, sagt die in Willing lebende Frau. Sie hat ihrem Unmut darüber auch im „Bürgerforum Bad Aibling“ Luft gemacht. Die Resonanz darauf war groß.

Viele andere Betroffene melden sich

„Es gibt viele Menschen, denen es ähnlich geht“, weiß Gündler. So habe ihr eine Frau berichtet, dass auf dem Grab ihrer Angehörigen sogar eingepflanzte Blumen ausgegraben worden seien. Dabei sei der finanzielle Schaden aber nur eine Seite: Fertigt man ein Grabgesteck selbst an, muss das Material bezahlt werden. Beim Floristen bezahlt man für ein Grabgesteck abhängig von der Größe zwischen 30 bis 80 Euro. „Was viel schwerer wiegt, ist aber der emotionale Aspekt, das macht mich traurig“, spricht Gündler vielen Betroffenen aus dem Herzen: „Ein solches Verhalten ist für uns völlig unverständlich, wir sind richtig sauer“, bekennt sie.

Dass Gräber-Diebstahl in Bruckmühl gerade vor Allerheiligen wieder zunimmt, kann Elfriede Bengl-Kimmel, im Bruckmühler Rathaus unter anderem für die Friedhofsverwaltung zuständig, nicht bestätigen.

Straftat muss angezeigt werden

Derzeit gebe es dazu keine aktuellen Erkenntnisse. „Es kommt immer wieder mal vor, dass wir von solchen Diebstählen erfahren, in letzter Zeit wurde uns allerdings noch nichts mitgeteilt“, berichtet die Sachgebietsleiterin. Auch in der Polizeiinspektion Bad Aibling ist kein Diebstahl auf Friedhöfen angezeigt worden.

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Das muss aber nichts bedeuten. Denn so wie Claudia Gündler ärgern sich viele Betroffene zwar über den Diebstahl, zeigen ihn aber nicht an. „Wir können aber erst tätig werden, wenn uns ein Diebstahl angezeigt wird“, betont Polizeihauptkommissar Michael Fritz von der Aiblinger Polizei. Er koordiniert mit den Kommunen auch den Einsatz der Sicherheitswacht Mangfalltal. Wären Kontrollen auf dem Friedhof in Hinrichssegen denkbar? „Grundsätzlich schon, doch gerade Friedhöfe meiden wir mit Polizeipräsenz oder Sicherheitswacht, um die Menschen in ihrer Trauer nicht zu stören“, sagt Fritz.

Die Stille und Abgeschiedenheit eines Friedhofes haben sich in Hinrichssegen nun Diebe zunutze gemacht. Claudia Gündler zog aufgrund ihrer negativen Erfahrungen ihre Konsequenz und rät auch anderen Hinterbliebenen, den Grabschmuck für Allerheiligen nicht schon mehrere Tage vor dem Feiertag herzurichten, sondern erst am Abend zuvor oder am Tag selbst.

Das sagt das Strafgesetzbuch: Diebstähle vom Grab sind keine Kavaliersdelikte

Der Diebstahl oder das Zerstören von Blumenschmuck oder anderen Grabgegenständen ist keinesfalls ein Kavaliersdelikt ist. Zum eines ist es ein Verstoß gegen den Paragrafen 242 des Strafgesetzbuches: „Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft.“

Zudem verstößt dieses Handeln gegen den Paragrafen 168 des Strafgesetzbuches, der die Totenruhe schützt. Zum Schutzbereich gehört auch die Begräbnisstätte mit Zubehör sowie deren Bepflanzung. Jeder Diebstahl vom Grab, seien es Pflanzen oder andere Grabgegenstände, die sich auf dem Grab befinden sowie jede Zerstörung des Zubehörs fällt unter diesen Straftatbestand. Der Gesetzgeber sieht hierfür empfindliche Strafen vor. Je nach Schwere der Tat reicht die Sanktion von einer Geldstrafe bis zu drei Jahren Haft.

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