NESTBAU DIREKT NEBEN GROßBAUSTELLE

Attraktion mitten in Bad Aibling: Gibt’s bald Storchennachwuchs im Westend?

Nestbauer im Anflug. Einer der beiden Bad Aiblinger Störche, die an der Westendstraße momentan die Blicke vieler Aiblinger auf sich ziehen. Hadersbeck
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Nestbauer im Anflug. Einer der beiden Bad Aiblinger Störche, die an der Westendstraße momentan die Blicke vieler Aiblinger auf sich ziehen. Hadersbeck
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Sie sind momentan die große Attraktion im Westen der Stadt: die beiden Weißstörche, die sich den Gipfel eines hohen Nadelbaums direkt neben der Baustelle der St. Georg-Schule als Nistplatz ausgesucht haben.

Bad Aibling – Was so wacklig und instabil aussieht, ist es in Wirklichkeit gar nicht. „Die Tiere haben die Äste für ihr Nest in den Baum hineingestochert. Das ist alles gut ineinander verhakt“, sagt Oda Wieding, Storchenbeauftragte des Landesbunds für Vogelschutz in Bayern, beim Blick auf die Fotos unserer Redaktion.

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Auch bei einem Sturm müsse man sich keine Sorgen machen, dass etwas passiert – bis auf ein gewisses Restrisiko, das es immer gebe. Dass die beiden Störche dort am Nachwuchs arbeiten, darauf deute ihr derzeitiges Kopulationsverhalten zwar hin. Es diene aber auch grundsätzlich der Paarbildung und es könne sein, dass die beiden heuer noch keinen Bruterfolg haben. Dann also Training für das kommende Jahr, in dem sie höchstwahrscheinlich am Nest weiterbauen.

Horst bis zu zwei Tonnen schwer

Ob der Nadelbaum den Horst allerdings allzulange wird tragen können, bezweifelt Diplom Biologe Harry Klottig, Leiter des Tierkundemuseums Bruckmühl: „Es wird ja immer wieder, von Jahr zu Jahr, ausgebaut und kann bis zu zwei Tonnen schwer werden.“ So ungewöhnlich, wie man meinen möchte, ist indes die Platzwahl laut den Experten nicht. „Dieses Jahr beobachten wir verstärkt Neuansiedlungen, und manche Paare suchen sich eben solche Plätze auch mitten in Städten aus.“ Auch ein Nestbau auf Baumkronen sei ganz natürlich.

Arbeiten sie schon am Nachwuchs oder nur an der Paarbildung? Aktiv sind die beiden Weißstörche in ihrem noch kleinen Horst auf dem hohen Nadelbaum im Westend jedenfalls.

Die Konstruktion an der Westendstraße sieht für Oda Wieding „wie ein normales ordentliches Nest aus – keine Luxusgröße, aber der Platz reicht“. Wenn es mit dem Nachwuchs klappt, wüssten die Kleinen, dass sie in der Mitte des Nests bleiben müssen. Und wenn sie die ersten Flugversuche unternehmen, „dann muss sich der andere halt immer ducken, aber das bekommen die Tiere schon hin“.

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Ein wenig spät sei das Paar zwar schon dran, doch könne es durchaus noch klappen. Zwischen zwei und fünf Eiern lege ein Paar im Schnitt, wobei sich die Älteren und Erfahrenen in der Regel mehr zutrauten als die Jungen, die sich meist auf zwei bis drei beschränken, so die Expertin. Nach circa 32 Tagen schlüpfen die Küken.

Erst lernen, selbst Futter zu finden

Dann dauere es noch einmal gut zwei Monate, bis sie fliegen und selbst Futter finden lernen. Bis dahin werden sie von den Eltern versorgt mit allem, was die Storchenspeisekarte hergibt: Regenwürmer, Libellenlarven, Kaulquappen, kleine Fische, Mäuse, Eidechsen und so manch anderes eiweißhaltiges lebende Futter.

Oda Wieding vom Landesbund für Vogelschutz.

Dass ihr Zuhause an der viel befahrenen Westendstraße neben einer Großbaustelle und in der Nähe der Bahnlinie liegt, macht ihnen gar nichts aus, ist sich laut Oda Wieding sicher: „Lärm stört die Tiere nicht. Sie schauen gelassen runter und sie wissen, dass so hoch oben niemand an sie rankommt.“

Bestände haben wieder zugenommen

Die Weißstorchpopulation hatte hier in der Region in den 1970er Jahren ihren Tiefststand, weiß Biologe Harry Klottig. Gründe für den starken Rückgang seien die Intensivierung der Landwirtschaft, Trockenlegung von Feuchtgebieten, Stromleitungen et cetera gewesen.

Der Verlust an Amphibien, Reptilien, Insekten sei auch durch Jahre mit größerem Mäusevorkommen nicht komplett zu kompensieren. Durch umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen, Extensivierung von Wiesen, Renaturierung von Feuchtgebieten und Horstbetreuung im Rahmen des Bayerischen Weißstorch-Schutzprogramms hätten die Bestände wieder zugenommen.

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