Aus dem Gemeinderat

Auch dieser Winter wird „salzig“: Bruckmühler Bauhof bleibt bei Streusalz und prüft Sole

In diesem Winter setzt das Bauhof-Team um Johann Schmid (links) noch auf den Einsatz von traditionellem Streusalz aus dem Silolager der Straßenmeisterei des Landkreises Rosenheim auf dem Aschenwaldgelände.
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In diesem Winter setzt das Bauhof-Team um Johann Schmid (links) noch auf den Einsatz von traditionellem Streusalz aus dem Silolager der Straßenmeisterei des Landkreises Rosenheim auf dem Aschenwaldgelände.
  • vonThorsten Neuwirth
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Mit dem Winterdienst beschäftigte sich der Marktgemeinderat in seiner Dezember-Sitzung. Dabei ging es vor allem um die Streumittel. Ein Konsens fand sich allerdings nicht. Der Tagesordnungspunkt wurde zurückgestellt. Das heißt: Auch in diesem Winter bleibt es beim Einsatz von Streusalz.

Bruckmühl – Schon im März hatte sich der Marktgemeinderat auf Initiative von Stefan Mager (Grüne) mit dem Thema beschäftigt, ohne sich aber auf ein verbindliches Winterdienst-Procedere verständigen zu können. Diesmal ging Bauhofleiter Franz Dengler mit einem Streumittelvergleich detailliert auf das Pro und Contra von Salz und Sole ein.

Aufbaustreuer für Sole würden 72 000 Euro kosten

Die Verwendung von Sole hat Vor- und Nachteile. So entstünden dem Markt Bruckmühl für die Neubeschaffung von Aufbaustreuern mit einer Feuchtsalzanlage für Sole Kosten in Höhe von 8996 Euro pro Großfahrzeug. Etwa acht Fahrzeuge müssten damit ausgerüstet werden. Die Anmietung entsprechender Winterdienstfahrzeuge sei nach Aussage von Bauhofleiter Franz Dengler wegen der hohen Kosten nicht wirtschaftlich.

Zudem hat der Bruckmühler Bauhof bislang keine Möglichkeiten für eine Notbevorratung von Sole. Auch hier wären also Investitionen nötig. Eine Bevorratung von Sole wäre aber auch beim Straßenbauamt Rosenheim möglich.

Sole-Aufbaustreuer für Schmalspur-Fahrzeuge gibt es laut Dengler nicht. Geh- und Radwege müssten also auch künftig mit Salz bestreut werden.

Pro und Contra wurde abgewogen

Einsparpotenzial gebe es beim Material: So liegen die Beschaffungskosten von Fertigsole (68,43 Euro pro Tonne) deutlich unter dem Niveau von Streusalz (92,69 Euro/Tonne). Auf Asphalt habe Sole nach Informationen von Dengler eine gute Haftung. Das Einsparungspotenzial gegenüber Streusalz läge hier bei etwa 30 Prozent. Allerdings kann Flüssig sole nur bis zu Temperaturen von minus sechs Grad Celsius zum Einsatz kommen.

Dengler informierte auch über die eingesetzten Mengen an Streusalz. Mit einem Blick auf die Nachbargemeinden Bad Aibling, Bad Feilnbach, Feldkirchen, Irschenberg und Kolbermoor nehme Bruckmühl zwar eine Spitzenposition ein, allerdings könne man die Gemeinden auch nicht miteinander vergleichen. Das liege laut Dengler an unterschiedlichen Straßenkilometern und Straßenprofilen (Anstiege, Berge, Überlandstrecken, Stadtgebiete), den differierenden Streuintensitäten und Wetterlagen.

Milde Winter helfen Streusalz sparen

Die Menge an Streusalz pro Kilometer wurde in der Marktgemeinde in den vergangenen drei Wintersaisonen von 4,93 auf 1,64 Tonnen reduziert. Auch die Gesamtmenge an Streusalz pro Winterjahr sank von 689 auf 229 Tonnen.

Bauhofleiter Dengler schlug vor, erst einmal ein Winterdienstfahrzeug mit einem Sole-Aufbaustreuer zu bestücken, um im Realbetrieb die Tauglichkeit von Sole testen zu können.

Für Josef Staudt (SPD/PU) war die Entscheidung klar: „Wir können mit dem Einsatz von Sole nicht nur Geld sparen, sondern haben auch weniger Salz auf den Straßen und können damit dem ökologischen Gedanken Rechnung tragen.“ Bürgermeister Richard Richter (CSU/PW) ergänzte, dass nach seinem Kenntnisstand das Straßenbauamt Rosenheim mit Sole gute Erfahrungen gemacht habe. Wolfgang Huber (Grüne) erkundigte sich nach Fördermitteln für die Umrüstung von Winterdienstfahrzeugen. Rathauschef Richard Richter beauftragte die Verwaltung, das in Erfahrung zu bringen.

Keinerlei Probleme bei der Verwendung von Sole

Auch für Georg Ziegltrum (CSU/PW) war die Entscheidung klar: „Wir sparen 30 Prozent an Finanzmittel, dazu noch Streumittel, ist doch alles gut.“ Fraktionskollege Klaus Christoph plädierte für die Beibehaltung des jetzigen Prozederes und ergänzte: „Wir könnten uns aber auch die Beschaffung eines Winterdienstfahrzeuges mit kombinierten Salz-Sole-Streuaufsatz vorstellen.“

Grünen-Rat Stefan Mager berichtete, dass nach seinen Recherchen beim Bauhof Rosenheim keinerlei Probleme bei der Verwendung von Sole bis minus zehn Grad aufgetreten seien. Für die Sole-Notbevorratung regte er ein eigenes Soleherstellungssystem an: „Die Investitionen amortisieren sich innerhalb weniger Jahre.“ Weiter stellte er fest, dass es auch Hersteller gebe, die Solestreuer für Kleinfahrzeuge im Programm hätten.

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Mager betonte er, dass es der Grünen-Fraktion darum gehe, so viel Salz wie nötig und so wenig wie möglich einzusetzen. Dabei schlug er auch den Bogen zur bayerischen Straßenbauverwaltung. Hier sei der Salzverbrauch durch den Einsatz von neuen Technologien, zu denen auch die Solestreuung gehöre, um etwa 30 Prozent gesenkt worden. Er regte an: „Lassen sie uns die Zukunft des Winterdienstes nachhaltig, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll gestalten.“

Magers Antrag, eine Entscheidung aufzuschieben und die Zeit zur weiteren Recherche zu nutzen, folgte der Marktgemeinderat mit einem 15:7-Entscheid. Für eine fundierte Sachentscheidung sollen Verwaltung und Bauhofleitung nun weitere umfangreiche Detailinformationen zusammentragen. Bis Ende des zweiten Quartals haben sie dafür Zeit.

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