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Historische Stadtführung

Auf Zeitreise in Bad Aibling – Henker, Kaiser und Mediziner

Auf dem Marienplatz sprach der Stadtführer auch über die verschiedenen, von einst bis heute dort angesiedelten Rathausbauten. Baumann
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Auf dem Marienplatz sprach der Stadtführer auch über die verschiedenen, von einst bis heute dort angesiedelten Rathausbauten.
  • VonJohann Baumann
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„Bayerisches Flair, historische Häuser und Sehenswürdigkeiten“: Zu diesen Orten führt die Führung durch die Kurstadt Bad Aibling.

Bad Aibling – Zu einer „Historischen Stadtführung“ durch Bayerns ältestes Moorbad lud die Aibkur ein.

„Bayerisches Flair, historische Häuser und Sehenswürdigkeiten“ lautete das dazugehörige Motto. Der Rundgang startete am Heimatmuseum, wo Stadtführer Wilfried Schiffl anhand des über dem Eingang befindlichen Gemäldes – es zeigt den „Marcth Aibling“ um 1700 nach einem Kupferstich von Michael Wening – auf die Stadtgeschichte einging.

Karl der Große ließ Gerichtstag abhalten

Schon seit etwa dem Jahr 600 befand sich im damaligen „Epilinga“ ein wichtiger Verwaltungs- und Gerichtsort, wo Karl der Große 804 einen Gerichtstag abhalten ließ.

Zu Beginn des Rundgangs erläuterte Stadtführer Wilfried Schiffl die frühe Stadtgeschichte.

Um 1250 wurde auf dem Hofberg das „Pflegschloss“ (heute: Amtsgericht) erbaut und dort um 1300 das „Pflegamt“ eingerichtet, in dem der Vertreter des Herzogs residierte. Anschließend wies der „Rundgangleiter“ auf die Eröffnung des „Soolen- und Moor-Schlammbades“ durch den Landgerichtsarzt Dr. Desiderius Beck als erstes Moorbad Bayerns hin.

Weitere Bäder, wie das Ludwigsbad, wurden gegründet und nach der Inbetriebnahme der Maximiliansbahn 1857 kam der Kurbetrieb so richtig in Schwung. Das führte auch zur vermehrten Ansiedlung von Ärzten, von denen viele in die Villen in der Meggendorferstraße, ehemals Delfinstraße, einzogen. Die Architektur der Gebäude sei nicht eindeutig dem Jugendstil zuzuordnen, sondern zeige vielmehr oftmals eine Mischung verschiedener Baustile, so der Stadtexperte.

Einst gab es 13 Kurhotels

Neben der „Villa Siegfried“ und der „Villa Wahnfried“ bewunderten die zehn Teilnehmer auch das im Volksmund als „Arschbackenhaus“ bekannte Gebäude mit der Hausnummer 6, unter anderem mit den Abbildungen von Tristan und Isolde und einigen anatomisch prägnanten Engeln. „In Bad Aibling gab es einmal 13 Kurhotels und Sanatorien mit rund 3.000 Gästebetten“ erklärte Schiffl und schilderte den mit der Gesundheitsreform 1987 eingeleiteten Niedergang des Moorbadebetriebs, aber auch die Eröffnung der Therme im Jahr 2007.

Der weitere Rundgang führte zum „Pfleiderer Eck“ in die Bahnhofstraße mit dem mächtigsten Jugendstilhaus, früher als „Café Hördt“ bekannt. Das benachbarte „Kupferschmiedhaus“ – heute: Haushaltswaren Pentenrieder – mit seinen Lüftlmalereien entstand 1807. „Dort wurden für die damaligen fünf Aiblinger Brauereien Kupferkessel hergestellt“, berichtete der Rundgangsleiter.

Grobes Handwerk

Auf dem weiteren Weg erfuhren die Gäste Wissenswertes über die Glonn und den Mühlbach, der einstmals die Thürhamer Mühle, die Hofmühle und die Asam-Mühle mit Wasserkraft versorgte. Mit Blick in die Schmiedgasse und in die Färbergasse und mit Hinweis auf die dahinterliegende Gerbergasse wurde der Sitz des „groben Handwerks“ beschrieben.

Der „Schuhbräu“ war die älteste Braustätte von Bad Aibling.

Auf dem Marienplatz erwähnte Schiffl auch die frühere Postkutschen-Station und den „Duschlbräu“ als seinerzeit älteste Braustätte sowie die Geschichte der verschiedenen, im Laufe der Zeit dort angesiedelten Rathausbauten.

Maler Wilhelm Leibl galt als trinkfest

Er hob außerdem hervor, dass der Maler Wilhelm Leibl zehn Jahre in der Kurstadt verbrachte und hier nicht nur für seine Malkunst, sondern auch für seine Trinkfestigkeit bekannt war. Die Schlussetappe des abwechslungsreichen Streifzuges durch die Kurstadt führte zum historischen Lindner-Anwesen und in die Kirchzeile, wo das „feinere Handwerk“ beheimatet war. Dazu zählten auch Gold- und Silberschmiede, Hutmacher und Bäcker, darunter Aiblings älteste und noch heute noch existierende Bäckerei Winhart, die 1765 gegründet wurde.

Scharfrichter übte Amt aus

Im Anwesen Kirchzeile 12 – heute: Lokal „Genussart“ – übte vormals der Scharfrichter sein Amt aus, auch das Gefängnis war dort untergebracht. Im gegenüberliegenden „Baderhaus“, das 1424 erbaut wurde, mit seinem gotischen Stufenerker unternahm Dr. Desiderius Beck von 1840 bis 1845 zusammen mit dem Landarzt Michael Gschwändler erste Moorbadeversuche.

Informativ und interessant

Die interessante und informative Führung endete nach rund 90 Minuten mit Erläuterungen der Bebauungen auf dem Hofberg, der Keimzelle der Kurstadt. Die „Stadttouristen“ bedankten sich bei Wilfried Schiffl, der mit profundem stadtgeschichtlichem Wissen und humorvollen Anmerkungen den Rundgang zum Erlebnis werden ließ.

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